Selten sah der Sensenmann so freundlich aus. Wenn Florian Linhart die Sense ansetzt, geht es nicht darum, dass jemand ins Gras beißt, sondern darum, möglichst schnell alles niederzumähen. Darin ist der Elfjährige aus Griesstätt im Landkreis Rosenheim der Beste in Deutschland.
Im Juni hat er bei der Deutschen Meisterschaft im Handmähen in Neubeuern die Kinderklasse gewonnen. 15 Quadratmeter Wiese, eine Sense, und die Uhr läuft. "15 Quadratmeter. Es war schwer, weil das Gras so trocken war", sagt Florian. Trotzdem ließ er die Konkurrenz hinter sich.
Nur wer schnell und sauber mäht, gewinnt
Beim Handmähen entscheidet die Stoppuhr nicht allein. Kampfrichter bewerten auch die Qualität der Mahd: Bleiben Halme stehen oder fällt das Mähbild ungleichmäßig aus, gibt es Zuschläge. Erst aus Zeit und Sauberkeit ergibt sich die Wertung.
Die Parzelle richtet sich nach der Klasse – die Herren mähen 100 Quadratmeter, Jugend und übrige Erwachsene 35, die Kinder 15. Was einen Sieger ausmacht, weiß Florian genau: "Ausdauer, Kraft und a gscheide Schneid."
Die erste Sense war ein Dekoartikel
Das Talent ist dem Buben in die Wiege gelegt. Schon Vater Alois hat seine Mitstreiter regelmäßig weggemäht. "1999, da hab ich das erste Mal bayerischer Meister gemacht", erzählt er. "Da haben wir geübt und geübt und geübt und richtig geübt."
Und Florian hat früh geübt. Auf einem Familienvideo ist er gerade fünf Jahre alt – und hat schon eine Sense in der Hand. Vater Alois: "Klar, hat man da erst mal Sorgen, dass er sich verletzen könnte, aber wir haben ihn da nicht mehr von losbekommen." Florian bettelt und fleht seine Eltern an, bis er eine eigene Sense bekommt. "Die erste war eigentlich nur ein Dekoartikel, und der Papa hat daraus eine Mini-Sense gebastelt und zusammengeschweißt", erinnert sich Mutter Ulrike Linhart. "Kurz drauf hat er sich zu Weihnachten vom Christkind eine Sense gewünscht. Und die ist dann auch gekommen. Zum Glück."
Lange dauerte es danach nicht mehr: Bei der Deutschen Meisterschaft 2022 war Florian sieben Jahre alt – und wurde auf Anhieb Erster.
Einen können die Buben nicht bezwingen
Im direkten Duell mit dem Vater sieht es anders aus: Weder Florian noch sein kleiner Bruder Georg kommen bislang an Alois heran, der ist deutlich schneller. Ganz sauber ist dessen Sieg aber nicht immer. "Der Papa hat geschummelt", stellt Florian nach einem inoffiziellen Familienduell fest – da stehen noch ganze Grashalme in der frisch gemähten Wiese. Im Wettkampf gäbe es dafür Zuschläge. Also: Gleichstand für die Buben. Eine gewinnt trotzdem fast immer. "Ja, ich nutze das als Rasenmäher", sagt Mutter Ulrike. "Spare ich mir das Mähen."
Vom Werkzeug zum Sportgerät
Was in Neubeuern als Sport ausgetragen wurde, war jahrhundertelang schlicht Arbeit. Wettkämpfe gibt es heute vor allem in Bayern, Österreich, Südtirol, Slowenien, Tschechien und der Schweiz; die Europameisterschaft findet alle zwei Jahre statt, 2027 im Südtiroler Sarntal. Zugleich wirbt der Sensenverein Deutschland mit dem ökologischen Argument: Insekten und Wiesenkräuter profitieren, wenn erst nach der Blüte gemäht wird – ganz ohne Motorenlärm. Für Florian zählt aktuell eher die Zeit auf der Uhr. Und der Vater, den es noch zu schlagen gilt.
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