Der Preis für Gold erlebt einen beispiellosen Aufschwung in allen Währungen. 2025 waren es 53 neue Allzeithochs für die Feinunze allein im US-Dollar. Enorme Preissprünge von 2.000, 3.000 auf mehr als 4.000 US-Dollar sorgten für psychologischen Rückenwind auf Käuferseite. Und die Rallye geht vorerst weiter. Am 12. Januar wurde ein Rekord-Schlussstand erreicht von 3.940,03 Euro je Feinunze. Im Lauf der Woche ist der Kurs dann nochmal um knapp 20 Euro gestiegen.
Steigt der Goldpreis weiter? Vorsicht ist angesagt
Klar ist: Wer viele Jahre - gegen die überwältigende Mehrheitsmeinung und teils als rückständig verspottet – diszipliniert und stetig Gold kaufte, darf sich beruhigt zurücklehnen. Für Neueinsteiger jedoch steigt das Verlustrisiko täglich. Denn Preisrückgänge durch Gewinnmitnahmen kurzfristig orientierter Spekulanten werden umso wahrscheinlicher, je höher der Goldkurs steigt.
Daher lautet die Frage unter Marktbeobachtern nicht, OB der Rückgang kommt, sondern WANN und WIE TIEF die Preise fallen.
Pessimisten erwarten starken Rückgang des Goldpreises
Was spricht für eine bevorstehende Kurskorrektur ? Der US-Edelmetallanalyst Adam Hamilton (externer Link) erwartet bis Ende Februar einen Preisrückgang um 1.000 US-Dollar oder gut 20 Prozent auf knapp 3.600 US-Dollar. Solche Goldpreis-Pessimisten halten den Markt für überkauft und sehen klare Signale einer Herdenmentalität zu spät gekommener Käufer. Hinzu kommt die historische Erfahrung von 1979, als der Goldpreis einen ähnlichen epochalen Aufschwung von rund 130 Prozent erlebte.
Der Jahresrekord von 1979 hielt bis in die ersten Januarwochen 1980 an. Doch bis Mitte März stürzte Gold um 43,4 Prozent ab. Goldanleger kennen solche Gegenbewegungen, 2011 bis 2013 etwa fiel der Feinunzenpreis um 700 auf unter 1.200 US-Dollar. Auch der deutsche Fondsmanager und langjährige Edelmetall-Anlageexperte Martin Siegel hält Gold mittlerweile für überteuert. Er kalkuliert sogar mit einem fairen Preis von 3200 US-Dollar, obwohl langfristig mehr denn je für Edelmetalle spricht.
Optimisten erwarten Goldpreis-Stabilisierung auf hohem Niveau
Geopolitische Risiken, ungebrochener Goldhunger der Zentralbanken und Kapitalschutz sind Gründe, die langfristig orientierte Anleger bereits seit Jahren zum Goldkauf veranlassen. Während solche Kenner nun vorsichtiger werden, sind ausgerechnet jene, die jahrelang den stillen Preisaufschwung eher ignorierten, nun die größten Optimisten.
So erwarten die US-Kapitalmarkt-Riesen JP Morgan und Goldman Sachs sowie die Schweizer UBS eine Preisspanne von 4.500 bis 5.000 US-Dollar in diesem Jahr. Dafür spricht der große Nachholbedarf bei vielen Investmentfonds besonders in den USA und Westeuropa, die bisher in Edelmetallen unterinvestiert sind.
Fazit: Soll ich in Gold investieren? Anlegertyp entscheidet
Kapitalerhalt oder Spekulation – das ist die Preisfrage beim Goldkauf. Wer langfristig investiert sein will, kann – wie in den vergangenen Jahren auch – Schritt für Schritt mit Goldsparplänen oder zyklischen Zukäufen weitermachen und bei Preisrücksetzern billiger einkaufen.
Wer mit Gold schnelles (Papier-)Geld verdienen will, dessen Chancen liegen in einer parabolischen Aufwärtsbewegung, die das letzte Mal vor 45 Jahren vorgekommen ist.
Dieser Artikel ist erstmals am 14.1.2025 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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