(Symbolbild) Eine Frau hält ihr Smartphone an einen Bahnautomaten.
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(Symbolbild): Bayern will ab 2027 schrittweise ein In-/Out-Ticketsystem im ÖPNV einführen
Bildrechte: pa/dpa/Westend61 | Uwe Umstätter
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Einfach swipen im ÖPNV: Wann kommt das bayernweite System?

Einfach swipen im ÖPNV: Wann kommt das bayernweite System?

Einfach bezahlen und nicht lange Tarifsysteme studieren müssen, das wünschen sich viele ÖPNV-Kunden in Bayern. Funktionieren könnte das über eine Swipe-Funktion in der Smartphone-App. Wann wird Bus- und Bahnfahren endlich einfach?

Über dieses Thema berichtet: Bayern-2-Nachrichten am .

Ich swipe, zu Deutsch wische, über das Smartphone und die Fahrt beginnt. Gleiches mache ich bei Fahrtende. Beim sogenannten In-/Out-Verfahren geben Fahrgäste über eine App an, wo ihre Fahrt beginnt und wo sie endet. Das System ermittelt anschließend automatisch den passenden Fahrpreis. Tarifkenntnisse sind dafür nicht erforderlich. In einzelnen Tarifverbünden wie München, Nürnberg, Augsburg und Regensburg gibt es bereits eine solche digitale Bezahlmöglichkeit. Doch klappt das bald in ganz Bayern?

Verkehrsministerium kündigt bayernweites In-/Out-Verfahren an

Noch ist der öffentliche Personennahverkehr in Bayern ein einziger Tarifdschungel mit schwer verständlichen Preisstrukturen. Zumindest gilt das für viele ÖPNV-Kunden, die ihren eigenen Tarifverbund verlassen. Das soll sich jetzt ändern mit einer bayernweiten Check-in/Check-out-Funktion über einfaches Swipen mit dem Smartphone, so das bayerische Verkehrsministerium auf BR24-Anfrage: "Das bayernweite System wird ab Herbst 2027 mit einer Startregion schrittweise eingeführt. Geplant ist, dass Kunden das Angebot dann ganz einfach über die bisherigen Apps mit In-/Out-Funktion, wie z. B. die Verbund-Apps, oder die MoBY-App des Freistaats Bayern, nutzen können." Problem nur: Noch immer gehören 23 Kommunen in Bayern keinem Verkehrsverbund an.

Gut ein Viertel der Fläche Bayerns ist verbundfrei

In einer Landtagsanfrage wollte der Grünenpolitiker Markus Büchler von der Staatsregierung wissen, was Bayern unternimmt, damit Bus- und Bahnfahren einfacher wird. Das bayernweite In-/Out-Verfahren hält er momentan für schwer umsetzbar, "weil wir in weiten Teilen Bayerns nicht mal einen Verkehrsverbund haben", so Büchler. Das könne nicht funktionieren, wenn die Basis für die Verrechnung der Einnahmen und der Kosten nicht gegeben sei, dann könne auch kein Swipen funktionieren, sagt der Sprecher für Mobilität der Landtagsgrünen.

Auf BR24-Anfrage schreibt das bayerische Verkehrsministerium, dass 27 Prozent der Fläche Bayerns verbundfrei sind. Eine Verrechnung der Kosten und Einnahmen ist ohne Verkehrsverbund jedoch sehr schwierig. Letztendlich müsste mit jedem einzelnen Busunternehmer extra verhandelt werden.

Nicht alle Verkehrsverbünde könnten mitmachen

Das Verkehrsministerium geht auch davon aus, dass, wenn das neue Bezahlsystem schrittweise eingeführt werden soll, sich nicht gleich alle Verbundräume anschließen werden. Es könne also noch dauern, bis die bayernweite Check-in/Check-out-Funktion eingeführt ist, vermutet der Sprecher für Mobilität der Landtagsgrünen, Markus Büchler. Insgesamt will Markus Büchler mehr Tempo bei der neuen bayernweiten Bezahlfunktion: "Die Staatsregierung hat gesagt, dass sie das erst schrittweise einführen wird und es gibt kein Zeitlimit. Das finde ich sehr unambitioniert. Ich erwarte, dass sie das schnell umsetzt," sagt Büchler. Andere Bundesländer seien "weit schneller, weil die dortigen Verkehrsministerien schon vor vielen Jahren gesagt haben: Verkehrsverbünde flächendeckend zu haben, das ist die Grundvoraussetzung für einen modernen und kundenfreundlichen ÖPNV", erklärt Büchler. Das sei dann auch mit den Landkreisen umgesetzt worden.

Verkehrsministerium sieht Kommunen in der Pflicht

Laut Verkehrsministerium liegt es jedoch in der Entscheidung der Landkreise und kreisfreien Städte, ob eine Kommune einem Verkehrsverbund beitritt. Seit 2019 unterstütze der Freistaat zudem die Landkreise erfolgreich mit einem Förderprogramm auf dem Weg in einen Verkehrsverbund, so Bayerns Verkehrsministerium auf BR24-Anfrage. Die Förderung war laut Ministerium erfolgreich. "Durch zahlreiche Beitritte gibt es statt 47 verbundfreien Kommunen derzeit nur noch 23", schreibt das Ministerium. Die 23 verbundfreien Kommunen lassen laut Verkehrsministerium derzeit einen Verbundbeitritt oder eine Verbundgründung mit Unterstützung durch das Förderprogramm des Freistaats untersuchen.

Pro Bahn fordert finanzielle Obergrenzen

Dem Fahrgastverband Pro Bahn Bayern reicht das nicht. Die verbundfreien Gebiete in Bayern müssten verschwinden, damit ein neues Bezahlsystem funktionieren könne, sagt der Pro-Bahn-Landesvorsitzende Marco Kragulji. Er hatte 2021 das erste In-/Out-System im Münchner Verkehrsverbund mit gemischten Erfahrungen getestet. Anfangs habe es technische Schwierigkeiten gegeben. Auch gebe es bayernweit immer noch Menschen, die kein Smartphone nutzen können oder wollen, sagt Kragulji. Entscheidend für den Erfolg des bayernweiten In-/Out-Verfahrens ist laut Pro Bahn eine finanzielle Obergrenze beim Ticket.

Staatsregierung will bayernweiten "Tagesdeckel"

Auf BR24-Anfrage kündigt das bayerische Verkehrsministerium einen solchen Tagesdeckel im Verbund an. Bei verbundübergreifenden Fahrten komme ein bayernweiter Tagesdeckel zur Anwendung. Damit zahle der Fahrgast nie mehr, als er für ein Ticket am Fahrkartenschalter bezahlt hätte, so das bayerische Verkehrsministerium.

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