Die Leinwand reicht von der Decke bis zum Boden, über 240 Quadratmeter entsprechen der Fläche mehrerer Wohnungen. Roman Sailer, Betreiber des Neu-Ulmer Dietrich Theaters, wollte ein "immersives Erlebnis" für Besucher schaffen und hat einen Saal seines Kinos auf IMAX-Technologie umbauen lassen. Es ist das derzeit einzige Kino dieser Art in Bayern (*). Die Technologie sorgt dafür, dass Besucher in die Filme regelrecht eintauchen können – dank riesiger Leinwände und spezieller Projektionen.
Damit die IMAX-Leinwand überhaupt in den Saal passte, wurde das ganze Gebäude umgebaut und die Decke um rund sechs Meter angehoben. Im Inneren sorgt nun ein Laser-Projektor für scharfe Bilder und satte Farben. Ein Zwölf-Kanal-Soundsystem lässt Besucher selbst feine Geräusche präzise wahrnehmen. Mit dem dritten Teil des Science-Fiction-Epos "Avatar" ist der passende Film angelaufen, um die Stärken der Technik auszuspielen.
Heimkino als Konkurrenz
Sich "nur" einen Film anzuschauen, reiche vielen Besuchern heutzutage nicht mehr aus, sagt Christine Berg vom Branchenverband HDF Kino. "Betreiber sollten versuchen, Erlebnisse zu bieten. Ein Foyer, in dem man einen Cocktail oder einen Kaffee trinken kann, aber auch Sitze im Saal, in denen man sich zurücklehnen oder liegen kann", sagt Berg. Der Trend gehe klar in Richtung Komfort und Luxus.
Das heimische Wohnzimmer hat sich in den vergangenen Jahren zum Konkurrenten für das Kino gemausert. Zum einen durch immer größere Fernseher, zum anderen durch das Angebot von Streaminganbietern. Denn Kinofilme sind oft schon nach vergleichsweise kurzer Zeit dort abrufbar. "IMAX oder auch Dolby Cinema bieten einen deutlichen Mehrwert. Das bewegt Menschen, ihre Couch zu verlassen, denn sowas haben sie nicht zuhause", so Berg.
Blockbuster sollen Kinosystem beflügeln
In Bayern gab es bereits vor Jahrzehnten IMAX-Kinosäle, in München oder auch in Nürnberg. Damals wurden noch vor allem Dokumentationen über Landschaften oder Naturphänomene gezeigt, die langfristig allerdings nicht genug einspielten. Die IMAX-Säle mussten schließen und wurden in normale Kinos umgewandelt. Was macht die Betreiber in Neu-Ulm sicher, dass ihr Konzept aufgehen wird? Das Dietrich-Theater hat immerhin mehrere Millionen Euro investiert. "Der Markt hat sich in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren verändert. Hollywood produziert inzwischen deutlich mehr für IMAX, 2026 wird alle zwei Wochen ein neuer Film erscheinen, der diese Technik ausnutzt", sagt Sailer.
Nächstes Jahr stehen mit dem neuen "Super Mario"-Film, Star Wars, Avengers, einem Biopic über Michael Jackson oder dem letzten Teil der Wüstentrilogie Dune eine ganze Reihe von Blockbustern an. Regisseur Christopher Nolan hat das mythologische Epos "Die Odyssee" vollständig mit neuen IMAX-Filmkameras gedreht.
Viele Betreiber zögern mit Investitionen
Am Ende entscheiden allerdings die Besucher, ob sie den höheren Standard annehmen. Fünf Euro Aufpreis kostet das Erlebnis im Dietrich-Theater. Angesichts der Pandemie, eines längeren Streiks von Drehbuchautoren und Schauspielern in Hollywood und dem damit verbundenen Ausbleiben von Highlights schmolzen die Rücklagen zahlreicher Betreiber.
Wurden 2019 bundesweit noch 118 Millionen Kinotickets gelöst, waren es laut Filmförderungsanstalt im vergangenen Jahr nur rund 90 Millionen. Viele zögern daher, ihr Kino zu modernisieren. "Wir appellieren an die Politik, dass Investitionsprogramme aufgelegt werden. In Bayern gibt es das und hilft uns sehr. Sonst ist die Lage in Deutschland leider eher mau", sagt Berg.
* Anmerkung der Redaktion: Das ehemalige IMAX-Kino in Nürnberg wurde bereits vor Jahren in "Cinemagnum" umgetauft. Seitdem laufen auf der riesigen Leinwand keine klassischen IMAX-Filme mehr, sondern vor allem Blockbuster aus Hollywood.
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