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Immer mehr Ärztinnen und Ärzte melden sich bei der Arbeitsagentur
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Immer mehr Ärztinnen und Ärzte melden sich bei der Arbeitsagentur

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Überraschende Entwicklung: Ärzte-Arbeitslosigkeit steigt zügig

Überraschende Entwicklung: Ärzte-Arbeitslosigkeit steigt zügig

Obwohl Berufsverbände über Ärztemangel klagen: Die Zahl der Mediziner, die arbeitslos gemeldet sind, steigt seit einigen Jahren spürbar, auch in Bayern. Die Kammer hat mehrere Erklärungen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Der Arztberuf sei ein "Mangelberuf", erklärt die Bundesagentur für Arbeit. Doch die Zahl der arbeitslosen Ärzte, die die Bayerische Landesärztekammer in ihrer Jahresstatistik aufführt, ist im vergangenen Jahr um mehr als zehn Prozent gestiegen, auf 2.960. Innerhalb eines Jahrzehnts beträgt der Zuwachs mehr als 70 Prozent.

Überproportionaler Anstieg bei arbeitslosen Ärzten

Zwar steigt auch die Zahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte in Bayern von Jahr zu Jahr. Zwischen 2015 und 2025 legte sie um fast 23 Prozent zu, auf zuletzt 74.926. Denn jedes Jahr kommen mehr junge Mediziner in den Beruf als ausscheiden. Doch der Anstieg der Zahl der arbeitslosen Ärzte ist mehr als dreimal so schnell wie der Anstieg bei den Berufstätigen.

Erklärungen für höhere Arbeitslosigkeit

Bayerns Ärztepräsident Gerald Quitterer sucht nach Erklärungen für den Anstieg der Arbeitslosigkeit unter seinen Kolleginnen und Kollegen. Erklärungsansätze findet er vor allem in zwei Entwicklungen, die schon länger andauern:

Auch in Praxen arbeiten immer mehr Ärztinnen und Ärzte als Angestellte. Dort ist ihr Anteil inzwischen in Bayern auf fast 40 Prozent gewachsen, vor zehn Jahren war dieser Anteil erst gut halb so hoch. Wer aber von einer Anstellung zu einer anderen wechsele, sei oftmals zwischendrin einige Monate ohne Beschäftigung und falle deswegen in der Statistik in die Kategorie "arbeitslos", erläutert Quitterer.

Ein anderer Faktor sei die steigende Zahl von Ärztinnen und Ärzten mit ausländischem Pass. Es sei eine große Bereicherung, dass jedes Jahr aus der ganzen Welt Mediziner nach Bayern kommen, betont der Landesärztepräsident. Nach Daten der Bundesärztekammer hat sich die Zahl der ausländischen Ärzte innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt, auf bundesweit zuletzt gut 68.000.

Bis ausländische Kollegen alle Anerkennungen haben, vergehe aber oft beträchtliche Zeit, stellt Bayerns Ärztepräsident fest: "Auch das könnte ein Grund sein, warum wir vermehrt Kollegen haben, die als Arbeitslose in die Statistik kommen."

Ansprüche an den Arbeitsplatz

Neben Anerkennungsproblemen, vor denen ausländische Ärzte stehen, hat die Arbeitsagentur eine zusätzliche Erklärung, warum die Arbeitslosigkeit im Arztberuf steigt: "Eine wachsende Diskrepanz zwischen den Wünschen der arbeitssuchenden Medizinerinnen und Mediziner und den angebotenen Stellen" könne ein Erklärungsansatz sein, schreibt die Bundesagentur für Arbeit.

Zu dieser "Diskrepanz" passt nach Einschätzung der Arbeitsagentur auch ein anderer Befund: Von den arbeitslosen Ärztinnen und Ärzten seien vergleichsweise viele in Großstädten gemeldet, in ländlichen Regionen hingegen sei die Ärzte-Arbeitslosigkeit besonders gering.

Aufmerksamkeit, aber keine Sorge

Der zügige Anstieg der Ärzte-Arbeitslosigkeit löst bei Fachleuten noch keine Besorgnis aus. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund erklärt auf BR-Anfrage: "Wir sehen bundesweit kein größeres Problem im Hinblick auf Arbeitslosigkeit unter Ärztinnen und Ärzten."

Ebenso betont Bayerns Ärztepräsident Quitterer, er mache sich "keine Sorgen", auch wenn er den Anstieg der Arbeitslosenzahlen auffällig findet. Der Kammerpräsident ergänzt allerdings: "Wenn sich das weiter so entwickelt, müsste man genauer darauf schauen."

Weiterhin Vollbeschäftigung

Auch wenn die Ärzte-Arbeitslosigkeit steigt, sieht die Bundesagentur für Arbeit (BA) einen "Fachkräftemangel in der Humanmedizin". Die Arbeitslosenquote im Arztberuf bleibe im Bereich der Vollbeschäftigung, schreibt die BA in einer Sonderauswertung für den Bereich Medizin und Pharmazie. Bundesweit liegt die Arbeitslosenquote in der Ärzteschaft bei 2,5 Prozent.

Dieser Artikel ist erstmals am 17. Januar 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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