Leeres gelbes Impfbuch mit einer Spritze und einem Impfstofffläschchen, Impfbuch der WHO Weltgesundheitsorganisation
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Falsche Corona-Impfungen? Flüchtiger Arzt in Südamerika gefasst

Falsche Corona-Impfungen? Flüchtiger Arzt in Südamerika gefasst

Ein Arzt aus Wemding soll Patienten - entgegen ihrem Wunsch - nur zum Schein gegen Corona geimpft haben. Vor der Verhandlung verschwand er, wurde mit internationalem Haftbefehl gesucht. Nach fast zwei Jahren wurde er nun in Paraguay festgenommen.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Schwaben am .

Mit internationalem Haftbefehl wurde nach ihm gesucht, jetzt hat das Mutmaßen ein Ende: Fast zwei Jahre nach seinem Verschwinden ist der ehemalige Hausarzt wieder aufgetaucht, der Patienten die Corona-Impfung vorenthalten und sie nur zum Schein geimpft haben soll. Nicht etwa in einem Bunker in der Schweiz oder in Schweden, wie es in Wemding im Donau-Ries manche nach seinem Verschwinden vermutet hatten, sondern im südamerikanischen Paraguay. Wie ein Sprecher des Augsburger Landgerichts dem BR bestätigte, ist der inzwischen 75-Jährige dort festgenommen worden.

Scheinimpfung für Patienten

Seine Patienten kamen zu dem Mediziner, um sich gegen Corona impfen zu lassen. Doch gespritzt habe der Mediziner ihnen den Impfstoff nicht, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Stattdessen soll er ihn zwar mit der Spritze aufgezogen, den Inhalt dann aber entleert haben, etwa in einen Wattebausch. Die Nadel habe er aber tatsächlich ins Gesäß gestochen, so die Anklage. Nach eigenen Angaben sind die Patienten in dem Glauben nach Hause gegangen, geimpft zu sein.

Mehr als 170 Patienten sind laut Anklage von der Fake-Impfung des Mannes betroffen. Diese vermeintlichen Leistungen soll der Angeklagte trotzdem gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern abgerechnet haben und die Impfung im Impfpass eingetragen haben.

Impfgegnern wiederum habe er einen Impfnachweis in den Pass geschrieben, ohne sie wirklich zu impfen, sodass sie von weither gekommen seien, um sich den wichtigen Eintrag abzuholen, wie Augenzeugen den Behörden berichtet hatten.

Angeklagter verschwand vor der Verhandlung

Die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg, Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen, hatte den Fall übernommen. Sie wirft dem Angeklagten vorsätzliche Körperverletzung, Betrug und wissentliche unrichtige Dokumentation von Schutzimpfungen gegen das Coronavirus vor. Der Arzt erhielt ein vorläufiges Berufsverbot.

Doch zu einer Verhandlung kam es nie. Polizei, Richter, Anwälte und Presse: Alle waren zum Prozessauftakt am 20. Juni 2023 ans Landgericht Augsburg gekommen - außer dem Angeklagten. Von ihm fehlte seither jede Spur.

Gericht wartet auf Auslieferung

"Wir kümmern uns um ihn, sobald er wieder im Land ist", so ein Sprecher des Landgerichts Augsburg. Wann der mutmaßliche Täter an Deutschland ausgeliefert werden könnte, sei allerdings noch unklar.

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