Im Sommerurlaub macht Ilse Aigner (CSU) eine "Reparatur-Pause", wie es auf ihrer Instagram-Seite heißt. Am Sonntag postete die Landtagspräsidentin Fotos aus dem Krankenhaus: "Meine Knie-Operation ist gut verlaufen." Vom Krankenbett aus kann sie nun in Ruhe verfolgen, wie die Debatte über ihre mögliche Kandidatur für das Bundespräsidenten-Amt Fahrt aufnimmt: CSU-Chef Markus Söder bekräftigte im Ersten, dass Aigner "eine gute Bundespräsidentin" wäre. Ihn habe es sehr gefreut, "dass zum Beispiel aus der SPD sehr positive Signale gekommen sind".
Ein klares Signal sendet jetzt Bayerns SPD-Fraktionsvorsitzender Holger Grießhammer, der sich eindeutig für Aigner ausspricht. "Sie wäre wunderbar für dieses Amt geeignet", sagt Grießhammer im BR-Interview. Er werde im Januar die bayerische SPD-Delegation zur Bundesversammlung anführen und sei entschlossen, Aigner zu unterstützen. Mit SPD-Bundeschef Lars Klingbeil sei er dazu schon in Kontakt gewesen und werde gegen Ende der Sommerferien noch weitere Gespräche mit ihm suchen: "Um hier nochmal ganz klar deutlich zu machen: Was sind die Vorteile einer Bundespräsidentin Ilse Aigner."
Grießhammer: "Aus dem Volk"
Für die CSU-Politikerin spricht laut Grießhammer, dass sie ausgleichend agiere und Mauern einreiße. "Ilse Aigner führt den Bayerischen Landtag sehr gut, überparteilich." Sie verbinde verschiedene politische Kräfte, mache aber auch klare Ansagen, beispielsweise in Richtung AfD.
Und sie sei eine Frau "aus dem Volk", habe nicht studiert, sondern eine Lehre zur Radio- und Fernsehtechnikerin gemacht. "Ich finde mich da in ihrer Person durchaus wieder als Handwerksmeister", sagt der SPD-Fraktionschef. "Sie kann auch die einfache Sprache." Derzeit rumore es in der Bevölkerung, Aigner könne möglicherweise Menschen für die Demokratie zurückgewinnen.
SPD-Landeschefin: Werben muss die CSU selbst
Grundsätzlich positiv über Aigner äußert sich auch die bayerische SPD-Landeschefin Ronja Endres: "Sie hat sich in einer sehr von Männern geprägten Partei ihren eigenen Stil und wirklich großen Respekt über Parteigrenzen hinweg erarbeitet", sagt sie dem BR.
Ob die CSU am Ende tatsächlich Ilse Aigner ins Rennen schicke, müsse sie allerdings selbst entscheiden. Nachfrage: Würde sich Endres in der Bundes-SPD für Aigner stark machen? Antwort: "Ich halte Ilse Aigner für eine gute Kandidatin. Die Werbetrommel für sie rühren muss die CSU aber selbst."
Roloff: Ball bei der Union
Ähnlich spricht Co-Landeschef Sebastian Roloff, der wie Endres dem SPD-Bundesvorstand angehört. "Ilse Aigner hat als Landtagspräsidentin schon gezeigt, dass sie einerseits überparteilich agieren kann, aber auch klar Stopp sagt, wenn die Feinde der Demokratie die Demokratie angreifen", sagt der Bundestagsabgeordnete. Das seien zwei Eigenschaften, die für eine Bundespräsidentin sehr positiv wären.
Aber: "Der Ball" sei erstmal bei der Union, betont Roloff. CDU und CSU müssten als stärkste Kraft in der Bundesversammlung einen Vorschlag machen. "Ich bin zwar Mitglied der Bundesversammlung, aber es ist jetzt nicht meine Aufgabe, da Mehrheiten zu suchen." Ob er Aigner anderen Unions-Politikerinnen vorziehen würde, lässt Roloff offen: Es gehöre sich nicht, zu sagen, "ich finde die aber besser als die".
Söder: Einigung mit CDU nie ganz leicht
Söder bekräftigte in der ARD, dass sich CDU und CSU im Herbst auf eine Kandidatin einigen werden. "Man hat sich ja festgelegt darauf, dass dieses Mal eine Frau Bundespräsident werden soll – und da haben wir eine Idee dafür." Allerdings brauche es die Zustimmung der CDU: "Sich mit der CDU zu einigen, ist nie ganz leicht."
CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz muss auch auf seine eigene Partei Rücksicht nehmen, aus deren Reihen beispielsweise Bundesfamilienministerin Karin Prien und die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner als Anwärterinnen gelten. Eine große Rolle dürfte spielen, ob die CDU bereit ist, das höchste Amt im Staat der kleineren Schwesterpartei zu überlassen. Die Bundesversammlung ist für den 30. Januar geplant. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten.
Aigner wird vorerst keine öffentlichen Termine wahrnehmen: Nach ihrem Krankenhausaufenthalt folgt die Reha. Aber bei Fragen nach ihren persönlichen Ambitionen hielt sie sich in den vergangenen Monaten ohnehin stets bedeckt. Ihre Standard-Antwort: "Es gibt schlimmere Schicksale, als für dieses Amt gehandelt zu werden."
Im Video: Ilse Aigner im Schloss Bellevue?
Im Video: Ilse Aigner im Schloss Bellevue?
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