37,5 Grad zeigt das Thermometer an, als die "PolitParade" zum Christopher Street Day (CSD) am Münchner Stachus vorbeizieht. Rund 200 Gruppen sind dabei: Motorradfahrer mit Prideflaggen, bunt geschmückte Lkw und zahlreiche Gruppen, die zu Fuß durch die Münchner Innenstadt ziehen. Die extreme Hitze hält die Teilnehmenden nicht davon ab, für gleiche Rechte und Akzeptanz der queeren Community auf die Straße zu gehen.
CSD-Motto: "Unsere Vielfalt. Unsere Stärke."
Das diesjährige Motto vom CSD in München: "Unsere Vielfalt. Unsere Stärke." Die Veranstalter wollen damit betonen, dass Diversität kein Spaltungsgrund ist, sondern den Zusammenhalt der gesamten Gesellschaft fördert: "Wenn man Vielfalt fördert, wird die Freiheit jeder und jedes Einzelnen größer, weil wir etwas für Miteinander, Demokratie und Freiheit tun", betont Conrad Breyer, Pressereferent des CSD München, am Rande der Veranstaltung. Schirmherr des CSD ist der Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause von den Grünen, der selbst schwul ist.
Anders als in anderen Städten, in denen aufgrund der Hitze Veranstaltungen abgesagt worden sind, hielten die Veranstalter in München an der "PolitParade" fest. "Wir tun das für die Community. Und die freuen sich da ein Jahr drauf. Und wir haben auch alle ein Jahr lang dieses Event vorbereitet. Das könnten wir unmöglich absagen", so Pressereferent Breyer.
Zehntausende Teilnehmende trotzen den Temperaturen
Trotz der schweißtreibenden Bedingungen auf dem heißen Asphalt war der Andrang wie auch im letzten Jahr enorm. Die Polizei spricht von 230.000 Teilnehmenden. Rund 30.000 Menschen laufen bei der Parade mit, 200.000 Schaulustige säumten die Straßen. Die Hitze machte den Menschen unterschiedlich stark zu schaffen: "Es ist übel, wirklich. Wir hoffen, dass von den Wagen ein bisschen Wasser gespritzt wird", sagte ein Schaulustiger. Eine weitere Zuschauerin hingegen genoss das warme Wetter: "Es gibt kein zu heiß. Wir haben Sommer, wir haben Party!"
Umfangreiche Vorkehrungen wegen Hitze
Bei der Parade sorgten die Teilnehmenden mit Sprühflaschen, Eiswürfeln und Fächern selbst für Erfrischung. Manche nutzten auch Brunnen wie den am Stachus oder den Wittelsbacher Brunnen am Lenbachplatz für eine kurze Abkühlung. Einige Zuschauer ließen mit Gartenschläuchen Wasser auf die Vorbeiziehenden spritzen. Und umgekehrt ließen einige Tanzende auf den Lkw Wasser auf die Zuschauer regnen.
Laut Polizei kam es zu keinen polizeirelevanten Vorkommnissen. Die Veranstaltung sei ruhig, friedlich und ohne Störungen oder Zwischenfälle verlaufen. Ein paar Menschen mit Kreislaufproblemen wurden gemeldet. Das sei aufgrund der Wetterlage aber normal.
"PrideMeile" noch bis Sonntag
Zum ersten Mal hatte die "PolitParade" in diesem Jahr ein neues Ziel: die "PrideMeile" in der Ludwigstraße. Von der Feldherrenhalle bis zum Siegestor säumen das ganze Wochenende zahlreiche Bühnen und Arenen die Straße. Darauf zu erleben: Musik-Acts, Dragshows, Podcasts, Poetryslams und politische Gespräche. Highlight war bereits Freitagabend ein Auftritt von Conchita Wurst, Gewinnerin des Eurovision Song Contests 2014, auf der Hauptbühne. Auch auf der "PrideMeile" wurden zusätzliche Vorkehrungen gegen die Hitze getroffen: Wasserspender und vereinzelte Wasserzerstäuber sollen Abkühlung bringen.
Feiern bis in die Nacht
Der Samstag findet am Abend beim traditionellen "RathausClubbing" seinen krönenden Abschluss: sechs Dancefloors, auf denen vom klassischen Paartanz im Ballroom bis zum entspannten Chillen im Nachtbiergarten ein vielseitiges Programm geboten wird. Zusätzlich gibt es unzählige Szene-Events in Münchner Clubs. Insgesamt zählen die sogenannten Pride Weeks in München über 100 Veranstaltungen, die noch bis zum 18. Juli laufen.
Zum Hören: Bunte Demo bei fast 38 Grad
Teilnehmende der PolitParade in München anlässlich des Christopher Street Day (CSD).
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