Im Ziel senkte Linus Straßer seinen Kopf, er schnaufte durch und begrub den Helm schließlich zwischen seinen Handschuhen. Dann schüttelte er mit dem Kopf. Das Bild verriet recht schnell: Dem stärksten deutschen Slalomfahrer ist lediglich ein mittelprächtiger Einstand in den so wichtigen Slalom-Monat Januar gelungen.
Der Münchner belegte Rang 14 beim Nachtslalom in Madonna di Campiglio am Mittwochabend. Es ist kein wirklicher Schritt nach vorne für ihn in einer bislang schwierigen Saison. Mit der so spannenden Entscheidung im Finale hatte er daher nichts zu tun - den Sieg sicherte sich unter dem Flutlicht der Canalone Miramonti stattdessen der Franzose Clement Noel vor dem Finnen Eduard Hallberg (0,12 Sekunden zurück) und seinem Landsmann Paco Rassat (+ 0,37), der von Rang 16 auf drei fuhr.
Männer-Slalom garantiert Spannung – auch bei Olympia
Damit gab es auch im fünften Saisonrennen einen neuen Sieger. Nichts ist derzeit so spannend wie der Slalom im Ski-Weltcup der Männer. BR-Wintersportexperte Felix Neureuther sieht aktuell gar 20 verschiedene Fahrer, die aufs Podest fahren können, wie er während des Nachtslaloms verriet. Das sind doch spannende Aussichten für den Olympia-Slalom am 16. Februar.
Neureuthers einstiger Mannschaftskollege Straßer, WM-Bronzegewinner von 2025, ist einer von diesen Fahrern. Er hatte wie in der Vorsaison einen durchaus schwierigen Start in den Winter und sucht nach mehreren Mittelfeldplatzierungen noch nach der Bestform. Im Trentino hoffte er nun auf eine Verbesserung.
Doch während Straßer der erste Lauf noch mit Zwischenrang sieben ganz passabel gelang, reihte er im zweiten Durchgang ein paar Fehler zu viel aneinander. "Wenn du merkst, dass du eigentlich mit den Zuschauern reden kannst, weil du so langsam an ihnen vorbeifährst: Der hat weh getan...", sagte er über einen Fehler im zweiten Durchgang am BR-Mikrofon.
Im Video: Der Nachtslalom in der Zusammenfassung
Clement Noel (M.)
Nach Materialwechsel: Gelingt Straßer im Slalom-Monat Januar die Wende?
So richtig scheint Straßers Materialwechsel vor der Saison noch immer nicht zu fruchten - zumindest von außen betrachtet. Der 33-Jährige beschwichtigte jedoch: "Ich habe mir das die letzten Wochen hart erarbeitet mit meinem Trainer, mit meinem Servicemann. Wir sind auf einem richtig guten Weg."
Pünktlich zum Januar also, dem Monat der großen Slalom-Klassiker, soll es jetzt doch noch nach oben gehen. In den nächsten Wochen stehen noch Adelboden, Wengen, Kitzbühel und Schladming im alpinen Ski-Weltcup der Männer an. Vor einem Jahr belegte der Skilöwe vom TSV 1860 München in Madonna den sechsten Rang, im darauffolgenden Slalom in Adelboden war er schon Vierter – und die Jahre davor hatte er mit Siegen in Kitzbühel und Schladming bewiesen, dass der Januar sein Monat ist. Die Vorzeichen sollten also stimmen.
Finne Hallberg zur Halbzeit überraschend vorne
In Madonna hatte sich am Mittwoch schon nach dem ersten Durchgang ein spannendes Finale angedeutet. Gerade einmal 0,65 Sekunden lagen zwischen dem überraschenden Ersten Hallberg, der erst mit Startnummer 21 ins Rennen ging, und den Elften Lucas Pinheiro Braathen aus Brasilien und Laurie Tyler aus Großbritannien. Straßer lag als Siebter 0,41 Sekunden hinter Hallberg, der spätere Sieger Noel war als Halbzeit-Dritter 0,23 Sekunden zurück.
So enge Abstände sind zwar typisch für die Canalone Miramonti in Madonna di Campiglio, aber doch total untypisch im gesamten Slalom-Jahr. Und sie machen dank solch spannender Rennen Appetit auf mehr in diesem so wichtigen Slalom-Monat direkt vor den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo im Februar. Mit einem dann möglicherweise doch wiedererstarkten Linus Straßer.
Im Video: Der 1. Durchgang des Nachtslaloms von Madonna di Campiglio im Re-Live
Timon Haugan


