In Augsburg wird an den Holocaust-Überlebenden und Ehrenbürger der Stadt, Mietek Pemper, erinnert. Das Jüdische Museum Augsburg Schwaben beleuchtet mit einem Vortrag die Rolle Pempers bei der Entstehung von "Schindlers Liste" und erhält einzigartige Unterlagen aus dem späteren Prozess gegen einen KZ-Kommandanten.
So kam es zu "Schindlers Liste"
Pemper wurde 1920 in Krakau geboren und war während des Zweiten Weltkriegs im Konzentrationslager Krakau-Plaszów als Zwangsarbeiter eingesetzt, konkret als Stenograph des Lagerkommandanten Amon Göth. In dieser Funktion gelang es ihm, geheime Informationen über die Bedeutung der von Oskar Schindler betriebenen Fabriken weiterzugeben. Diese Hinweise ermöglichten es Schindler, seine Emaille- und Munitionsfabriken als kriegswichtige Betriebe einstufen zu lassen.
1944 sollte eine seiner Fabriken nach Brünnlitz im heutigen Tschechien verlegt werden. Schindler erreichte, dass mehr als 1.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder mit ihm dorthin kommen durften. Die Namen dieser Menschen wurden auf einer Liste festgehalten, die später als "Schindlers Liste" bekannt wurde. Damit konnte er sie vor der Ermordung im KZ retten.
Hollywood-Film als Wendepunkt für Mietek Pemper
Stephen Spielberg setzte Oskar Schindler mit dem Kinofilm "Schindlers Liste" ein Denkmal. Erst als der Film in die Kinos kam, hat Mietek Pemper "mühsam angefangen zu erzählen", wie seine Nichte Regina Pemper im Gespräch mit BR24 erklärt. Mietek Pemper sei sehr bescheiden gewesen.
Bei den Dreharbeiten hat er den Regisseur beraten und danach seiner Nichte davon erzählt, dass ihn das Bild von Menschen in Sträflingskleidung 50 Jahre später "nicht mehr losgelassen" hat. Er habe allerdings nicht geglaubt, dass der Film jemanden interessieren wird. Erst nach dem großen Erfolg des Streifens habe ihr Onkel eingesehen, dass er in Schulklassen muss, dass er Vorträge halten muss. Das hat er dann auch bis ins hohe Alter getan. "Er hat es als seine Pflicht gesehen, um Oskar Schindler zu ehren", sagt Regina Pemper.
Er habe große Hoffnung in die junge Generation gesetzt und wollte ihnen mitgeben: "Lasst euch nicht korrumpieren, lasst euch nicht beeinflussen und so etwas darf sich nicht wiederholen. Tut etwas mit eurer Bildung, ihr seid nicht schuld, aber ihr müsst Verantwortung übernehmen, dass Menschen andere Menschen respektieren", erinnert sich Regina Pemper.
Vortrag der Nichte und einzigartige Unterlagen
Anlässlich des 15. Todestages Mietek Pempers (07. Juni 2026) sprechen die Historikerin Prof. Dr. Viktoria Hertling und Regina Pemper am Mittwochabend über sein Leben und seinen Beitrag zur Rettung vieler Menschen. Das Museum erhält zudem im Rahmen der Veranstaltung einzigartige Unterlagen aus dem Prozess gegen den Lagerkommandanten in Krakau. Darin kann man etwa nachlesen, was die Zeugen ausgesagt haben. Auch die Anklageschrift ist enthalten.
Mietek Pemper lebte ab 1958 in Augsburg und wurde 2007 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt.
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