Svenja Post erinnert sich an den vergangenen Urlaub in der Schweiz. Camping am Bergsee – eigentlich wunderschön. "Ich habe es gehasst", sagt die Anfang 40-Jährige. "Mich hat das Frühstück genervt, wir hatten keinen Tisch dabei, wir mussten auf der Decke vorm Zelt frühstücken. Das kann alles total romantisch sein. Aber ich hab es wirklich alles gehasst und es ging tagelang so weiter." Sie hat einen Verdacht: Bin ich in der Perimenopause?
Das passiert in der Perimenopause
Die Perimenopause ist die Übergangsphase bis zur Menopause. In dieser Zeit sinkt die Funktion der Eierstöcke, der Hormonspiegel gerät ins Schwanken und die Menstruation wird unregelmäßig. Von der Menopause selbst spricht man dann, wenn die Monatsblutung zwölf Monate ausgeblieben ist. In Industrieländern kommen Frauen und menstruierende Personen etwa im Alter von Anfang 50 in die Menopause. Die Perimenopause kann deutlich früher einsetzen – bei manchen schon in den späten 30ern.
Etwa 80 Prozent erleben in dieser Phase Beschwerden, davon circa ein Drittel so schwer, dass die Lebensqualität stark eingeschränkt ist. Typische Veränderungen sind Schlafstörungen, Hitzewallungen und Stimmungsveränderungen, wie sie auch Svenja Post bei sich beobachtet hat. Für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapeutin Nike Hilber vom Psychologie-Podcast "Die Lösung" braucht das Sprechen über hormonell bedingte Stimmungsschwankungen viel Feingefühl: "Das ist ein schmaler Grat, dass wir nicht wieder beim 'Ach, die hat ihre Tage' landen, sondern, dass auch unliebsame Gefühle wie Wut oder Reizbarkeit bei Frauen normal und berechtigt sein können."
Svenja Post: "Wer bin ich denn dann eigentlich?"
Svenja Post denkt über ein Thema besonders viel nach: Fruchtbarkeit. "Das ist ja ganz eng eben mit dem Thema Jugendlichkeit auch verknüpft", sagt Post. "Und wenn das jetzt alles verloren geht und eben auch mein Körper sich verändert, dann frage ich mich halt einfach: Wer bin ich denn dann eigentlich?" Diese Sinn- und Identitätsfragen können zusätzlich zu den körperlichen Beschwerden starke Gefühle verursachen, sagt Nike Hilber. Etwa Trauer, Wut, Ärger, Gereiztheit, Erschöpfung und Verzweiflung.
Eine weitere Frage in dieser Zeit sei "Was bedeutet der Abschied von der Frau, die dem male gaze entspricht?", so Hilber. Der Begriff "male gaze" beschreibt eine strukturelle Perspektive in der Frauen und ihre Körper aus der Sicht heterosexueller Männer betrachtet, bewertet und häufig objektifiziert werden. Dieser "männliche Blick" kann von Frauen verinnerlicht werden, sodass es kein reales männliches Gegenüber braucht, damit sie ihren eigenen Körper und ihr Erscheinungsbild nach den Kriterien des "male gaze" beurteilen.
"Was auch passieren kann, dass ich mein Leben lang auf die klassische Art sehr leistungsfähig war und plötzlich in der Perimenopause merke: Ich bin nicht mehr so leistungsfähig", sagt Helber. "Dann ist es wichtig, Abschied zu nehmen von dieser alten Leistungsfähigkeit. Durch diese Trauerarbeit kann dann Raum für neues und wertvolles entstehen."
Menopause auch ein befreiender Lebensabschnitt?
In dieser Phase hilft laut Nike Hilber vor allem Akzeptanz und Aufklärung. Auch darüber, dass die folgende Menopause für manche Frauen ein befreiender Lebensabschnitt sein kann. Denn den monatlichen Schwankungen der Perimenopause seien die Frauen dann nicht mehr ausgeliefert, so Hilber.
Für die Zeit bis zur letzten Blutung gibt es neben psychotherapeutischer auch medikamentöse Hilfe. Dasselbe gilt für die Menopause selbst. Beispielsweise kann bei einer Hormonersatztherapie die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren durch Medikamente unterstützt bzw. ausgeglichen werden.
So geht Svenja Post mit ihrem Körper in der Perimenopause um
Das Bundesforschungsministerium hat im Januar angekündigt, dass es neue Forschung zur Perimenopause und der Menopause fördern möchte. "Jede Frau durchlebt im Laufe ihres Lebens die Wechseljahre – keine Krankheit im klassischen Sinne, aber eine Phase des hormonellen Umbruchs, die psychisch und körperlich sehr belastend sein kann", sagt Bundesforschungsministerin Dorothea Bär (CSU). Die vom Bund geförderten Forschungen sollen dazu beitragen, die Behandlung von Frauen mit Wechseljahresbeschwerden zu verbessern.
Wie Svenja Post mit ihrem sich verändernden Körper umgeht und welche weiteren Hilfen es gibt, hören Sie in der aktuellen Folge des ARD-Psychologie-Podcasts "Die Lösung" – in ARD Sounds und überall, wo es Podcasts gibt.
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