Immer wieder hatten Übernahmefantasien dem desaströsen Kursverlauf der Puma-Aktien zuletzt etwas Erleichterung verschafft. Sogar Spekulationen um eine Fusion mit Adidas sorgten für ein Kursplus. Nun gibt es Gewissheit, wenn auch in anderer Form als gedacht. Ja, der chinesische Sportartikelgigant Anta Sports steigt wirklich bei den Herzogenaurachern ein. Er will 29 Prozent der Aktienanteile übernehmen und wäre damit der größte Anteilseigner. Aber nein, Anta Sports will die Raubkatze nicht ganz schlucken. Wenigstens nicht aktuell.
Einstieg mit Symbolwert?
Mehrfach betont der chinesische Konzern in einer Pressemitteilung, dass die Unabhängigkeit von Puma weiter bestehen und Puma auch ein deutsches Unternehmen bleiben soll. Ein paar Zeilen weiter heißt es aber, man prüfe eine weitere Vertiefung der Partnerschaft. Dabei könnte die nun anstehende Aktientransaktion durchaus Symbolwert haben. Anta Sports kauft die 29 Prozent von der französischen Milliardärsfamilie Pinault. Die, genauer ihr Luxusgüterkonzern PPR, hatte bei Puma 2010 die Mehrheit übernommen, und war damals auch zuerst mit einem kleineren Aktien-Paket eingestiegen.
Puma baut um
Puma selbst steckt währenddessen wieder tief in der Krise und reagiert darauf mit einem umfassenden Umbau. 900 Stellen sollen gestrichen werden. Die Marke mit der ikonischen Raubkatze als Logo soll wieder weg von den Ramschtischen der Branche und raus aus dem Billigsegment. Der neue Konzern-Chef Arthur Hoeld will einen Neustart. Dabei blieb er zuletzt aber noch vage mit den Details. In den ersten Verlautbarungen des neuen Großaktionärs sieht Hoeld einen Vertrauensbeweis, da Anta Puma dabei unterstützen wolle, sein Markenpotential voll auszuschöpfen. Der Aktiendeal soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.
Anta Sports: patriotisch und international
Der neue Großaktionär Anta Sports mit Sitz im chinesischen Landesteil Fujian an der Ostküste ist einer der größten Sportartikelhersteller der Welt. In China hatte der Konzern zuletzt einen Aufschwung erlebt, nachdem zum Boykott gegen westliche Marken wie Nike und Adidas aufgerufen worden war. Sie hatten zuvor erklärt, keine Baumwolle mehr aus der Provinz Xinjiang zu beziehen. Immer wieder gab es Berichte über Minderheiten, die dort zur Zwangsarbeit bei der Baumwoll-Ernte gedrängt werden. Anta Sports bezog weiter Baumwolle von dort und zeigte sich patriotisch.
Mit dem Einstieg bei Puma will der Konzern nun seine internationale Ausprägung stärken. Zuletzt hatte Anta Sports unter anderem auch die deutsche Outdoor-Marke Jack Wolfskin gekauft.
Im Audio: Wer ist Anta?
Der neue Großaktionär Anta mit Sitz im chinesischen Landesteil Fujian an der Ostküste ist einer der größten Sportartikelhersteller der Welt.
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