(Symbolbild) Ein Landwirt bearbeitet in Mittelfranken mit seinem Traktor ein abgeerntetes Getreidefeld und wirbelt dabei Staub vom trockenen Boden auf.
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(Symbolbild) Der Hitzesommer verursacht Millionenverluste bei den Landwirten, Ernten fallen historisch schlecht aus.
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(Symbolbild) Der Hitzesommer verursacht Millionenverluste bei den Landwirten, Ernten fallen historisch schlecht aus.

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Werden Semmeln wegen Hitze, Dürre und Trockenheit jetzt teurer?

Werden Semmeln wegen Hitze, Dürre und Trockenheit jetzt teurer?

Der Hitzesommer verursacht Millionenverluste bei den Landwirten. Steigen deshalb jetzt die Preise für Semmeln, Gurken oder Fleisch? Die überraschende Erkenntnis: Eher nicht. Noch nicht.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Seit Ende Juni verlieren deutsche Getreidebauern laut dem Deutschen Raiffeisenverband rund zehn Millionen Euro wegen der Hitze – täglich. Auch der Bauernverband spricht von einer historisch schlechten Ernte, nicht nur beim Getreide. Und auch aus anderen Agrarsparten gibt es Hiobsbotschaften: Viehhalter schlachten Tiere früher, weil Futter fehlt. Heu wird knapp, Herbstkulturen wie Mais oder Soja vertrocknen auf den Feldern.

Glück gehabt: Der Frühling war mild genug

Trotzdem erwarten weder die Bauern noch der Raiffeisenverband stark steigende Lebensmittelpreise. Der Grund dafür ist zunächst mal rein meteorologisches Glück: Das Frühjahr war mild und regenreich, deshalb standen auf den Feldern genug Pflanzen, bevor die Hitze eingesetzt hat. Die 40,6 Millionen Tonnen Getreide-Ernte aus diesem Jahr entsprechen also auch dem durchschnittlichen Inlandsverbrauch von rund 40 Millionen Tonnen – Angebot und Nachfrage halten sich die Waage. Eine gute Voraussetzung für Preisstabilität.

Trotzdem: Vergleicht man die diesjährigen Getreide-Erträge mit der Ernte aus dem Vorjahr (45 Millionen Tonnen), können heuer ganze 110 Milliarden Brötchen, Semmeln und Weggla weniger gebacken werden als noch 2025.

Lebensmittelpreise hängen nicht nur von der Ernte ab

Wichtig ist außerdem zu wissen, dass der Preisanteil des Weizens bei Semmeln kein großer Kostenfaktor ist. Rein rechnerisch macht das Mehl gerade mal 1,57 Cent je Semmel aus. Was die Semmeln wirklich teurer macht, sind die Energie-, Lohn- und Verwaltungskosten.

Ein weiterer Grund, warum die Preise fürs Erste nicht steigen dürften, ist die sogenannte "Preiselastizität" der Verbraucher: Nach Jahren hoher Inflation sind viele nicht mehr bereit, weiter steigende Preise zu zahlen. Produzenten können ihre Kosten daher nur begrenzt weitergeben.

Selbstversorgung: Stärke bei Brot, Schwäche bei Obst

Aber nur weil Deutschland beim Getreide noch glimpflich davongekommen ist, ist das kein Garant für die Zukunft. Tatsächlich kann sich Deutschland mit vielen Grundnahrungsmitteln weitgehend selbst versorgen. Laut Bundeszentrum für Landwirtschaft (externer Link) liegt der Selbstversorgungsgrad insgesamt bei über 80 Prozent. Beim Getreide sind es etwas über 100 Prozent. Kartoffeln, Zucker, Fleisch und Milch werden sogar mehr produziert, als im Inland benötigt wird.

Deutlich schlechter ist die Lage bei Eiern, Gemüse und vor allem beim Obst: Hier liegt der Selbstversorgungsgrad nur bei 18 Prozent, der Großteil muss importiert werden – bislang vor allem aus Ländern wie Italien, Spanien oder Frankreich, die selbst massiv unter Hitze und Dürre leiden. Auf die Dauer kann das also zum Problem werden.

Wasser und Bewässerung: Umbau unter Zeitdruck

In diesen südlichen Ländern ist außerdem leicht zu erkennen, was auch in Deutschland in naher Zukunft die zentrale Herausforderung sein wird: Wasser. Das wird immer knapper und immer teurer. In 14 von 16 Bundesländern ist bereits ein "Wassercent" für große Entnahmemengen fällig.

Mit den klassischen Beregnungsanlagen, die auch in Bayern noch häufig zu sehen sind, wird viel Wasser verschwendet, weil es beim Gießen einfach verdunstet. Fachleute fordern daher den Umstieg auf effizientere Systeme wie Tröpfchenbewässerung. Diese Investitionen sind jedoch hoch, viele Betriebe haben dafür gerade in schwierigen Jahren wie diesem kein Geld übrig. Dieser Wandel geht also langsamer voran als der Klimawandel.

Agrarökonom: Vielfalt, Technik, neue Eiweiße

Daraus schließt unter anderem der Agrarökonom Matin Qaim vom Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn, dass die Landwirtschaft sich zügig anpassen und auf mehr hitzetolerante Kulturen wie Hirse oder Kichererbsen, vielfältigere Fruchtfolgen, kleinere Mischkulturen und präzise digitale Steuerung von Bewässerung und Düngung umstellen müsse.

Im Plusminus-Wirtschaftspodcast der ARD verweist er außerdem darauf, dass die Lebensmittelversorgung im globalen Süden das größere Problem werden dürfte: "Die Preise werden steigen. Bei uns bedeutet das, ein bisschen mehr ausgeben für Lebensmittel, aber anderswo bedeutet das tatsächlich mehr Unterernährung." Das sei, so Qaim, "eine Weltherausforderung", der sich auch Deutschland stellen müsse.

Hitze, Dürre, Supermarktpreise: Darum geht es auch in der aktuellen Folge des ARD Wirtschaftspodcast Plusminus. Jede Woche das eine Wirtschaftsthema, das morgen deinen Alltag verändert. Die besten Experten, ein klares Plus, ein klares Minus – und ein konkretes Takeaway.

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