Die Bahnbrücke an der Eglinger Ortseinfahrt ist mehr als 100 Jahre alt und das sieht man ihr an. Der Beton bröckelt an fast jeder Ecke. Deshalb soll die Unterführung neu gebaut und dabei deutlich vergrößert werden – doch die Pläne der Deutschen Bahn sorgen bei den Anwohnern für Kopfschütteln. So haben sie unter anderem eine Online-Petition gestartet.
Anwohner: "Ganz klar Geldverschwendung"
Willi Mayr steht im Eglinger Nebel vor seinem Wohnhaus an der Hauptstraße. Er kämpft zusammen mit anderen Anwohnern gegen das Projekt. Die neue Brücke hätte auf sein Grundstück und das seiner Nachbarin starke Auswirkungen, wie er sagt. Die Garage vor seinem Haus müsse abgerissen werden, um die Grundwasserwanne zu bauen. Nach der dreijährigen Bauphase würde sie dann wieder aufgebaut. Für Mayr ganz klar Geldverschwendung. Laut der Bahn steht die Garage allerdings teilweise auf öffentlichem Grund. Man sei im Gespräch mit dem Anwohner, um eine Lösung zu finden.
Auf der anderen Straßenseite bei seiner Nachbarin würden nach den Plänen der Bahn rund fünfeinhalb Meter des Gartens wegfallen. Denn die Durchfahrt solle künftig zweispurig sein und daher müsse die Straße verbreitert werden.
Anwohner fürchten um Grundstücke und ihre Zufahrt
Auch für Anwohnerin Katrin Haas sind die Pläne absolut überdimensioniert. Sie spricht vom Eglinger "Brückenwahnsinn". Sie steht auf der Zufahrtsstraße zu ihrem kleinen Wohngebiet direkt neben der Unterführung. Durch die größere Brücke würde die Straße einfach wegfallen. Die Pläne der Bahn sehen daher vor, rund 150 Meter entfernt eine neue Zufahrt zu bauen. Auch die muss unter den Schienen hindurch. Es muss also eine weitere Unterführung gebaut werden. Die Folge laut Haas: Eine riesige Flächenverschwendung von Ackerflächen.
Bahn pocht auf Regelwerk und eine erhöhte Verkehrssicherheit
Darüber hinaus befürchten die Eglinger durch die größere Unterführung deutlich mehr Schwerlastverkehr und Lärmbelästigung, somit also mehr Gefahr auf der Straße. Mehr Lkw-Verkehr befürchten die Planer in Egling nicht. Es gebe ausreichend leistungsfähige Strecken in der Umgebung. Und der neue Bau sei auch sicherer. Laut Karl Kergl vom staatlichen Bauamt Weilheim bekommt das neue Bauwerk einen barrierefreien Gehweg und die Engstelle werde in der Breite und Höhe beseitigt. Denn aktuell könnten keine zwei Lastwagen gleichzeitig die Unterführung passieren.
Die Anwohner wünschen sich eine deutlich kleinere Brücke. Außerdem solle die Straße weiterhin einspurig befahrbar sein und die Zufahrt zum Wohngebiet erhalten bleiben. Laut der Deutschen Bahn seien ihr aber die Hände gebunden. Wie Mark Wüller, Projektleiter der Deutschen Bahn erklärt, seien die Planer gezwungen die deutschen Regelwerke einzuhalten. Und die würden vorsehen, zwingend die Weite und Höhe der Unterführung an dieser Stelle zu vergrößern.
Bei den Brücken an der Ortseinfahrt kommen auf die Gemeinde keine Kosten zu. Denn die größere Brücke geht über eine Staatsstraße – somit übernimmt die Kosten die Bahn. Die komplett neue Unterführung zum Wohngebiet muss die Gemeinde zwar künftig unterhalten – bekommt dafür aber laut Bahn zur Durchführung dieses Unterhalts gemäß Gesetz einen hohen einmaligen Geldbetrag. Die Höhe dieses Betrags sei so bemessen, dass die Kosten über einen Zeitraum von 70 Jahren gedeckt sind.
Weiterer Brückenneubau würde Gemeindekasse stark belasten
Im Winkler Weg sieht das anders aus, wie Bürgermeister Ferdinand Holzer (CSU) erklärt. Auch hier muss eine weitere Bahnbrücke saniert werden. Es wäre somit der dritte Brücken-Neubau in der Gemeinde. Diese Unterführung macht dem Rathauschef deutlich mehr Bauchschmerzen. Denn der Winkler Weg ist eine Ortsverbindungsstraße. Das heißt der Baulastträger ist in diesem Fall die Gemeinde.
Laut Holzer muss sich daher Egling nach Eisenbahnkreuzungsgesetz zur Hälfte an den Kosten beteiligen. Holzer rechnet mit rund acht Millionen Euro Baukosten im Einzelbauwerk. Das heißt die Gemeinde müsste vier Millionen Euro aufbringen. Und das würde Egling bei klammen Kassen schon sehr belasten. Die Gemeinde hofft im Winkler Weg noch auf einen kleineren und günstigeren Bau.
Dieser Artikel ist erstmals am 17.12.2025 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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