CDU-Chef Friedrich Merz ist am Freitagabend erneut auf Wahlkampf-Tour für die baden-württembergische Union unterwegs gewesen. Am Sonntag wird dort ein neuer Landtag und damit auch ein neuer Ministerpräsident bestimmt. Bei einer Veranstaltung in Ravensburg äußerte sich der Bundeskanzler auch zur anhaltenden Debatte über die geforderte Rentenreform in Deutschland. Er appellierte dabei an die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger.
- Zum Artikel: Renten steigen ab 1. Juli um 4,24 Prozent
Merz drängt auf mehr private Altersvorsorge: Mit 50 Euro zur sechsstelligen Rente
Merz rief vor allem junge Menschen im Land zum frühzeitigen Aufbau von Rücklagen für die private Altersvorsorge auf. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen früh genug beginnen, für ihr Alter auch zu sparen", sagte er in seiner Rede vor den Besuchern in der Oberschwabenhalle. "Und dann sag bitte niemand: Das könnten wir ja nicht. Natürlich können wir das."
Er betonte die Bedeutung der privaten Vorsorge. "Man muss nur mit kleinen Beträgen früh genug anfangen und darf es nie unterbrechen", so der Kanzler. "Und wenn Sie mit 50 Euro im Monat anfangen, dann haben Sie eine sechsstellige Altersversorgung, wenn Sie dann mit 65, 68 in den Ruhestand gehen." Das sei die entscheidende Botschaft, die man mit der SPD verabredet habe.
Kapitalgedeckte Privat- und Betriebsrente im Fokus
Nach Ansicht des Bundeskanzlers geht die aktuelle gesellschaftliche Debatte über die Reform des Rentensystems am Kern vorbei: "Wir diskutieren hier über 48-Prozent-Haltelinie, bis 2031 oder bis 2032, oder für immer oder für nie", erklärte Merz. Das sei nicht die entscheidende Kennziffer.
Merz verwies auf den Koalitionsvertrag mit der SPD. Darin habe man bereits vereinbart, künftig nicht mehr allein auf die gesetzliche Rentenversicherung, sondern auch auf die kapitalgedeckte betriebliche und kapitalgedeckte private Altersversorgung zu schauen. Viele Länder um Deutschland herum hätten das längst gemacht, erklärte der CDU-Vorsitzende.
Erst am Donnerstag hatte die Bundesregierung jedoch einen verhältnismäßig hohen Anstieg der Bezüge aus der gesetzlichen Rentenversicherung bekanntgegeben. Die gut 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland sollen zum 1. Juli 4,24 Prozent mehr Geld bekommen.
Kanzler will weg vom festen Renteneintrittsalter
Genauso haben die Sozialdemokraten laut Merz bereits Zustimmung dazu signalisiert, die Rentenhöhe künftig nicht an einem festen Renteneintrittsalter, sondern an der Zahl der gearbeiteten Jahre zu orientieren. Es gehe weniger um die Frage, ob jemand mit 61, 65 oder 68 Jahren in den Ruhestand gehe. Stattdessen sei zentral, wann jemand angefangen habe zu arbeiten und wie lange er gearbeitet habe.
Die Sozialdemokraten hätten gesagt: "'Ja, wir könnten uns vorstellen, dass wir das nicht mehr nach einem abstrakten Renteneintrittsalter bemessen, sondern dass wir das nach Lebensarbeitszeit bemessen'", sagte Merz. "Und damit ist die Botschaft klar." Die Bundesregierung habe bereits damit begonnen, mit der sogenannten Aktivrente die starre Renteneintrittsaltergrenze aufzuweichen.
Ökonom Südekum bekräftigt Plan für Rente nach Beitragsjahren
Auch der persönliche Berater von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), der Ökonom Jens Südekum, hat sich erneut dafür ausgesprochen, die Rente an die Zahl der Beitragsjahre zu koppeln. "Das Ziel bleibt eine effektive Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Insofern müssten es schon mindestens 45 Jahre sein", sagte Südekum im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (externer Link, möglicherweise Bezahlschranke).
Der Wirtschaftswissenschaftler erwartet demnach, dass die Rentenkommission entsprechende Berechnungen aufstellt und Vorschläge macht. "Die Festlegung auf eine Jahreszahl ist am Ende natürlich Sache der Politik." Ausbildungsjahre, Studienzeit, Kindererziehung und Pflege von Angehörigen sollten dabei aber weiter angerechnet werden.
Merz kündigt große Sozialreform noch für 2026 an
Dennoch pochte der Kanzler am Abend auf umfassende Sozialreformen noch in diesem Jahr. Dann sei die Hälfte der Legislaturperiode vorbei. Und erfahrungsgemäß seien in der zweiten Hälfte der Wahlperiode Reformen weniger wahrscheinlich, räumte Merz ein.
Er erneuerte die Forderung, dass in Deutschland mehr gearbeitet werden müsse. Damit meine er nicht die Millionen Menschen, die bereits sehr viel arbeiteten, so der CDU-Vorsitzende. Aber er unterstrich einmal mehr: "Mit Work-Life-Balance und einer Vier-Tage-Woche werden wir unseren Wohlstand nicht erhalten."
Mit Informationen von dpa und Reuters
Im Audio: Merz ruft Menschen zum Sparen für das Alter auf
Bundeskanzler Merz plädiert dafür, die Rentenhöhe künftig an die Lebensarbeitszeit und nicht mehr an das Renteneintrittsalter zu knüpfen.
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