Ein Einkaufswagen von oben mit Lebensmitteln aus konventionellem und ökologischem Anbau.
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(Symbolbild) Acht von zehn Verbraucherinnen und Verbrauchern kaufen regelmäßig Bioprodukte.
Bildrechte: Ursula Klement/ BR
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(Symbolbild) Acht von zehn Verbraucherinnen und Verbrauchern kaufen regelmäßig Bioprodukte.

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Starkes Wachstum bei Bio – aber nicht bei den Anbauflächen

Starkes Wachstum bei Bio – aber nicht bei den Anbauflächen

Der Umsatz mit Biolebensmitteln ist im vergangenen Jahr um rund zehn Prozent gestiegen. Eine Überraschung, auch für Fachleute. Die Sache hat allerdings einen Schönheitsfehler: Es gibt nicht genug einheimische Bioprodukte für die wachsende Nachfrage.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Die Discounter, die Supermärkte, die Drogerien und der Naturkostfachhandel haben im vergangenen Jahr laut der Agrarmarktinformationsgesellschaft (AMI) deutlich mehr Biolebensmittel verkauft. Der Umsatz der Hofläden ist dagegen zurückgegangen.

Biolebensmittel-Markt: "Jugendliches Wachstum"

Der gesamte Lebensmittelumsatz hat 2025 dagegen nur um drei Prozent zugelegt. Mit plus zehn Prozent bei Bio hat auch Burkhard Schaer, Biomarkt-Experte von der Firma Ecozept in Freising, nicht gerechnet. Denn der Biomarkt in Deutschland gilt seiner Aussage nach bereits als "reifer Markt". "Dass der nochmal so ein jugendliches Wachstum hinlegt, hat alle Marktbeobachter überrascht." Die Umsätze mit Biolebensmitteln sind in den vergangenen 25 Jahren beständig gestiegen, mit einer Ausnahme: 2022 sind sie leicht zurückgegangen.

Acht von zehn kaufen regelmäßig Bio

In den meisten Einkaufskörben finden sich inzwischen Bioprodukte, so Burkhard Schaer. "Da waren es vor ein paar Jahren noch zwei, drei Bio-Produkte, die man regelmäßig in den Einkaufskorb gelegt hat, und jetzt sind es schon drei, vier und bald fünf, sechs."

Ein Grund für die steigende Nachfrage: Der Preisabstand zwischen Bio- und konventionellen Lebensmitteln ist gesunken. Es gibt immer mehr Bio zu günstigen Preisen. "Das ist die große Veränderung im Biomarkt", sagt der Agrarwissenschaftler. Die Bio-Verarbeiter würden deswegen unter Druck geraten, die Preise für die Bio-Landwirte seien dagegen weitgehend stabil. Die Ökoanbaufläche in Bayern wächst nicht mit der Nachfrage.

Gesucht: Bio-Eier, Geflügel, Rindfleisch, Linsen und Pilze

Insbesondere die Nachfrage nach Bio-Eiern, Bio-Geflügel und Bio-Rindfleisch ist derzeit sehr hoch. Die Tierhalter müssen das Biofuttergetreide zum Teil aus Nachbarländern importieren, weil es nicht genug einheimische Ware gibt. Auch Speiseleguminosen wie Linsen, Sonderkulturen wie Pilze und Gemüse aus der regionalen Bioproduktion sind nach Auskunft des Landesverbandes für den Ökologischen Landbau gesucht.

Ökoanbaufläche wächst nicht mit der Nachfrage

Doch während der Absatz steigt, ist die Zahl der Betriebe im vergangenen Jahr um gut drei Prozent, also rund 400 Biobetriebe, zurückgegangen. Das liegt nicht nur daran, dass die Weidepflicht jetzt ohne Ausnahmen gilt. Die Bio-Fläche ist minimal weniger geworden. Sie liegt derzeit bei gut 13 Prozent.

Burkhard Schaer führt das auf den Nachfragerückgang im Jahr 2022 zurück: "Die Landwirtinnen und Landwirte sind nachhaltig verunsichert durch die kurze Biokrise". Im bayerischen Naturschutz-Gesetz steht, dass bis zum Jahr 2030 auf 30 Prozent der Fläche ökologisch gewirtschaftet werden soll. Das wird nicht klappen, da sind sich die Beobachter einig.

Trend: Wenn schon Milch, dann Bio

Der Biomilch-Absatz ist in Deutschland 2025 um fünf Prozent gestiegen – obwohl die Gesamt-Nachfrage nach Milch sinkt. Wenn schon Milch, dann Bio – scheint die Devise vieler Verbraucher zu sein.

Das merkt auch Peter Schinnagl, Bio-Milcherzeuger in Tuntenhausen im Landkreis Rosenheim. Er liefert Bio-Heumilch an die Molkerei Scheitz in Andechs, "die sucht seit ein paar Wochen auch wieder gezielt Betriebe, die würde mehr Milch abnehmen". Peter Schinnagl hat 80 Milchkühe mit Nachzucht und erzeugt Bio-Heumilch.

Mehr Bio durch größere Betriebe?

Wenn nicht mehr Landwirte umstellen, dann könnten immerhin die Landwirte, die bereits bio sind, mehr produzieren. Peter Schinnagl wäre bereit – im vergangenen Jahr hat der Landwirt viel in die Automatisierung seines Betriebs investiert. Die Routinearbeiten übernehmen inzwischen ein Melkroboter, ein Fütterungs- und ein Ausmist-Roboter. Damit spart er sich rund 25 Stunden Arbeit pro Woche. Das heißt, rein von der Arbeitsbelastung her könnte er seiner Ansicht nach künftig 20 bis 30 Kühe mehr halten, in weiterer Zukunft vielleicht sogar seinen Bestand verdoppeln.

Prognose: Biomarkt wird weiterwachsen

Aber derzeit wird es erst mal nichts mit mehr Bio-Heumilch von Schinnagl. Denn im Ökolandbau gilt unter anderem ein fester Grundsatz: Ein Betrieb darf nicht mehr als zwei Kühe pro Hektar halten. Und die Tiere im Stall müssen mehr Platz haben als in einem konventionellen Betrieb. "Wir müssten erst für mehr Liege- und Fressplätze sorgen und für mehr Futterfläche."

Während Schinnagl in den nächsten Jahren den Stall ausbauen und sich auf die Suche nach weiteren Wiesen machen will, wird die Nachfrage nach Bio weiterwachsen. Davon ist Biomarkt-Experte Burkhard Schaer überzeugt. Doch 2025 mit plus zehn Prozent wird wohl ein Ausnahmejahr bleiben. Er rechnet in den nächsten Jahren mit einem Wachstum von fünf bis sechs Prozent.

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