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Schließfächer bei Banken und anderen privaten Anbietern gelten als sehr sicher. Dennoch kann es bei Einbruchdiebstählen zu Problemen bei der Schadensregulierung kommen. Mit einigen Vorkehrungen lässt sich die Sicherheit erhöhen, bzw. ein möglicher Schaden geringhalten. Hat es also in Gelsenkirchen Versäumnisse gegeben?
BR24-User "Assurancetourix" kommentierte: "Was ich nicht verstehe, ist, dass es keine entsprechend sichere Alarmanlage gab (...). Heute stehen Erschütterungsmelder, Bewegungsmelder, optische Sensoren usw. für relativ kleines Geld zur Verfügung (...). Da hat die Bank wohl an der falschen Stelle gespart oder es war ein Insider mit am Werk."
BR24-User "Bernd_sendl" antwortete: "Das verstehe ich auch nicht. Außer einer massiven Mauer keinerlei weitere technische Sicherungen? Da wird es ganz sicher Klagen wegen mangelnder Sorgfaltspflicht etc. geben – womöglich sogar erfolgreich."
In die gleiche Richtung gehen Vorwürfe der Rechtsanwaltskanzlei Kuhlmann in Datteln, die nach eigenen Angaben zahlreiche Geschädigte vertritt und eine größere Klage gegen die Sparkasse Gelsenkirchen nach dem Millionen-Coup von Einbrechern vorbereitet.
Auch Anwälte halten Pflichtverletzung für möglich
So habe es in und um den Banktresor mit den Schließfächern weder Bewegungs- noch Erschütterungsmelder gegeben. Mit einer riesigen Kernbohrmaschine konnten die Täter deshalb unbemerkt ein riesiges Loch in einer Kellerwand machen. Sie gingen dabei von einer benachbarten Tiefgarage aus, wo ohnehin gerade umfangreiche Bauarbeiten stattfanden. Möglicherweise hätten wegen des Baulärms und der Erschütterungen auf dem Nachbargrundstück Sensoren zu Fehlalarmen geführt und wären deshalb abgeschaltet worden.
Hätte die Sparkasse mehr tun müssen?
Ein Gutachter wurde von der Anwaltskanzlei damit beauftragt, zu prüfen, ob die Sicherheitsmaßnahmen in Gelsenkirchen unterhalb derer von anderen Banken und der dort üblichen Branchenstandards gelegen haben. Wenn dem so wäre, könnte die Sparkasse – über die in Gelsenkirchen maximale Versicherungssumme von 10.300 Euro hinaus – zum Schadenersatz verpflichtet sein.
Was immer gilt: Jeder Schaden muss belegbar sein
BR24-User "iamit" fragte sich in den Kommentaren, wie es um Versicherungen für den Inhalt der Schließfächer steht: "Es gibt immer die Möglichkeit, den Inhalt eines Bankschließfachs höher zu versichern, als die Grundsumme der Bank. Für jeden Mist wird oft unnützerweise in Deutschland eine Versicherung angeboten bzw. abgeschlossen. Aber bei Wertsachen wird dann gespart?"
Zunächst einmal gilt: Wenn aus einem Schließfach etwas wegkommt, müssen Kunden ihren Schaden belegen können. Bei vielen Banken sind nur 10.000 bis 26.000 Euro maximal versichert. Möglich sind Zusatzversicherungen. Eine Erweiterung der Hausratversicherung ist empfehlenswert, aber auch da gilt es, Belege aufzubewahren, um einen Verlust im Fall des Falles auch geltend zu machen.
Tipp: Den Inhalt von Bankschließfächern gut dokumentieren
So empfiehlt es sich, bei der Einrichtung des Schließfachs und seiner Nutzung für die Beweispflichten Zeugen zu haben, Aufnahmen zu machen, wie etwa Fotos von Schmuckstücken, Goldmünzen oder Urkunden. Schmuck sollte man vorher schätzen lassen. Sonst nutzt auch die Versicherung nicht viel, denn der Inhalt des Schließfachs könnte jederzeit von seinen Nutzerinnen und Nutzern ganz regulär geleert worden sein.
Was kostet ein Schließfach und die Versicherung?
Bei Deutscher Bank und Commerzbank beginnen die Preise bei 100 bis 120 Euro Jahresmiete und können je nach Größe des Fachs auch deutlich darüber liegen. Einige Sparkassen stellen für Bestandskunden kleine Fächer mitunter schon ab 40 Euro im Jahr zur Verfügung. In Großstädten sind Schließfächer tendenziell teurer.
Wer größere Guthaben, teure Wertgestände oder wertvolle Urkunden in seinem Schließfach deponieren und das damit verbundene Risiko versichern will, muss grob geschätzt pro 1.000 Euro mit einer Versicherungssumme von je 7 Euro im Jahr an Zusatzkosten rechnen.
Abseits der Banken mehr Anonymität für Kundengelder
Bankenunabhängige Anbieter sind in der Regel teurer und können durchaus das Doppelte von einem einfachen Bankschließfach kosten. Dafür gibt es einige Extras, wie die ständige Verfügbarkeit an allen Tagen rund um die Uhr. An vielen Standorten findet man vollautomatisierte Robotik-Fächer, die immer zugänglich sind und auch mehr Anonymität bieten. Das Geldwäsche-Gesetz verlangt aber in jedem Fall eine Aufnahme der Personalien, ganz anonym ist man in Deutschland also auch bei bankenunabhängigen Anbietern nicht.
Wie weit geht das deutsche Bankgeheimnis bei Bankschließfächern?
Banken und Sparkassen in Deutschland sind seit 2021 verpflichtet, jede Eröffnung eines Schließfachs mit den Kundendaten dem Finanzamt zu melden. Nur der Inhalt selbst unterliegt dabei dem Bankgeheimnis.
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