Es war ein berauschender Abend für den FC Bayern und seine Fans im Estadio Santiago Bernabéu. Dort, wo sie zuletzt immer leiden mussten, durften die Münchner zum ersten Mal seit 2012 wieder einen Sieg gegen Real Madrid feiern. Damals war ihnen im Elfmeterschießen der Einzug ins "Finale dahoam" gelungen. An diesem Dienstag hatte der deutsche Rekordmeister durch den 2:1-Hinspielsieg zumindest einen Schritt in Richtung Champions-League-Halbfinale getan. "Wir haben auswärts im Bernabéu gewonnen, das schaffen nicht so viele. Neun Spiele am Stück haben wir gegen Real nicht mehr gewonnen", freute sich Sportvorstand Max Eberl nach Abpfiff.
Eberl sieht "sehr, sehr gute Ausgangslage" fürs Rückspiel
Über den Gegentreffer und dass das Ergebnis sogar noch höher für die Münchner hätte ausfallen können, wollte niemand so wirklich sprechen. "Wir haben 2:1 gewonnen, wir haben in Summe verdient gewonnen und das gibt uns eine sehr, sehr gute Ausgangslage, um in einer Woche in unserem Stadion eine Runde weiterzukommen", wiegelte Eberl ab. Tatsächlich hatte der FCB in der ersten Halbzeit wie auch in der Schlussphase weitere Chancen liegen gelassen. Auf der Gegenseite hatte auch Real Madrid einige Gelegenheiten, die vor allem Manuel Neuer mit neun Paraden zunichte machte.
Wird der Gegentreffer durch Mbappé noch teuer?
Besonders in der zweiten Halbzeit wachten die Königlichen auf. Schlüsselmoment war die Einwechslung von Jude Bellingham, der nach einer Stunde den erst 18-Jährigen Thiago Pitarch ersetzte. Mit dem ehemaligen Dortmunder rollte ein Madrider Angriff nach dem nächsten auf das Tor der Bayern, die zu diesem Zeitpunkt schon mit 2:0 führten, was schließlich im Anschlusstreffer durch Kylian Mbappé resultierte. "Dass du gegen so eine Weltklasse-Mannschaft das ein oder andere Tor zulässt, das ist so", kommentierte Eberl den Gegentreffer, der noch teuer werden könnte.
Kompany will "in den Köpfen alles wieder auf Null setzen"
So geht der FC Bayern nur mit einem Tor Vorsprung ins Rückspiel. Trainer Vincent Kompany konnte dem Ergebnis nur Gutes abgewinnen. "Egal, ob es 3:1, 4:1 oder Unentschieden ist, ich werde in den Köpfen wieder alles auf Null setzen", kündigte der Belgier an. "Für mich ist wichtig, dass wir zuhause gewinnen." Dabei reicht den Münchnern vor heimischer Kulisse ein Unentschieden. "Wir haben einen Vorteil" befand Eberl, der sich auf Rechenspielchen der Reporter, in denen die Münchner zu 51 Prozent im Halbfinale ständen, nicht einlassen wollte. "Wir müssen genauso achtsam sein. Wir müssen genauso in der Defensive die Sprints abfangen. Wir müssen genauso mutig sein im Ballbesitz. [...] Die können aus dem Nichts einen diagonalen langen Ball spielen, dann haben sie diese Qualitäten."
Neuer: "Brauchen nicht in die Historie schauen"
Taktieren sollte man gegen die Königlichen ohnehin nicht, das zeigt der Blick in die Historie. Vor 24 Jahren traf man ebenfalls im Viertelfinale auf Real Madrid und schied trotz eines 2:1-Hinspielsiegs nach einem 0:2 im Rückspiel noch aus. Auch 2011 reichte dem FC Bayern kein 1:0-Sieg in Mailand fürs Weiterkommen, weil man sich im Rückspiel 2:3 geschlagen geben musste. Manuel Neuer hatte aber keine Lust auf Geschichtsunterricht: "Wir brauchen gar nicht in die Historie schauen, wir brauchen nur auf unsere Mannschaft zu schauen." Für den Mann des Abends war stattdessen klar: "Wir wissen, dass es in München ein hartes Stück Arbeit werden wird für uns, wenn man sieht, wie stark die Spieler sind, wenn sie Räume haben."
Video: Sportvorstand Eberl ist zufrieden
Manuel Neuer

