Ein neuer Präsident und eine neue Präsidentin in Bayern – Markus Blume (CSU) und Anna Stolz (Freie Wähler) übernehmen in diesem Jahr die Präsidentschaften der Wissenschafts- beziehungsweise der Bildungsministerkonferenz. Beide Ländertreffen sind Teil der bundesweiten Kultusministerkonferenz (KMK).
Blume will mehr Vertrauen in Forscher – und ein KI-Verbots-Verbot
Unter seiner Leitung will Bayerns Wissenschaftsminister Blume die Freiheit für Forschung stärken: "Gerade in den USA merkt man, welch hohes Gut Forschungsfreiheit ist – insbesondere, wenn sie plötzlich in Bedrängnis gerät." In Deutschland sei Forschung nicht unfrei, so Blume, ganz im Gegenteil – sie werde aber von zu viel Bürokratie eingeschränkt: "Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind häufiger inzwischen mit dem Ausfüllen von Formularen und Verwendungsnachweisen und Anträgen beschäftigt als mit ihrer eigentlichen Aufgabe."
Dagegen soll das geplante "Innovationsfreiheitsgesetz" auf Bundesebene helfen. "Wir wollen hier auch von Seiten der Länder dafür sorgen, dass dieses Gesetz ein möglichst großer Wurf ist", sagte Blume. Es gehe um mehr Vertrauen in Forscherinnen, Forscher und auch Unternehmen, so Blume. Außerdem forderte der Minister mehr Ambition in Bereichen wie Kernfusion, Künstlicher Intelligenz (KI) oder Chip-Produktion.
In Bayern soll es laut Blume bald ein eigenes "Hochschulinnovationsgesetz" geben – darin soll Hochschulen unter anderem untersagt werden, KI in ihrer Forschung zu verbieten. Eine Idee, die er bei der Wissenschaftsministerkonferenz wohl auch mit seinen Länderkollegen debattieren wird.
Stolz' Schwerpunkte: digitale Kompetenz und Sport als Ausgleich
Bayerns Kultusministerin Stolz will in ihrer Präsidentschaft einen Schwerpunkt auf digitale Bildung legen. Das bedeute "nicht mehr Zeit vor dem Bildschirm, sondern mehr Kompetenz", so Stolz. "Wer versteht, wie digitale Medien und KI funktionieren, der ist souveräner, sicherer, widerstandsfähiger. Kompetenz schafft Resilienz – im Netz und im echten Leben." Dabei gelte: "Je jünger die Kinder, desto weniger digital und je älter, desto bewusster."
In digitalen Welten ohne natürliche Grenzen brauche es aber auch einen starken Gegenpol. Deswegen liege ein anderer Fokus auf Sport und Bewegung. Das bringe junge Menschen "zurück in die echte Welt mit richtigen menschlichen Begegnungen", sagte die Ministerin. "Sport ist der nötige Ausgleich gegen digitales Dauerrauschen."
FW-Ministerin: Leistung nicht gleich Druck
Außerdem will Stolz eine "positive und gesunde Leistungskultur" fördern. Leistung bedeute nicht Druck, sondern "Anstrengung, Entwicklung und Freude am eigenen Können". Laut Stolz wollen Kinder sich messen, besser werden und spüren, was in ihnen steckt: "Leistung ist auch etwas verdammt Cooles."
Zum Schuljahresbeginn 2024 hatte Stolz gesagt, sie wolle die Zahl der Leistungsnachweise genau "unter die Lupe nehmen" und diskutieren, inwieweit sie angekündigt sein sollen. Es gehe darum, was geprüft werde, auf welche Weise und wie viel. Schon war eine Debatte um Exen und Abfragen im Gange. Kurz darauf sprach Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ein öffentliches Machtwort: "Exen und Abfragen werden natürlich bleiben." Eine Abschaffung würde "die Leistungsdichte verschlechtern".
Realschullehrerverband: "Wäre in der Tat verdammt cool, wenn ..."
Stolz' Schwerpunkte seien "grundsätzlich sinnvoll, zeitgemäß und richtig akzentuiert", teilt der Vorsitzende des bayerische Realschullehrerverbands, Ulrich Babl, mit. Er unterstütze insbesondere den "positiven Leistungsbegriff" der Ministerin – vor allem angesichts des bundesweiten Leistungsrückgangs der Schülerinnen und Schüler. "Eine gesunde Leistungskultur bedeutet, dass Leistung eingefordert, gefördert und anerkannt wird", so der Verbandschef.
"Leistung muss für Schülerinnen und Schüler eine Herausforderung darstellen, an der sie wachsen können und darf nicht mit Druck gleichgesetzt werden." Zum Coolness-Zitat der Ministerin teilte Babl mit: "Es wäre in der Tat verdammt cool, wenn hier alle Bundesländer mitziehen und man gemeinsam die bildungspolitische Challenge annimmt."
Die offiziellen Amtsübergaben der Präsidenten finden am Donnerstag in Berlin statt. Die ersten Arbeitstreffen der Länderkonferenzen sind für Ende Februar (Bildung) beziehungsweise Ende März (Wissenschaft) geplant.
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