"Vielleicht kann der Amoklauf der Windindustrie zu Lasten der Natur und des Landschaftsbildes nun endlich ein Ende haben." So frohlockte Johannes Bradtka, Vorsitzender des Vereins für Landschaftspflege, Artenschutz & Biodiversität (VLAB), nach dem gewonnenen Urteil gegen eine Windkraftanlage. Sein Verein bemüht sich in ganz Bayern um die Verhinderung von Windkraftanlagen.
- zum Artikel: Windkraftausbau im Süden – lohnt sich das überhaupt?
Betreiber: Auch Ökostrom muss sich rechnen
So auch im Fuchstal im Landkreis Landsberg am Lech. Dort schien das Windkraft-Projekt von Robert Sing zu scheitern, wegen des Rotmilans. Aufgrund einer Vielzahl von Flügen des Greifvogels wurde eine Baugenehmigung nur unter Auflagen erteilt: Von Mitte März bis Mitte August sollten die geplanten drei Anlagen tagsüber ausgeschaltet bleiben. Denn in diesem Zeitraum finden die Brut- und Flugzeit der Jungvögel statt.
Ein hartes Urteil für Projektentwickler Sing: "Damit war das Projekt tot für uns. Die Abschaltungen bedeuten 22 Prozent Ertragsverlust im Jahr. Und damit waren die Anlagen nicht wirtschaftlich", sagt er im Gespräch mit BR24.
Hightech erkennt Rotmilan und stoppt Anlage
Doch Sing gab nicht auf. Er entdeckte ein Kamerasystem, das die Pläne für seine Anlage retten konnte: Ständig scannt es den Himmel ab und identifiziert per Künstlicher Intelligenz jeden Rotmilan, der sich einer Windkraftanlage nähert. Kommt ein Greifvogel zu nahe, wird die Anlage kurzzeitig ausgeschaltet. Eine monatelange Abschaltung, wie ursprünglich geplant, wurde somit überflüssig und die Anlagen wieder wirtschaftlich rentabel. "Nur ein Prozent Ertragsverlust. Das ist unglaublich wenig und auf jeden Fall ein Gamechanger", freut sich Sing.
Forscher: Windkraftgegner nicht so leicht zu beruhigen
Die Windkraftanlagen konnten schließlich, dank des Kamerasystems, doch gebaut und das ganze Jahr über betrieben werden. Der Rotmilan war geschützt, Naturschützern zufolge ist die Population des Greifvogels in der Gegend sogar gewachsen. Eine zufriedenstellende Lösung auch für die Windkraftgegner?
Leider nein, wie Christoph Moning von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf im Gespräch mit BR24 erzählt. Der Zoologe hat den Einsatz und die Tests des Kamerasystems an der Anlage im Fuchstal wissenschaftlich begleitet. Anhand eines Gutachtens konnte er bestätigen, dass die KI-Kamera den Rotmilan wirksam schützt.
Zoologe: Der Rotmilan muss anders geschützt werden
Forscher Moning hegt den Verdacht, dass es den Windkraftgegnern nicht allein um den Rotmilan gehen könnte: "Da sind die Abstandswerte eingehalten, die Lärmpegel, da sind die Zufahrtswege entsprechend gestaltet worden und, und, und…", zählt er auf. "Wenn alles im Prinzip den Regelungen entspricht, dann habe ich nur noch eine einzige Möglichkeit, die Windkraft zu stoppen, indem ich irgendeine Art finde, die diese Anlage verhindern kann, zum Beispiel ein Rotmilan", so sein Vorwurf.
Er habe schon mehrfach erlebt, dass Artenschutz vorgeschoben werde, um andere Interessen zu vertreten. Dabei sei der Schutz von Vogelarten wichtig, so der Zoologe. Das Hauptproblem sieht er jedoch an anderer Stelle: "Arten verschwinden deshalb, weil wir auf so großer Fläche so intensiv wirtschaften und wir im Prinzip keine Resträume mehr haben, in denen diese Arten noch überleben können." Wer mehr Artenschutz wolle, müsse sich für weniger Bodenversiegelung einsetzen, naturnahe Landwirtschaft oder Brachflächen, die nicht landwirtschaftlich genutzt werden.
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