(Symbolbild) Mexikanische Fußball-Fans im Aztekenstadion
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(Symbolbild) Mexiko bereitet sich auch musikalisch auf eine große Fußball-Party vor
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(Symbolbild) Mexiko bereitet sich auch musikalisch auf eine große Fußball-Party vor

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Sechs Wochen vor der Fußball-WM - Mexiko singt sich warm

Sechs Wochen vor der Fußball-WM - Mexiko singt sich warm

Bald startet die Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko. Gerade in Mexiko ist die Vorfreude groß, auch musikalisch. Es kursieren dutzende Songs, in denen Fußball, Nationalmannschaft und Mexiko an sich besungen werden.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Morgen am .

Am internationalen Flughafen von Mexiko-Stadt kann es derzeit staubig werden. Bauarbeiter hämmern, bohren und fräsen, zum Teil nur wenige Meter von Gepäckbändern und Passagieren entfernt. Ob der renovierte Aeropuerto Internacional Benito Juarez rechtzeitig zum Auftaktspiel der Weltmeisterschaft am 11. Juni fertig wird, das ist regelmäßig Thema von Zeitungs- und Radiokommentaren, die zwischen Spott und Zuversicht schwanken. Keinen Zweifel gibt es dagegen bei der Frage, ob das mexikanische Publikum WM-bereit ist.

Gesangsorkan im Aztekenstadion

Ein Samstagabend Ende März: Kaum erklangen beim Länderspiel Mexiko gegen Portugal die ersten Takte der mexikanischen Nationalhymne, da schmetterten mehr als 80.000 Menschen den Text aus voller Kehle mit. Seit den 60er Jahren gilt das Aztekenstadion mit seinen steilen, überdachten Rängen als eine der lautesten Fußballarenen überhaupt.

Spieler gegnerischer Mannschaften berichten regelmäßig von einer beeindruckenden Atmosphäre, die wohl einer der Gründe dafür ist, dass der "Tri", also das mexikanische Nationalteam in 60 Jahren so gut wie noch nie eine Partie im Aztekenstadion verloren hat. Die frenetischen Fans beweisen bis heute bei jedem Länderspiel ihre Stimmkraft. Material zum Mitsingen dafür haben sie genügend. Auch im Vorfeld der anstehenden WM erscheinen fast täglich neue Songs.

Verlieren ist immer mit einkalkuliert

Besonders beliebt derzeit ist "Esto es México" (externer Link), wohl der größte Hit vor der WM. Eine leicht mitzugrölende, nicht einmal zwei Minuten lange Stampfnummer, die der TikToker Coray vor ungefähr einem Monat veröffentlicht hat. Besungen werden die Spieler des Nationalteams, die alles zu geben haben, um ihr Land würdig zu vertreten. Es gehe um mehr als ein Spiel, nämlich um den Stolz und die Würde einer ganzen Nation, und um die Träume von Millionen von Kindern.

Und wenn sie schon verlieren sollten, dann bitte nur nach erbitterter Gegenwehr. Denn man muss wissen: Bei aller Begeisterung ist Mexikos Fußballkennern schmerzlich bewusst, dass ihr Nationalteam eher im internationalen Mittelmaß agiert.

Funk, Cumbia und aztekischer HipHop

Auch die lokalen Funkrock-Veteranen von Molotov haben gemeinsam mit MC Davo und EMJAY eine WM-Hymne (externer Link) geschrieben, in der es um die erhoffte Fußball-Party geht. Dazu kommen unzählige Cumbia- und Mariachi-Variationen aller möglichen Musiker, teilweise auch Songs, die erkennbar mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammenprogrammiert wurden. Immer mit Texten, die so patriotisch sind, dass sie für viele deutsche Ohren zunächst einmal befremdlich klingen, wenn man sie überhaupt versteht.

Denn teilweise werden diese Texte gar nicht auf spanisch vorgetragen, sondern in einer der zahlreichen indigenen Sprachen Mexikos. Xican zum Beispiel feiert derzeit große Erfolge mit "Nueva Tierra", wo ständig zwischen Spanisch und Nahuatl gewechselt wird, der Sprache der Azteken, die bis heute vor allem in ländlichen Gegenden erhalten ist. Im Video zu "Nueva Tierra" (externer Link) wird unter anderem eine ärmliche Dorfschule gezeigt, deren Robotik-Team es mit einfachsten Bauteilen und viel technischem Improvisationstalent bis in den internationalen Wettbewerb geschafft habe.

Sticheleien gegen den großen Nachbarn USA

Dieser zur Schau getragene Nationalstolz vieler Mexikaner dient auch der Abgrenzung vom großen Nachbarn USA. Seit Donald Trump dort wieder Präsident ist und regelmäßig mit Pöbeleien und Schmähungen gegen Mexiko und mexikanisch-stämmige Menschen auffällt, ist die kulturelle und politische Gegenreaktion umso energischer. Manchmal laut und manchmal verschmitzt leise. So wie die ironische Idee von Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum, den Südwesten der USA in mexikanisches Amerika umzubenennen, nachdem Trump den Golf von Mexiko zum "Golf von Amerika" umdeklariert hatte.

Spätestens am 11. Juni dürfte die Zeit der leisen Töne aber vorbei sein. Wenn Mexikos Nationalteam im Aztekenstadion die WM gegen die Mannschaft von Südafrika eröffnet und zehntausende die Hymne mitschmettern dürfte es dann wieder sehr, sehr laut werden.

Präsidentin Sheinbaum wird dann übrigens nicht im Stadion sein. Sie will das Spiel beim Public Viewing auf dem Zócalo sehen, dem riesigen Platz zwischen dem Präsidentenpalast und der Kathedrale von Mexiko-Stadt. Ihre "Ehrenkarte" der FIFA will sie über eine Art Lotterie an eine junge mexikanische Nachwuchsfußballerin verschenken.

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