Das Knoblauchsland mit seinen Feldern und Gewächshäusern aus der Vorgelperspektive
Das Knoblauchsland mit seinen Feldern und Gewächshäusern aus der Vorgelperspektive
Bild
Gemüseanbau direkt vor den Toren der Großstadt: Das Knoblauchsland ist ein Teil der Bewerbung fürs Welt-Agrarkulturerbe.
Bildrechte: picture alliance / imageBROKER | Norbert Probst
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / imageBROKER | Norbert Probst
Videobeitrag

Gemüseanbau direkt vor den Toren der Großstadt: Das Knoblauchsland ist ein Teil der Bewerbung fürs Welt-Agrarkulturerbe.

Videobeitrag
>

Hopfen, Spargel, Karpfen & Co. sollen bald Welterbe sein

Hopfen, Spargel, Karpfen & Co. sollen bald Welterbe sein

Die Metropolregion Nürnberg will Welt-Agrarkulturerbe werden, als erste Region in Deutschland. Bei der Bewerbung will sie mit Hopfengärten und Karpfenteichen punkten und dem Gemüse aus dem Knoblauchsland. Doch es gibt heftige Kritik.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Im Knoblauchsland vor den Toren Nürnbergs beginnt die Saison. 40.000 Tomatenpflanzen wachsen im Glashaus von Thomas Rottner. Die erste Pflanzung in diesem Jahr. Mitte April sind die Tomaten reif. Sie werden vor allem in der Region verkauft. Die Nähe zum Kunden ist Rottner wichtig. "Wir haben viele Verbraucher unmittelbar vor der Haustür", sagt er. Fünf Hektar hat sein Gemüsebaubetrieb unter Glas und 15 Hektar Freiland.

Viele Sonderkulturen auf engem Raum

Das Knoblauchsland ist mit etwa 1.900 Hektar Deutschlands größtes zusammenhängendes Gemüseanbaugebiet. Hier wird unter anderem Spargel angebaut. Eine von vielen Sonderkulturen in der gesamten Metropolregion Nürnberg.

Dazu gehören beispielsweise auch Hopfengärten, Weinberge, große Streuobst-Gebiete und die viele Jahrhunderte alte Karpfen-Teichwirtschaft. Alles das soll mit dem Titel "Welt-Agrarkulturerbe" geschützt werden. Die Metropolregion Nürnberg bewirbt sich als erste Region in Deutschland um den Titel.

Stadtnähe macht den besonderen Charakter aus

"Es geht darum, diese Agrarsysteme auf die Bühne zu holen und der breiten Bevölkerung bekannt zu machen", sagt Christa Standecker Geschäftsführerin der Metropolregion. "Wir wollen zeigen, was die Bauernschaft über die Jahrhunderte an Kulturlandschaften geschaffen hat mit ihren Techniken und wie sie uns einen reich gedeckten Tisch beschert."

Die Metropolregion setzt bewusst nicht auf ein einzelnes Vorzeigeprojekt, sondern auf Vielfalt. Gerade das Zusammenspiel vieler kleiner Agrarsysteme in unmittelbarer Stadtnähe mache den besonderen Charakter aus.

Eine Region mit 3,6 Millionen Einwohnern

In der Metropolregion Nürnberg haben sich vor mehr als 20 Jahren 23 Landkreise und elf kreisfreie Städte zusammengeschlossen, vom thüringischen Landkreis Sonneberg im Norden bis zum Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen im Süden, vom Landkreis Kitzingen im Westen bis zum Landkreis Tirschenreuth im Osten. Hier leben 3,6 Millionen Menschen.

Auf der Grünen Woche in Berlin hat die Metropolregion ihre Bewerbung vorgestellt. "Wir wollen unseren Schatz an Agrarkultur bewahren und international sichtbar machen", sagt Klaus Peter Söllner, Landrat im oberfränkischen Kulmbach, der mitgereist ist. Außerdem solle damit ein stärkeres Bewusstsein für die Leistungen der Landwirtinnen und Landwirte geschaffen werden, die erheblich zur Landschaftspflege und Biodiversität beitragen.

Welterbe soll auch Touristen locken

Doch es geht auch um den Tourismus. Denn mit einem Welterbe-Titel lasse sich gut werben, sagt Christa Standecker. Beim UNESCO-Welterbe funktioniert das in der Region bereits, wie sich in der Bamberger Altstadt und beim markgräflichen Opernhaus in Bayreuth sehen lässt. Nun also das Welt-Agrarkulturerbe. Das vergibt nicht die UNESCO, sondern die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen, die FAO, in Rom. Den Antrag muss der Bundeslandwirtschaftsminister stellen.

Amtsinhaber Alois Rainer (CSU) hat sich am Stand der Metropolregion auf der Grünen Woche über die Bewerbung informiert. "Die Region ist ja schon jetzt eine Vorzeigeregion", sagt er. Es sei wichtig, mit der Bewerbung zu zeigen, dass Stadt und Land zusammengehörten, vor allem wenn man an die Lebensmittelversorgung der Menschen dächte. Der Titel könne "deutschlandweit ein echtes Aushängeschild" sein.

Gemüsebauern zweifeln am Sinn des Titels

Doch nicht alle sind überzeugt von der Bewerbung. Beim Jahrestreffen des Gemüseerzeugerverbands Anfang der Woche im Knoblauchsland gehen die Emotionen hoch. Die Landwirte bezweifeln, dass sie vom Titel profitieren.

"Für die Betriebe hört es sich an, als ob eine Käseglocke darübergestülpt wird oder eine Veränderungssperre", sagt Christian Hofmann, der Vorsitzende des Gemüseerzeugerverbandes. "Die Betriebe müssen weiterhin die Möglichkeit haben, sich weiterzuentwickeln."

FAO macht sich ein Bild vor Ort

Die Macher in der Metropolregion müssen also noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Der Titel sei kein Bürokratiemonster, das alle Weiterentwicklung stoppe, sagt Standecker. Im Gegenteil, er stärke die bestehende Landwirtschaft und ihre Strukturen. In den kommenden Monaten soll die Bewerbung bei der FAO eingehen. Vor der Entscheidung wird sich dann eine Delegation in der Metropolregion umschauen.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!