"Großer Tag", "nächstes Kapitel", "wichtiger Meilenstein" für die Künstliche Intelligenz in Bayern und Deutschland: Der bayerische Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) spart bei der Unterzeichnung des Vertrags für KI-Hochleistungsprozessoren nicht mit großen Worten. 54,5 Millionen Euro lässt sich der Freistaat die 1.024 GPUs des US-Unternehmens Nvidia kosten, das wegen des KI-Booms als wertvollster Konzern der Welt gilt.
Damit will Bayern die Voraussetzungen dafür schaffen, bei der Entwicklung eines eigenen KI-Basismodells entscheidend voranzukommen. "Das wertvollste Unternehmen der Welt, Nvidia, tut sich zusammen mit einem der wertvollsten Talentschuppen auf der Welt, nämlich dem Freistaat Bayern", sagt Blume.
Blume: Wichtig für europäische Souveränität
Die neue Rechenpower soll bayerischen Entwicklern ab 2027 im Rechenzentrum der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zur Verfügung stehen. Mit den dort schon vorhandenen GPUs können dann rund 1.400 Hochleistungschips für das bayerische KI-Basismodell genutzt werden. Damit entsteht den Angaben zufolge die größte KI-"Rechnerinfrastruktur in der deutschen Hochschullandschaft".
Laut Gerhard Wellein, Professor für Höchstleistungsrechnen an der FAU, führt aktuell an Prozessorchips des US-Riesen Nvidia kein Weg vorbei. Zwar versuche Europa aufzuholen, darauf könne man angesichts der rasanten Entwicklung von KI aber nicht warten: "Geschwindigkeit ist das A und O." Blume betont, es gehe um Unabhängigkeit von Tech-Giganten: "KI-Fähigkeiten werden auch eine zentrale Frage sein für europäische Souveränität in der Zukunft." Der Münchner KI-Professor Björn Ommer ergänzt: "Wer nur die KI anderer nutzen kann, wird abhängig."
(K)ein BayernGPT
Das bayerische Kabinett hatte vor gut zwei Jahren entschieden, dass ein bayerisches KI-Basismodell entwickelt werden soll. Minister Blume sprach damals von einer Art "BayernGPT" und zog damit einen Vergleich zum berühmten Textroboter ChatGPT des US-amerikanischen Unternehmens OpenAI. Seither sei die KI-Reise natürlich weitergegangen, erläutert Blume jetzt. "Wir haben hier unseren Fokus noch mal sehr geschärft und auch geschaut: Wo können wir einen Unterschied in der Welt machen?"
Bayern wolle nicht Regionen mit ganz anderen finanziellen Möglichkeiten hinterherlaufen und ein weiteres leistungsfähiges Sprachmodell wie ChatGPT entwickeln. Vielmehr gelte es, die eigenen Stärken in den Fokus zu rücken und dorthin zu schauen, wo die spannendsten Entwicklungen von morgen zu vermuten seien: Anwendungen in der Robotik und im Gesundheitswesen. Ziel sei es, leistungsfähige Modelle zu entwickeln, "die für unseren Mittelstand, für unsere Industrie von Relevanz sind, damit deren Produkte auch in der Welt der KI funktionieren".
Bayerische KI für alle
Björn Ommer, KI-Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, sagt, die meisten bestehenden KI-Modelle hätten einen "blinden Fleck": "Sie sind so entwickelt worden, dass sie sehr, sehr viel Hardware, teure Hardware brauchen." In Bayern sollen dem Experten zufolge Modelle mit einer effizienten Algorithmik entstehen. Auf diese Weise könnten auch kleine Start-ups mit weniger Ressourcen davon profitieren. KI werde somit demokratisiert.
Eine mögliche Anwendung sei beispielsweise personalisierte Medizin. So könnten spezifischere Therapien mit weniger Nebenwirkungen vorgenommen werden. "Wir kommen gerade aus einer Pandemie. Wie großartig wäre es, wenn wir in Zukunft schneller entsprechende Antikörper, entsprechende Medizin entwickeln können – und das mit weniger Nebenwirkungen, personalisiert für die entsprechenden Patienten."
Bayern als "KI-Macher"
Minister Blume sieht den Freistaat als "Trendsetter" auf dem Feld der KI. Bayern gehe mit dem Kauf der Nvidia-Chips und der Arbeit an einem Basismodell einen großen Schritt. "Wir können nicht auf andere warten", sagt er, "wir machen es jetzt einfach selbst." Aber natürlich brauche der Freistaat durchaus Rückenwind vom Bund und der Europäischen Union. "Das werden wir alleine nie und nimmer stemmen können." Deswegen bemühe sich die Staatsregierung um die Ansiedlung einer von der EU geförderten KI-Gigafactory in Schweinfurt mit 100.000 Hochleistungschips.
Nvidia-Manager Rod Evans betont: Niemand komme mehr darum herum, ein KI-Nehmer zu sein. Bayern habe sich entschieden, auch KI-Macher zu werden.
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