Thorben Schelle (li.) und Luca Jakobsmeier (re.) streichen mit einem breiten Pinsel Kleister auf ein Werbeplakat.
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Thorben Schelle (li.) und Luca Jakobsmeier sind ehrenamtlich tätig im "Club Vaudeville e.V." in Lindau.
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Thorben Schelle (li.) und Luca Jakobsmeier sind ehrenamtlich tätig im "Club Vaudeville e.V." in Lindau.

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Helfen statt zocken: Jugendliche in Bayern engagieren sich

Helfen statt zocken: Jugendliche in Bayern engagieren sich

Millionen Menschen geben jeden Tag ihr Bestes für andere. Jugendliche spielen dabei eine wichtige Rolle. In Lindau am Bodensee vermittelt ein Projekt Schüler direkt in ehrenamtliche Aufgaben. Die Hoffnung: Dass sie auch in Zukunft dabeibleiben.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Nah dran am .

Thorben Schelle (14) und Luca Jakobsmeier (15) stehen sich gegenüber und streichen mit einem breiten Pinsel Kleister auf ein Werbeplakat. Der Lindauer "Songcontest" steht an, im "Club Vaudeville" kurz vor Weihnachten. Die beiden Schüler helfen hier im Kulturverein mit, ehrenamtlich in ihrer Freizeit. "Geld ist nicht alles", sagt Thorben. Und Luca ergänzt: "Sonst würde ich auch nur daheim gammeln und jetzt wahrscheinlich mit den Jungs irgendwas zocken." Nichtstun bezeichnet er als verschwendete Zeit. Deshalb haben sich Luca und Thorben freiwillig für das Projekt "Junges Ehrenamt – Beweg was!" gemeldet.

24 Stunden in drei Monaten sollen die Jugendlichen ehrenamtlich tätig sein. "Das hört sich wenig an", sagt Christina Potzmann von der Vermittlungsstelle "Service-Punkt-Ehrenamt" in Lindau, "aber das ist mit Schule und was die nebenher haben, mit Sport und Freizeit und Hausaufgaben und Lernen, relativ knackig."

Mit Unterstützung zum gesellschaftlichen Engagement

Trotzdem haben sich insgesamt 16 Schülerinnen und Schülern aus zwei neunten Klassen der Realschule im Dreiländereck bereit erklärt, mitzumachen. Jetzt helfen sie älteren Menschen im täglichen Leben und unterstützen als Co-Trainer beim Kinderfußball, sie arbeiten beim Technischen Hilfswerk, im Second-Hand-Kaufhaus und bei der Wasserrettung. "Das sind eigentlich alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens", sagt Christina Potzmann. Während der dreimonatigen Ehrenamtstätigkeit unterstützt sie die Jugendlichen. Das Ziel ist ihr zufolge: "Die Jugendlichen in den Ehrenämtern zu behalten." Und so für Nachwuchs zu sorgen.

Millionen engagieren sich ehrenamtlich

Bundesweit sind laut aktuellem Deutschem Freiwilligen-Survey (2024) fast 27 Millionen Menschen (36,7 Prozent) freiwillig für andere im Einsatz. Jeden Tag. Für Blaulichtorganisationen, im Naturschutz, in der Pflege und in Vereinen. Allein in Bayern sind laut Sozialministerium 40 Prozent der Bürgerinnen und Bürger ehrenamtlich tätig – das ist fast jeder Zweite im Freistaat.

Jugendliche üben bereits oft Ehrenämter aus

"Unbeschreiblich" nennt das die bayerische Ehrenamtsbeauftragte Gabi Schmidt. Sie sagte dem BR, Bayern sei gut aufgestellt. Schmidt will vor allem die Babyboomer, die jetzt in den Ruhestand gehen, künftig gewinnen. Es sei äußerst wichtig, diese nicht zu verlieren, sagte Schmidt. Man brauche eine etwas bessere Willkommenskultur im Ehrenamt und einen niedrigschwelligen Zugang, aber sonst sei sie sehr zuversichtlich, gerade mit Blick auf den Nachwuchs. Viele junge Leute hätten bereits ein Ehrenamt inne, so Schmidt. Wie Luca und Thorben.

Teilnehmer bekommen offizielles Zertifikat

Die beiden Realschüler haben die Plakate inzwischen fertig gekleistert. Für heute haben sie alles erledigt. Bald schon sitzen sie im "Club" dann an der Kasse und kassieren Eintritt. Zum Abschluss des Projekts im Februar bekommen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Zertifikat für ihr gesellschaftliches Engagement. Das Ganze kommt gut an: Luca will sein Ehrenamt im Kulturbereich auch künftig weiterführen. Er sagt: "Das ist wie eine kleine Angewohnheit, einfach mal nachzufragen, ob es gerade etwas zu tun gibt." Thorben zeigt sich ebenfalls begeistert und sagt: "Ich würde auch dabeibleiben."

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