Es riecht nach Zimt, Vanille und Kerzenwachs. Die Lichter blinken und flackern. Viele fühlen sich dann glücklich und geborgen. Doch warum eigentlich? Warum empfinden wir Düfte und Lichter, die wir mit der Weihnachtszeit verbinden, in der Regel als angenehm? Nicht nur die kulturelle Verankerung und Tradition spielen dabei eine Rolle, sagen Forscher. Es passiert auch etwas "Weihnachtliches" in unserem Gehirn.
Weihnachten: Düfte landen im Gefühlszentrum des Gehirns
Düfte nach Glühwein, heißen Kastanien, Tannennadeln rufen bei vielen Erinnerungen hervor. Erinnerungen an früher, an die Kindheit. Diese Düfte "landen" im Gehirn "auf einer Art Direktleitung", erklärt Jessica Freiherr, Neurowissenschaftlerin an der Universität Erlangen-Nürnberg. "Es geht direkt in Areale, die für unsere Emotionen und unsere Erinnerungen zuständig sind".
Und das, ohne dass wir groß darüber nachdenken müssen. Der Grund: Riechen ist der einzige unserer Sinne, der direkt verknüpft ist mit dem limbischen System, dem Gefühlszentrum im Gehirn. Freude und Wohlbefinden entstehen dort, aber auch Abneigung - wenn es mal stinkt, anstatt zu duften.
Viele Geruchserinnerungen und damit gefühlige Einordnungen entstehen schon in frühester Kindheit und bleiben ein Leben lang erhalten. Anders als Bilder oder Töne, die sich mit der Zeit oft verflüchtigen. Wie genau Gerüche allerdings langfristig abgespeichert bleiben, weiß die Forschung noch nicht. Auch nicht, welche Rolle eine kulturelle Prägung dabei spielt.
Weihnachtsdüfte - Verankerung aus evolutionärer Sicht sinnvoll
Aus Sicht der Evolution ist eine tiefe Verankerung aber auf jeden Fall sinnvoll. Nach Schimmel Riechendes rührt der Mensch ungern an, bei Vanillekipferln hingegen greift man zu. "Schon die Muttermilch hat einen vanilligen Milcheindruck, naturgegeben und Muttermilch ist das Lebenselixier von Anfang an und das ist fast universell, dass wir das mögen", erläutert die Neurowissenschaftlerin dieses Phänomen. Bei ganz vielen süßlichen Gerüchen sei das so, "weil süß immer der Kohlenhydratlieferant, die Grundenergie ist, die wir zum Überleben brauchen".
Warum viele Weihnachtsbeleuchtung als angenehm empfinden
Gerüche allein machen die Weihnachtsstimmung aber noch nicht perfekt. Musik gehört für viele dazu. Aber vor allem Licht. Besonders angenehm empfinden viele Menschen warmweißes Licht, Licht vor dunkler Nacht. Das vermittelt auch Geborgenheit und Sicherheit.
Entscheidend für ein wohliges Gefühl durch Licht ist aber auch die Farbe. Ein hoher Rotanteil etwa hilft bei der Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Das wiederum lässt uns wohlig entspannt werden.
Aus Sicht des Chronobiologen Manuel Spitschan von der TU München ist der "wichtigste Faktor" für die durch Licht ausgelöste Weihnachtsstimmung, "dass es flimmert oder flackert". Da sei unsere Wahrnehmung darauf eingestellt, erklärt der Wissenschaftler. Besonders in leicht verschiedenen Farbabstufungen, wie beim Kaminfeuer oder Kerzenschein, empfinden das viele Menschen als angenehm.
Für viele löst allein schon die Erinnerung an stressfreiere Zeiten in der Kindheit ein angenehmes, weihnachtliches Gefühl aus, etwa der hell leuchtende Weihnachtsbaum im dunklen Wohnzimmer. Was genau ganz oben auf der Weihnachtswohlfühlskala steht, ist wohl bei jedem Menschen anders.
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