Hauptbahnhof Hof
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Der Hofer Hauptbahnhof ist eigentlich repräsentativ, steht aber zum Großteil leer.
Bildrechte: BR/ Lorenz Storch
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Der Hofer Hauptbahnhof ist eigentlich repräsentativ, steht aber zum Großteil leer.

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Eisenbahnstadt Hof hat Potential – aber viel davon liegt brach

Eisenbahnstadt Hof hat Potential – aber viel davon liegt brach

Der Fahrgastverband Pro Bahn trifft sich dieses Wochenende zum Bundesverbandstag in Hof. Die Mitglieder befassen sich neben bundesweiten Themen auch mit der Bahnsituation in Nordost-Oberfranken. Da liegt einiges im Argen.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Die Bahnliebhaber aus ganz Deutschland treffen in Hof auf einen Bahnhof im Dornröschenschlaf. Der Hofer Hauptbahnhof war einst bayerisch-sächsischer Grenzbahnhof, geteilt zwischen den beiden Staatsbahnen – die Wappen prangen noch an der Sandsteinfassade. Im Inneren verfügt das Empfangsgebäude über zwei Prunksäle im neobarocken Ambiente – einer beherbergt heute Zeitungskiosk und Imbissstand, der andere ist für die Öffentlichkeit geschlossen, obwohl der sogenannte Königssaal ebenfalls prächtiges Ambiente verströmt.

Der Historiker Adrian Roßner etwa ist begeistert vom Hofer Hauptbahnhof, er nennt ihn einen "Tempel der Eisenbahnkultur und Industrietradition". Gleichzeitig betont er: "Es bleibt zu hoffen, dass vielleicht auch die Deutsche Bahn sich irgendwann der Bedeutung dieses für ihre Geschichte so, so wichtigen Gebäudes bewusst wird und Maßnahmen ergreift, es für die Zukunft zu erhalten."

Der "Eisenbahntempel" ist vernachlässigt

Denn der Hofer Bahnhof, dieser "Eisenbahntempel", ist vernachlässigt. Die meisten der vielen Räume stehen leer, Farbe blättert ab, die Toilette im Inneren ist geschlossen, stattdessen ist eine Beton-Kabine auf Gleis 1 installiert. Ein Internet-Reiseportal hat kürzlich den Hofer Bahnhof zum hässlichsten Deutschlands gekürt, wenn auch nur auf Grund einiger Dutzend Google-Bewertungen.

Oberbürgermeisterin Eva Döhla (SPD) hielt im Kommunalwahlkampf dagegen. Sie betonte, der Bahnhof habe Potenzial. Er gehöre zwar nicht der Stadt, aber "wir kümmern uns darum".

Zukunftskonzept lässt auf sich warten

Vor einem Jahr hat die Stadt in Abstimmung mit der Deutschen Bahn eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, Ziel ist ein Zukunftskonzept für den Hofer Hauptbahnhof. Auf BR-Nachfrage teilt eine Bahn-Sprecherin jedoch mit, Ergebnisse daraus seien "frühestens Ende 2026" zu erwarten. Auch die von der Bahn eigentlich für vergangenes Jahr in Aussicht gestellte Renovierung zumindest der Fassade Richtung Bahnsteige lässt auf sich warten.

Dabei kommen hier viele Tausend Reisende vorbei, Hof ist einer der wichtigsten Umsteigebahnhöfe in Bayern, mit sieben Bahnsteigen, vielen zusätzlichen Gleisen und einem Containerterminal. "Hof ist als Bahnknoten sehr wichtig", betont Lukas Iffländer von Pro Bahn. Hier treffen sich überregionale Linien von Hof nach Leipzig, Dresden, Nürnberg und München.

"Dieselloch" verhindert Fernverkehr

All diese wichtigen Verbindungen werden allerdings nur von Nahverkehrszügen bedient. Der Fernverkehr lässt Hof links liegen. Das Problem ist, dass die Oberleitung aus Sachsen kommend in Hof endet und auf bayerischer Seite nur Dieselzüge fahren können. "Für den Fernverkehr der Deutschen Bahn ist ein regelmäßiger Fernverkehr mit Dieselzügen einfach nicht wirtschaftlich", konstatiert Iffländer.

Vor allem die wichtige Strecke nach Nürnberg, die sogenannte Franken-Sachsen-Magistrale, muss dringend elektrifiziert werden – das betonen die Politiker der Region schon seit der deutschen Einheit. Das Projekt steht seit 32 Jahren im Bundesverkehrswegeplan, aber bis heute gibt es keine belastbare Planung. Im Gegenteil: Weil Brücken im Pegnitztal einsturzgefährdet sind, sind die Gleise seit Monaten sogar gesperrt.

Auszeichnungen für beharrliche Bahnfreunde

Pro Bahn will den Bahnfreunden der Region mit dem Treffen in Hof den Rücken stärken und Anerkennung zollen für ihren jahrzehntelangen Kampf um den Ausbau dieser Franken-Sachsen-Magistrale. Das Sächsisch-Bayerische Städtenetz erhält von Pro Bahn den Fahrgastpreis 2026 für sein "beharrliches, generationsübergreifendes Eintreten für die Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale und die Bahnanbindung der Region". Der Zusammenschluss umfasst die Städte Chemnitz, Zwickau, Plauen, Hof, Bayreuth und Marktredwitz.

Ebenfalls ausgezeichnet wird die Euregio Egrensis in Kooperation mit dem EgroNet für den Aufbau und die beständige Weiterentwicklung eines grenzüberschreitenden Nahverkehrssystems mit einem einheitlichen Ticket im Vierländereck Bayern, Sachsen, Thüringen und Böhmen. "Über 60 Verkehrsunternehmen und mehr als 700 Linien verbinden das EgroNet zu einem der bemerkenswertesten grenzüberschreitenden Nahverkehrsangebote Europas", würdigt der Verband.

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