Am Mainufer bei Sommerhausen, direkt neben dem vielbefahrenen Mainradweg, stehen seit diesem Wochenende verstümmelte Stämme: Rund 100 junge Zwetschgenbäume eines Obstbetriebs sind dort durchtrennt worden – offenbar mutwillig. Für den Landwirt Christian Schwarz ist das, wie er dem BR sagte, "das Letzte, was man einem Landwirt antun kann".
Erntetag, danach Zerstörung
Der Familienbetrieb "Weingut am Ölspiel" baut am Main bei Sommerhausen nicht nur Wein, sondern auch Obst an – unter anderem Zwetschgen für den Zwetschgenkuchen einer unterfränkischen Großbäckerei. Noch am Freitag hatten Schwarz und sein Team dort geerntet. Als sie am Montag zurückkamen, waren etwa eineinhalb Reihen der Plantage zerstört: Die jungen Bäume waren im unteren Stammbereich sauber durchgeschnitten.
"Wir haben überhaupt keinen Verdacht. Wir wissen nicht, wer da was gegen uns oder gegen die Bäume gehabt haben könnte", sagt Klara Zehnder, Christians Partnerin. "Wir sind einfach nur schockiert und traurig, was Menschen anrichten können", so Zehnder, die am Mittwoch ein Video auf Instagram über den Vorfall veröffentlicht hat.
Große Resonanz auf Instagram-Video
Das Reel hat mittlerweile über eine Million Aufrufe und tausende Kommentare. Unter dem Video äußern viele Nutzerinnen und Nutzer ihre Empörung und Solidarität mit dem Betrieb. Die Unterstützung tue der Familie gut, sagt Schwarz – und könnte im besten Fall zu entscheidenden Hinweisen führen.
Jungbäume nicht mehr zu retten
Bei den Bäumen handele es sich um klimaangepasste Jungbäume, die erst im vergangenen Herbst gesetzt wurden. Sie sollten künftig besser mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen. Weil die Stämme jedoch an niedriger Stelle verletzt wurden, sind die Zwetschgenbäume jetzt nicht mehr zu retten. Ein Obstbaum brauche einen stabilen Stamm für die nächsten 30 Jahre, so Schwarz. Im Herbst müsse er nun erneut pflanzen – ein schwieriges Unterfangen bei anhaltender Trockenheit. Der reine Sachschaden belaufe sich auf einige tausend Euro, schätzt Zehnder. Viel schwerer wiege aber der Verlust der zukünftigen Ernte und Arbeitszeit.
Weiterer Fall von Baumfrevel in Scharlachberg bei Thüngersheim
Es ist nicht der erste und einzige Fall von Baumfrevel. Die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) hat am Donnerstag (20.8.) einen weiteren kürzlich zurückliegenden Fall gemeldet. Auf einer Versuchsfläche am Scharlachberg bei Thüngersheim hatten Unbekannte demnach im Juni oder Juli 200 junge Olivenbäume abgeschnitten. Im Frühsommer sei es mit dem Vandalismus losgegangen, berichtet LWG-Mitarbeiter Daniel Heßdörfer dem Bayerischen Rundfunk. "Anscheinend gibt es Leute, die nicht wollen, dass wir hier Alternativkulturen ausprobieren zum Weinbau", mutmaßt Heßdörfer. Die beiden Orte liegen rund 30 Kilometer voneinander entfernt. Es gibt keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen beiden Fällen.
Anzeige und Belohnung nach Baumfrevel
Die Familie Schwarz aus dem unterfränkischen Sommerhausen hat noch am Montag Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Hinweise auf mögliche Täterinnen oder Täter gebe es bislang keine, sagt der Obstbauer. Um die Aufklärung zu unterstützen, setzt der Betrieb eine Belohnung von 1.000 Euro für sachdienliche Hinweise aus. Der Angriff richte sich aus seiner Sicht nicht nur gegen den Betrieb, sondern auch "gegen Natur und Mitmenschen", so Christian Schwarz. Für die Zukunft denkt die Familie über Schutzmaßnahmen, wie eine Wildkamera, nach.
Die Zwetschgenbäume des Weinguts "am Ölspiel" in Sommerhausen stehen kurz vor der Ernte. Unbekannte haben die Jungbäume daneben gekappt.
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