Der Kraftfahrerberuf hat Probleme mit der Nachwuchsförderung. 30.000 bis 35.000 Beschäftigte gehen bundesweit jedes Jahr in Rente, nachbesetzt wird derzeit nur die Hälfte. So häuft sich bundesweit eine Lücke von etwa 120.000 Kraftfahrern an – in einem systemrelevanten Beruf. "Das Problem ist, dass diese Arbeitsbedingungen eben nicht dieser Wertigkeit entsprechen", bemängelt David Merck, bei Verdi Bayern zuständig für die Branche.
Streitpunkt Lohn und Arbeitszeiten
Verdi fordert unter anderem einen höheren Grundlohn: Mindestens 3.000 Euro brutto inklusive Überstunden und sonstiger Zuschläge. "Ein großer Punkt sind die Arbeitszeiten, die ganz selten eine Familienfreundlichkeit ermöglichen. Da muss man ganz viel tun." Vorbild sei hier etwa die Schweiz, in der ein Nachtfahrverbot herrscht, was wiederum für geregeltere Arbeitszeiten sorgt.
Der Landesverband Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen LBT will dagegen Löhne und Arbeitszeiten nicht anpassen, er sieht im internationalen Wettbewerb wenig Handlungsspielraum. Dass Verdi bessere Arbeitsbedingungen, wie mehr LKW-Stellplätze und Toilettenzugänge fordert, begrüßt LBT-Hauptgeschäftsführer Stephan Doppelhammer allerdings. Da sehe er sich selbst in der Pflicht: "Zum Beispiel ein WC im LKW, dass man mehr Fahrerkomfort hat."
6.000 fehlende Ausbildungsplätze
Doppelhammer will auch, dass der Staat illegales Lohndumping konsequent angeht: "Die Kontrolldichte und Kontrollrate müsste erhöht werden." So könnten schwarze Schafe konsequenter belangt werden und Fahrer würden weniger um ihren Mindestlohn betrogen werden. Von staatlicher Seite fordern die Transportunternehmer zudem weniger Bürokratie: Nicht-EU-Führerscheine müssten leichter zugelassen werden.
In der Ausbildung sieht Verdi generell erhebliche Mängel und fordert 6.000 Ausbildungsplätze jährlich. Die Arbeitgeber versprechen sich auch an diesem Punkt Fortschritte durch weniger Bürokratie: "Hier sollte man zum Beispiel bei der Berufskraftfahrerausbildung auch mehrere Fremdsprachen ermöglichen", sagt LBT-Hauptgeschäftsführer Stephan Doppelhammer.
Fehlender bezahlbarer Wohnraum
Worauf sich sowohl Gewerkschaften als auch Unternehmer einigen können: Es fehlt vor allem in den Ballungsregionen an bezahlbarem Wohnraum, um auch ausländische Arbeitskräfte anzulocken. Doppelhammer verweist auf mehrere Unternehmen, die selbst Wohnungen bauen, etwa auf dem eigenen Werksgelände.
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