Artem Pavliuchenko zieht ein Holzbrett durch eine Maschine.
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Der ukrainische Schreiner Artem Pavliuchenko hat in Deutschland erneut seinen Gesellenbrief gemacht, um eine Bleibeperspektive zu haben.
Bildrechte: BR/Katrin Küx
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Der ukrainische Schreiner Artem Pavliuchenko hat in Deutschland erneut seinen Gesellenbrief gemacht, um eine Bleibeperspektive zu haben.

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Arbeitsmarkt: Ukrainischer Schreiner erarbeitet sich Perspektive

Arbeitsmarkt: Ukrainischer Schreiner erarbeitet sich Perspektive

Knapp 200.000 Menschen aus der Ukraine leben aktuell in Bayern. Die meisten haben einen sogenannten Schutzstatus. Doch was tun, wenn der endet? Wie sich ein ukrainischer Schreiner eine Perspektive im Raum Aschaffenburg erarbeitet hat.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Türen nach Maß, Treppen, Tische: In seiner Schreinerei in der Ukraine hat Artem Pavliuchenko alles Mögliche selbst gebaut. "Ich kann nicht sagen, was ich noch nicht gemacht habe", sagt er. Über 20 Jahre hatte er seinen eigenen Betrieb. Doch bereits mit dem Krieg von Russland gegen die Ukraine im Jahr 2014 hat sich die wirtschaftliche Situation in seiner Heimat verschlechtert. Nach Beginn des russischen Angriffskriegs im Jahr 2022 ist Pavliuchenko mit seiner Frau und seinen beiden Kindern nach Deutschland geflohen.

Ukrainischer Schreiner hat nach Flucht schnell Arbeit gefunden

Schon zwei Monate nach seiner Ankunft in Deutschland hat er Arbeit gefunden – als Schreinergehilfe bei der Eichenhaus AG in Laufach im Landkreis Aschaffenburg. Dass er keinen Ausbildungsnachweis vorlegen konnte, war für Betriebschef Christoph Werner kein Hindernis: "Den Gesellenbrief braucht der Artem und nicht das Eichenhaus. Dass er sicher hier bleiben kann, auch wenn sich die Situation in der Heimat ändern sollte."

Chancen in Deutschland verbessern – deshalb erneut Berufsschule

Familienvater Pavliuchenko hat sich dafür entschieden, noch mal die Schulbank zu drücken und hat die deutsche Berufsschule besucht. Nötig sei das nicht gewesen, sagt er, aber er wollte seine Chancen auf ein Bleiberecht in Deutschland verbessern. Sein Ziel: Hier als Fachkraft arbeiten.

Pavliuchenko macht Gesellenprüfung: "Ich bin stolz"

Große Freude diese Woche für den 44-Jährigen in der Aschaffenburger Stadthalle: Er hat die Berufsschule erfolgreich abgeschlossen – und hat zusammen mit 31 Gesellen und Gesellinnen seine sogenannte Freisprechung bei der Schreiner-Innung gefeiert. Als Gesellenstück hat er einen Couchtisch geschreinert: "Das ist der Couch-Tisch 'Kubus'. Er lässt sich von allen Seiten öffnen", erklärt er in einwandfreiem Deutsch.

Stolz hält er seinen Gesellenbrief in den Händen: "Ich kann jetzt meinen Aufenthaltstitel ändern zu 'Arbeit als Fachkraft'. Ich bin stolz, ich arbeite weiter, ich mache etwas Sinnvolles." Seine Familie freut sich mit ihm.

Anerkannter Abschluss ist wichtig für Geflüchtete

Für Menschen wie Artem ist der anerkannte Abschluss entscheidend: Erst als Fachkraft kann er einen sogenannten Aufenthaltstitel zur Erwerbstätigkeit bekommen. Das ist die Grundlage für ein Bleiberecht, das über den befristeten Schutzstatus hinausgeht. Denn dieser erlaubt nach aktueller Rechtslage grundsätzlich keine Einbürgerung und bietet keine langfristige Sicherheit.

Knapp 200.000 Ukrainer und Ukrainerinnen leben in Bayern

Laut Joachim Herrmann (CSU), dem Bayerischen Innenminister, leben aktuell knapp 200.000 ukrainische Staatsangehörige in Bayern. Die meisten von ihnen haben einen vorübergehenden Schutzstatus. Nur rund 2.400 Ukrainerinnen und Ukrainer im Freistaat verfügen über einen Aufenthaltstitel zur Erwerbstätigkeit und können damit überhaupt einen Einbürgerungsantrag stellen. Das sind laut Innenministerium etwas über ein Prozent.

Fachkräfte aus dem Ausland sind wichtig in Unterfranken

Zugleich ist die Integration in Arbeit gut: Etwa 57.300 Menschen aus der Ukraine sind in Bayern sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Beschäftigungsquote liegt mit 42,4 Prozent bundesweit an der Spitze.

Die Handwerkskammer für Unterfranken betont, wie wichtig Arbeitskräfte aus dem Ausland inzwischen für das Handwerk sind. Sie füllen eine große Fachkräftelücke, die ohne sie noch größer wäre. Bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse vergleicht die Kammer zunächst die Ausbildung im Herkunftsland mit der deutschen. Fehlen Fertigkeiten oder Kenntnisse, können diese nachgeholt werden.

Ein häufiges Problem bei Geflüchteten ist, dass keine Dokumente mehr vorhanden sind. Dann greift die Qualifikationsanalyse nach Paragraf 14 BQFG, mit der berufliche Qualifikationen praktisch und fachlich ermittelt werden.

Anerkannter Abschluss ist elementar, um in Deutschland zu bleiben

Artem Pavliuchenkos Weg zeigt: Berufliche Erfahrung allein reicht nicht, wenn der rechtliche Status unsicher bleibt. Ein anerkannter Abschluss ist der Schlüssel zu einem Aufenthaltstitel als Fachkraft und damit zu einer echten Zukunftsperspektive in Deutschland. Sein Beispiel macht deutlich, wie Integration in den Arbeitsmarkt, Fachkräftesicherung im Handwerk und Bleiberecht zusammenhängen. Artem will mit seiner Familie in Deutschland bleiben – künftig als anerkannte Fachkraft, nicht nur als Schutzsuchender.

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