In einer Sondersitzung hat der Bamberger Stadtrat am Freitag dem Weiterbetrieb des Ankerzentrums um zehn Jahre mehrheitlich zugestimmt. Nach monatelangen Verhandlungen mit dem Bayerischen Innenministerium wird damit die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im Bamberger Osten bis 2035 bestehen bleiben.
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Ankerzentrum Bamberg: Obergrenze festgelegt
Gleichzeitig wurde eine Obergrenze für die Belegung mit 1.300 Menschen festgelegt. Bisher lag sie bei 1.500. In Zeiten eines starken Flüchtlingszugangs kann die Zahl bis auf 2.300 steigen. Im Gegenzug wird der Freistaat finanzielle Unterstützung bei Projekten leisten, wie unter anderem der Sanierung des Freibades.
Eine Mehrheit für die Weiterführung des Ankerzentrums kam durch die Stimmen von SPD, Grünes Bamberg, CSU und FDP zustande. Vor allem die kleineren Parteien zeigten sich jedoch unzufrieden, da auch diesmal im Vertrag beim Laufzeit-Ende nicht das Wort "unwiderruflich" vermerkt sei. Kritik wurde auch generell am Unterbringungsmodell Massenunterkunft geäußert oder, dass die Bedürfnisse der Anwohner zu wenig Berücksichtigung gefunden hätten, beispielsweise durch eine verstärkte Polizeipräsenz.
Innenminister Herrmann: "Fairer Kompromiss"
An der Sondersitzung in Bamberg nahm auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) teil. Er betonte, die Ankereinrichtung an diesem oberfränkischen Standort habe sich bewährt. Trotz der bundespolitisch eingeleiteten Migrationswende, die einen Rückgang der Asylzugänge zur Folge habe, sei es noch zu früh, Ankerzentren zu schließen. Es sei ein fairer Kompromiss gefunden worden zwischen Bamberg und dem Bayerischen Innenministerium, so Herrmann.
Gesetzesänderung in der Ukraine sorgt für Zugänge
Die bayerischen Asylunterkünfte sind aufgrund der sehr hohen Zugänge von Asylbewerbern und Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine in den letzten Monaten nach wie vor stark ausgelastet. Wie die Regierung von Oberfranken mitteilt, kamen seit Juli mehr als 850 Ukrainer und Ukrainerinnen in der Aufnahmeeinrichtung Bamberg an. "Bei 2.131 Personen, die in diesem Zeitraum insgesamt in die AEO kamen, sind dies rund 40 Prozent." (Stand: 05.12.25)
Zurückzuführen ist diese starke Zunahme an einer geänderten Gesetzeslage seit August: Nach mehr als dreieinhalb Jahren Krieg hatte die Ukraine das allgemeine Ausreiseverbot für ukrainische Männer zwischen 18 und 22 Jahren aufgehoben.
Auch Verträge von anderen Ankerzentren verlängert
Der Freistaat hat in den letzten Monaten auch mit anderen Ankerzentren, wie beispielsweise in Manching/Ingolstadt und Regensburg, Verlängerungsverträge geschlossen. In Manching oder auch in Fürstenfeldbruck wurde die Laufzeit nur fünf Jahre verlängert. Die Bamberger Einrichtung sei jedoch so gut geeignet für eine solche Ersteinrichtung, dass der Vertrag für zehn Jahre vereinbart wurde, erklärte der bayerische Innenminister.
Zustimmung für Verkauf des Geländes an Stadt Bamberg
Für die Stadt Bamberg war es vor allem wichtig, vor Unterzeichnung des Vertrages eine Vereinbarung über den Kauf des gesamten Geländes vom Bund zu erhalten. In der vergangenen Woche konnte Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) grünes Licht dafür verkünden. Die BImA, die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten, stimmte dem Verkauf des 16 Hektar großen Geländes an die Stadt Bamberg zu. Lediglich 70 Wohneinheiten für Bundespolizeibeamte sollen aus dem Komplex herausgelöst werden. "Wer heute dem Vertrag zustimmt, der unterstützt eine Regelung, die uns erstmals die Tür öffnet, dass wir 2035 frei über das Gelände verfügen können", so Bambergs Oberbürgermeister Starke.
- Zum Artikel beim Fränkischen Tag: Ankerzentrum - Das steht in der Einigung (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt)
Im Audio: Das Ankerzentrum in Bamberg bleibt bis 2035
Bis 2035 bleibt das Ankerzentrum in Bamberg. Das ist das Ergebnis einer Sondersitzung des Stadtrats.
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