Das blamable Erstrunden-Aus im DFB-Pokal in Illertissen war die negative Krönung eines - zumindest ergebnistechnisch - vollkommen verkorksten Saisonstarts des 1. FC Nürnberg. Auch Sportvorstand Joti Chatzialexiou spricht die "inakzeptable Leistung in der ersten Halbzeit" im BR24Sport-Interview an. "Das darf uns nicht passieren, als Zweitligist bei einem Viertligisten zu verlieren."
Chatzialexiou beklagt "unglückliche Niederlagen" in der Liga
Doch den Start in die neue Saison bewertet Chatzialexiou nicht annähernd so negativ wie viele Fans. Vielmehr habe es sich bei den Pleiten in Elversberg und zuhause gegen Darmstadt (beidesmal 0:1) um "unglückliche Niederlagen in den letzten Minuten, wo der Funke Konzentration gefehlt hat" gehandelt.
Nach drei Spielen steht der Club damit mit drei Niederlagen da. In der Liga null Punkte, im Pokal das Aus in Runde eins. Doch auch wenn Sportvorstand Chatzialexiou um Geduld wirbt und sagt: "Es ist wichtig, dass wir unseren Weg gehen, und den werde und will ich fortführen." Die Baustellen beim neunfachen Deutschen Meister sind aktuell klar erkennbar.
Mannschaftsstützen außer Form: Was passiert mit Jander?
Kapitän Robin Knoche und Tim Janisch sind Welten von ihrer Form aus der letzten Saison entfernt. Beide blieben in Illertissen zur Halbzeit in der Kabine. Knoche patzte wie schon gegen Darmstadt auch gegen Illertissen. Neuzugang Luka Lochoshvili konnte die Abwehr noch nicht wie gewünscht stabilisieren. Am Samstag kassierte der Club schon den zweiten Gegentreffer nach einer Standardsituation.
Trainer Miroslav Klose brachte für Knoche den zuletzt verletzten Caspar Jander. Der aktuell teuerste Nürnberger, dem nach wie vor ein Interesse des VfB Stuttgart nachgesagt wird, riss das Spiel förmlich an sich und hatte großen Anteil am stark verbesserten Auftritt in Halbzeit zwei. Doch nach wie vor ist unklar, ob Jander beim Club bleibt oder doch noch geht.
Zweifel an Neuzugang Zoma: "Tzimas kannte auch keiner"
Das gilt im Allgemeinen für den Kader, der immer noch nicht vollständig ist. "Wir werden weiterhin auf dem Transfermarkt tätig werden. Das steht fest", sagte Chatzialexiou am Dienstag. Am Morgen hatte der Club die Verpflichtung von Mohamed Ali Zoma bekannt gegeben. Der 21-Jährige Stürmer wechselt aus der dritten italienischen Liga von UC AlbinoLeffe nach Nürnberg. Ebenfalls kein großer Name, den sich viele Fans wünschen. Chatzialexiou gibt trotzdem zu bedenken. "Einen Stefanos Tzimas kannte im letzten Jahr auch keiner und am Ende war er unser Topstürmer." Tzimas kam damals aber von PAOK Saloniki aus der ersten griechischen Liga. Zoma soll die Offensivflaute beheben. In der Liga wartet der Club noch auf einen Treffer.
Chatzialexiou verspricht weitere Neuzugänge
Der unvollständige Kader wird zunehmend zum Problem. Chatzialexious Taktik, mit Transfers möglichst lange zu warten, um hochkarätige Profis zu bekommen, ist Stand jetzt nicht aufgegangen und hat schon Punkte gekostet. Gerade im Mittelfeld hat der Club nach wie vor keinen Castrop-Ersatz gefunden. Laut der "BILD" soll sich der FCN für Finn Ole Becker von der TSG Hoffenheim interessieren. Becker war im Pokal am Wochenende nicht mal Teil des Hoffenheimer Kaders.
Neuzugänge, die erst spät zum Team dazustoßen und nicht die Vorbereitung absolviert hatten, sind schwerer zu integrieren. Vielleicht ist das aber auch das Los eines dauerklammen Zweitligisten, der - wie Chatzialexiou nicht müde wird zu betonen - trotz Millionenverkäufen nach wie vor jeden Cent umdrehen muss.
Nürnberger Fehlstart auch in der letzten Saison
Auch wenn das Saisonziel Platz sieben aktuell utopisch erscheint. Hoffnung macht die letzte Saison, in der der Club auch große Startschwierigkeiten und ähnliche Probleme (harmlose Offensive, anfällige Defensive) hatte. Anschließend entwickelten sich die Nürnberger zur Mannschaft der Stunde und hatten am Ende mit dem Abstieg nichts zu tun.
Sportvorstand Chatzialxiou ist weiterhin zuversichtlich, dass eine solche Entwicklung auch in dieser Saison möglich ist.