Gezielte Explosion einer gegnerischen Seemine bei einer Übung der Bundesmarine
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Bildrechte: picture alliance / photothek | Liesa Johannssen
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Falle unter Wasser: Wie Seeminen den Welthandel ausbremsen

Falle unter Wasser: Wie Seeminen den Welthandel ausbremsen

Seit Beginn des Krieges in der Golfregion ist die Straße von Hormus und damit eine der wichtigsten Routen der globalen Schifffahrt praktisch versperrt. Ein Grund: die Angst, dass ein Tanker auf eine iranische Seemine laufen könnte.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Auf den ersten Blick ist Irans Marine den Seestreitkräften der USA haushoch unterlegen. Teheran verfügt über keinen einzigen Flugzeugträger und hatte vor Beginn des Krieges kaum größere Kampfschiffe oder U-Boote. Die vergleichsweise kleine Flotte gilt zudem als veraltet. Das Land setzt deshalb auf eine sogenannte asymmetrische Seekriegsführung und günstig produzierte Waffen.

Denn was der Iran in großer Stückzahl hat, das sind Kurzstreckenraketen und Drohnen. Vom Festland gestartet können sie langsam fahrende Frachter und Tanker in der Straße von Hormus kaum verfehlen. Dazu kommt eine unbekannte Zahl von Seeminen.

Schon Spekulationen schrecken Reeder ab

Solche Waffen beruhen auf dem Prinzip der Abschreckung, ähnlich wie Minen an Land: Sie sollen den Zugang oder die Durchfahrt durch ein bestimmtes Gebiet unmöglich machen. Für die Straße von Hormus würde eine Verminung bedeuten: Jedes Schiff, das die Meerenge passieren will, läuft Gefahr, durch die Explosion einer solchen Mine versenkt oder zumindest schwer beschädigt zu werden.

Ein Risiko, das verantwortungsvolle Reedereien und Kapitäne nicht auf sich nehmen können. Schon Berichte, der Iran könnte mit einer Verminung begonnen haben, bedeuten deshalb de facto eine Sperre dieses wichtigen Handelsweges.

Treib-, Ankertau- und Grundminen – Was sagt das Völkerrecht?

Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Typen von Seeminen. Die technisch einfachste – und völkerrechtlich in den meisten Fällen verbotene – Variante ist eine Treibmine, die sich unkontrolliert mit der Meeresströmung bewegt. Da zumeist völlig unberechenbar ist, ob sie ein militärisches oder ziviles Ziel trifft, gilt sie in der Regel als Terrorwaffe.

Standard sind dagegen Minen, die über ein Tau verankert sind oder als sogenannte Grundminen direkt auf dem Meeresgrund liegen. Es gibt sie in unterschiedlichsten Ausführungen, die entweder durch eine Fernsteuerung oder die direkte Berührung mit einem Schiff ausgelöst werden. Oder sie erkennen durch Sensoren, dass ein Schiff in der Nähe ist, indem sie zum Beispiel Magnetfelder, Geräusche oder den Wasserdruck analysieren.

Wie viele Minen welchen Typs der Iran besitzt, das ist unbekannt. Grundsätzlich aber kann das Land schon durch Spekulationen über ihren Einsatz eine der wichtigsten Seestraßen der Erde blockieren.

Wie spürt die Bundeswehr Seeminen auf?

Nicht nur für die Schiffe in der Straße von Hormus sind Seeminen eine Gefahr. Auch bei der Bundesmarine gehört das Aufspüren und Zerstören von Sprengfallen in der Nord- und Ostsee seit jeher zu den wichtigsten Aufgaben.

In den vergangenen Jahren ist auch in der Öffentlichkeit das Bewusstsein dafür gestiegen, wie wichtig und gleichzeitig verwundbar die maritime Infrastruktur ist: Von unterseeischen Pipelines bis hin zu Strom- und Datenkabeln, die zuletzt gerade in der Ostsee immer wieder beschädigt wurden. Die Bundeswehr verfügt schon heute über Spezialschiffe, die gezielt nach Minen suchen und sie auch zerstören können. Unter anderem setzt sie dabei auch unbemannte Systeme ein, zum Beispiel die Unterwasserdrohne Seefuchs.

Rüstungsindustrie erwartet große Nachfrage nach Marinedrohnen

In den kommenden Jahren wollen die meisten NATO-Streitkräfte massiv in neue Drohnen investieren. Der Ukrainekrieg und der Konflikt in der Golfregion zeigen, wie entscheidend solche unbemannten Systeme inzwischen für das Militär sind. Gleich mehrere Spezialisten für fliegende Drohnen wollen nun auch unbemanntes Gerät für den Einsatz auf und unter dem Meer entwickeln.

Darunter sind die oberbayerischen Startups Helsing und Quantum Systems ebenso wie etablierte Rüstungsriesen. So stellte Rheinmetall vor wenigen Tagen in Hamburg ein unbemanntes Überwasserboot vor, das auch bewaffnet werden kann. Allerdings sollen die Boote vom Typ K3 Scout nach jedem Einsatz zurückkehren und nicht als Kamikaze-Drohnen dienen.

Schwimmende Bomben - Kamikaze-Drohnen zur See

Maritime Kamikaze-Drohnen sind in der Seekriegsführung nichts grundsätzlich Neues. Ihre Vorläufer wurden schon vor mehr als 2.000 Jahren erfunden. Aus der griechischen und chinesischen Antike gibt es Berichte über sogenannte "Brander": alte Boote, die zu schwimmenden Fackeln umgebaut und in Richtung feindlicher Schiffe geschickt wurden, um diese zu entzünden.

Im Zweiten Weltkrieg setzten mehrere Nationen dann bemannte Torpedos ein, auch die deutsche Kriegsmarine. Die Einsätze glichen Himmelfahrtskommandos, die wenigsten der sehr jungen eingesetzten Soldaten überlebten, während der militärische Erfolg dieser Waffen überschaubar blieb.

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