Arbeiter schraubt Solarmodule fest
Arbeiter schraubt Solarmodule fest
Bild
Auch ohne Einspeisevergütung kann sich Photovoltaik auf Einfamilienhäusern weiter lohnen.
Bildrechte: picture alliance / Westend61 | Franci Leoncio
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / Westend61 | Franci Leoncio
Audiobeitrag

Auch ohne Einspeisevergütung kann sich Photovoltaik auf Einfamilienhäusern weiter lohnen.

Audiobeitrag
>

Einspeisevergütung bald weg: Lohnt Photovoltaik sich dann noch?

Einspeisevergütung bald weg: Lohnt Photovoltaik sich dann noch?

Hausbesitzer sollen bei neu gebauten Photovoltaikanlagen künftig keine feste Einspeisevergütung mehr für den produzierten Strom bekommen. Trotzdem können sich Anlagen dann noch lohnen – unter bestimmten Bedingungen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Bayern am .

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nannte die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) einen "Paradigmenwechsel": Künftig sollen keine Photovoltaikanlagen mehr gefördert werden, "die so hohe Renditen erzielen, dass sie ohnehin installiert werden".

Was ändert sich im neuen EEG?

Für kleine Photovoltaikanlagen im Haushaltsmaßstab (bis 25 Kilowatt) wird die bisher übliche fixe Einspeisevergütung für den produzierten Strom abgeschafft. Bisher gibt es noch knapp acht Cent pro Kilowattstunde, garantiert für 20 Jahre. Bei neuen Anlagen, die ab dem kommenden Jahr in Betrieb gehen, wird noch eine auf drei Jahre befristete Übergangsförderung gezahlt, die auch niedriger ausfallen soll.

Danach müssen sie ihren eingespeisten Strom direkt am Markt verkaufen. Dabei werden geringere Erlöse zu erzielen sein, der durchschnittliche Marktwert von Solarstrom lag vergangenes Jahr bei rund 4,5 Cent. Zusätzlich wird künftig die Stromeinspeisung kleiner Photovoltaikanlagen per Gesetz auf nur die Hälfte ihrer maximalen Leistung begrenzt.

Geht es auch ohne Einspeisevergütung?

Schon jetzt lohnen sich Photovoltaik-Dachanlagen auf Einfamilienhäusern in der Regel weniger durch die Einspeisevergütung, sondern vor allem durch den Eigenverbrauch des Stroms vom eigenen Dach. Pro vermiedene Kilowattstunde Strombezug aus dem Netz sparen Haushalte oft mehr als 30 Cent. Eine wirklich hohe Eigenverbrauchsquote ergibt sich allerdings meist nur dann, wenn auch Großverbraucher im Haushalt vorhanden sind – etwa eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto. Das wird in Zukunft in immer mehr Haushalten der Fall sein.

Obwohl es auch Anlagen mit Nulleinspeisung gibt, geben die meisten trotzdem noch einen Teil des produzierten Stroms ans Netz ab. Wenn sie dafür einen attraktiven Preis erzielen können, amortisiert sich die Anlage schneller.

Wie funktioniert die Direktvermarktung für Kleinanlagen?

Wer nach Ablauf der Übergangsfrist noch Geld für den eingespeisten Strom bekommen will, braucht in jedem Fall einen intelligenten Stromzähler mit Verbindung zum Internet. Deutschland ist beim Einbau dieser Smart Meter im Vergleich zu anderen EU-Staaten im Rückstand. Zwar sind Smart Meter für Haushalte mit Photovoltaik oder großem Stromverbrauch inzwischen prinzipiell verpflichtend, aber nur bei rund einem Viertel davon sind sie laut Bundesnetzagentur [externer Link] bisher eingebaut. Vor allem kleine Verteilnetzbetreiber haben damit noch Schwierigkeiten. Planmäßig soll der Smart-Meter-Rollout in Deutschland bis 2032 vollendet sein.

Wer seinen Strom am Markt verkaufen will, braucht dazu außerdem einen Dienstleister, der das übernimmt. Bisher sind nur wenige davon am Markt, weil sich das Geschäft angesichts der kleinen Stromüberschüsse von Haushalts-Photovoltaikanlagen kaum lohnt. Das Bundeswirtschaftsministerium geht davon aus, dass sich das ändern wird. Für eine Übergangszeit von vier Jahren soll es einen Direktvermarktungsbonus geben, um die Entwicklung dieses Marktsegments zu fördern.

Welche Rolle spielen Stromspeicher?

Inzwischen sind Stromspeicher bei neu gebauten Haus-Photovoltaikanlagen Standard. Künftig werden sie in vielen Fällen noch größer sein. Mit Speichern lässt sich die Mittagsspitze bei der Photovoltaik abpuffern, wenn der Börsenpreis für Strom niedrig ist und die neue Einspeise-Begrenzung auf 50 Prozent greift. Mit Hilfe ihres Speichers könnten Photovoltaikbesitzer auch mitverdienen am oft starken Unterschied des Strompreises zwischen Tag und Abend.

Was bringt ein Elektroauto?

Ein Auto verbraucht in der Regel viel Strom und treibt die Eigenverbrauchsquote nach oben. Außerdem verfügen E-Autos selbst über große Batteriespeicher. Die kann man ebenfalls nutzen, um Strom zwischenzuspeichern für Zeiten mit höherem Bedarf. Allerdings nur, wenn das Fahrzeug das so genannte bidirektionale Laden unterstützt. Das ist noch nicht bei allen der Fall.

Sollte man die Anlage kleiner planen?

Theoretisch könnte man eine Anlage mit geringerer Leistung bauen, um die Eigenverbrauchsquote zu erhöhen. Angesichts der gesunkenen Preise von Solarmodulen ist es jedoch meist trotzdem ratsam, gleich das gesamte Dach zu belegen – wenn schon mal die Handwerker da sind und ein Gerüst steht. Denn der Stromverbrauch kann sich später schnell erhöhen – wenn etwa ein E-Auto angeschafft wird.

Kann sich an den Reiche-Plänen noch etwas ändern?

Ja, sie sind bisher nur vom Bundeskabinett beschlossen, der Bundestag berät erst noch darüber. Auch aus der an der Bundesregierung beteiligten SPD kommen Änderungswünsche.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!