Zu sehen ist eine Handtasche und ein Blatt Papier, die beide von zwei Händen gehalten werden. Im Hintergrund ein weißer Blazer erkennbar. Die Frau trägt rote Fingernägel.
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Seit 1972 haben es bayernweit nur 14 Frauen an die Spitze eines Landratsamtes geschafft. Die erdrückende Mehrheit in dem Amt: Männer.
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Seit 1972 haben es bayernweit nur 14 Frauen an die Spitze eines Landratsamtes geschafft. Die erdrückende Mehrheit in dem Amt: Männer.

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Druck, Vorurteile und Anfeindungen: Bayerns wenige Landrätinnen

Druck, Vorurteile und Anfeindungen: Bayerns wenige Landrätinnen

Frauen bleiben auch nach den Kommunalwahlen 2026 die Ausnahme: An der Spitze der Landkreise stehen fast nur Männer. Es geht um die Frage, wer sich politische Macht zutraut – und wem sie zugetraut wird.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

"Sie widerliche, blöde, dreckige Schlampe." Es ist ein Satz aus einem Brief. Adressiert an eine Frau, die ein öffentliches Amt ausübt. Andrea Jochner-Weiß, CSU, zwölf Jahre lang Chefin des Landratsamts Weilheim-Schongau. Der Satz zeugt von der Wut der Corona-Zeit – aber vor allem davon, wie persönlich politische Angriffe werden können, wenn Frauen Macht ausüben.

Die kommunale Macht ist männlich

In den wichtigsten kommunalen Spitzenämtern Bayerns, dort, wo über Kliniken, Schulen, Straßen, Katastrophenschutz, Unterbringung von Geflüchteten und Wirtschaftsförderung entschieden wird, sind Frauen seit Jahrzehnten unterrepräsentiert. Seit der Gebietsreform 1972 gab es in Bayern insgesamt 14 Landrätinnen – und 294 Landräte. Aktuell werden nur sechs der 71 bayerischen Landkreise von Frauen geführt – Quote: 9 Prozent. In der Amtsperiode davor waren es 7 Prozent. Was passiert gerade in Bayern?

Im Video: Trotz Hürden haben es diese drei Landrätinnen geschafft

Zu sehen ist eine Collage mit drei Frauen, die vor einem grünen Halbkreis und einem blau eingefärbten Gebäude positioniert sind. Der Titel lautet: "Harter Job: Landrätin. Von Schoko-Ärschen & Elefantenscheiße".
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Frauen wägten mehr ab, ob sie ein politisches Amt auch wirklich ausüben können, sag Landrätin Tanja Schweiger.

Frauen werden gewählt – wenn sie antreten

Dass Frauen Wahlen gewinnen können, zeigt sich unter anderem in Landsberg am Lech. Dort wurde Daniela Groß von den Grünen Landrätin – eine Überraschung. Doch der Blick auf ihre Biografie zeigt auch, unter welchen Bedingungen Frauen oft Politik machen: "Als ich meine erste Tochter bekommen habe, habe ich nach acht Monaten wieder angefangen, in Vollzeit zu arbeiten." Ein Modell, das noch immer "nicht üblich" sei.

"Es gibt, glaube ich, deswegen so wenig Frauen, weil auch deutlich weniger Frauen kandidieren", ergänzt Tanja Schweiger von den Freien Wählern, Landrätin des Landkreises Regensburg.

Ein Amt ohne Feierabend

Auch Schweigers Terminkalender ist eng. Entscheidungen treffen, sichtbar sein. In Betrieben, in Vereinen, bei der Feuerwehr, am Abend, am Wochenende. Sie glaubt, dass Frauen vor einer Kandidatur stärker abwägen: Kann ich das wirklich? Wie ist das mit Kindern, Haushalt, Familie? Kommunale Spitzenämter folgen oft noch einem Lebensmodell, das historisch männlich war: Eine Person ist ständig verfügbar, ständig unterwegs, ständig öffentlich. Im Hintergrund hält jemand anderes den Alltag zusammen. Viele Männer, sagt Schweiger, hätten bis heute "das Glück, eine Frau hinter sich zu haben, die alles andere organisiert". Dabei zeigen Studien: Frauen haben andere Perspektiven und führen empathischer.

Immer früher da, immer später weg

Als Andrea Jochner-Weiß 2014 die erste Landrätin im Landkreis Weilheim-Schongau wurde, hatte sie das Gefühl, sich mehr beweisen zu müssen. Früher da sein, länger bleiben. In der Corona-Pandemie wurde Jochner-Weiß zur Zielscheibe. "Wir haben Affenärsche gekriegt. Elefantenscheiße." Ein Brief enthielt die Aufforderung, alle Geschäfte wieder zu öffnen – und endete mit dem Abschiedsgruß: "Sie widerliche, blöde, dreckige Schlampe!"

Die "ganz bösen Briefe" habe sie an die Polizei weitergegeben. In einem Bierzelt hielt sie ein Grußwort und musste sich minutenlang auspfeifen lassen. Auch männliche Kollegen seien in der Pandemie angegriffen worden, stellt Jochner-Weiß klar. Aber: Vielleicht tue man sich "bei einer Frau leichter, sie gescheit auszupfeifen".

Keine Frage des Könnens

2026 ist sie nicht mehr angetreten. Trotzdem bereut Jochner-Weiß ihre Zeit im Amt nicht. Im Gegenteil. Sie ermutigt andere Frauen: "Lasst euch wählen, habt keine Angst, hinterfragt euch nicht." Auch Tanja Schweiger glaubt nicht, dass Frauen bei den Wählerinnen und Wählern grundsätzlich schlechtere Chancen haben. Viele würden gerne eine Frau wählen. Doch die aktuellen Zahlen zeigen, wie weit der Weg dorthin noch immer ist. Denn wer Landrätin werden will, braucht Rückhalt, familiäre Netzwerke und Zeit für ein Amt, das kaum Pausen kennt.

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