Meerrettich gehört in Bayern zum Sonntagsbraten wie der Kren zur Brotzeit. Als Gewürz für Fisch- und Fleischgerichte ist der Meerrettich in Bayern und Österreich vom Speiseplan nicht wegzudenken. Die Wurzel ist scharf, leicht süßlich und treibt einem schnell die Tränen in die Augen.
Meerrettich – das "Penicillin der Bauern"
Seit Jahrhunderten wird Meerrettich zudem in der Volksmedizin eingesetzt – gegen Erkältungen, Kreislaufbeschwerden oder Harnwegsprobleme. Aufgrund seiner antibakteriellen Wirkung bezeichnet man Meerrettich auch als "Penicillin der Bauern", jedoch handelt es sich dabei um eine historische Bezeichnung. Die antivirale und antibakterielle Wirkung ist überwiegend in Labor- und Beobachtungsstudien nachgewiesen, klinische Belege am Menschen sind begrenzt.
Herkunft und Inhaltsstoffe vom Meerrettich
Ursprünglich stammt Meerrettich aus Südrussland und der östlichen Ukraine. Um das Jahr 1000 n. Chr. gelangte er nach Mitteleuropa und wurde unter anderem von Seefahrern gegen Skorbut genutzt, da die Wurzel reich an Vitamin C ist und sich lange haltbar zeigt.
Was macht den Meerrettich so scharf?
Senföle, wissenschaftlich Isothiocyanate (ITCs) genannt, entstehen, wenn Glycoside in der Meerrettichwurzel mit den getrennt gelagerten Enzymen in Kontakt kommen. Schneidet man die Wurzel auf, entwickelt sich die eigentliche Schärfe. Diese Senföle wirken in Laborversuchen antibakteriell, antiviral und entzündungshemmend. Klinische Daten am Menschen sind jedoch begrenzt.
Meerrettich bei Harnwegsinfektionen
Besonders interessant ist die Wirkung gegen Escherichia coli, einen Keim, der häufig Harnwegsinfektionen verursacht. In einer retrospektiven Beobachtungsstudie (externer Link) wurden Präparate aus Meerrettich und Kapuzinerkresse mit einer Reduktion der Infektionshäufigkeit und der Antibiotikaverordnungen in Verbindung gebracht. Diese Ergebnisse deuten auf einen prophylaktischen Effekt hin, ersetzen jedoch keine ärztliche Therapie. Randomisierte, großangelegte klinische Studien fehlen weiterhin.
Meerrettich bei Atemwegsinfekten
Auch bei Atemwegsinfekten kommen Senföle ins Spiel. Sie wirken leicht reizend auf die Schleimhäute, was die Durchblutung anregen kann. Bei Schnupfen, Nebenhöhlenentzündung oder Husten kann frisch geriebener Meerrettich deshalb unterstützend wirken. Die antibakterielle und antivirale Wirkung ist in Laborversuchen nachgewiesen. Klinisch gilt auch hier: Er kann unterstützen, ersetzt aber keine ärztliche Therapie bei schweren Verläufen.
Wie viel Meerrettich ist sinnvoll? Dosierung und Zubereitung
Schon etwa 20 Gramm frisch geriebener Meerrettich täglich – das entspricht ungefähr einem gehäuften Teelöffel – gelten als gesundheitlich wirksam. Entscheidend ist, ihn möglichst frisch zu reiben. Die Senföle verflüchtigen sich rasch, Hitze schwächt die Wirkung zusätzlich.
Wer empfindlich auf Schärfe reagiert, sollte vorsichtig beginnen. Größere Mengen können Magen und Darm reizen. Für Menschen mit Nierenerkrankungen gilt: Vorsicht bei Meerrettich.
Tipp: Meerrettich immer frisch reiben und rasch verwenden, damit möglichst viele wertvolle Stoffe erhalten bleiben. Wer nicht die ganze Wurzel aufbraucht, kann den Rest in ein feuchtes Küchentuch wickeln und im Kühlschrank längere Zeit lagern.
Hausmittel mit Vorsicht genießen
Traditionelle Anwendungen wie in Weißwein eingelegte Meerrettichscheiben existieren, wissenschaftliche Belege fehlen weitgehend. Sie können bei leichten Beschwerden unterstützend wirken, ersetzen aber keine ärztliche Abklärung oder Therapie.
Querbeet auf Youtube: Meerrettich im Rohr anpflanzen!
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