Die Woche von Hermann Zeller beginnt mit einer Tour zu den Müll-Hotspots von Ingolstadt. Zeller arbeitet bei den städtischen Kommunalbetrieben. Montag sei der schlimmste Tag, sagt er. Seit zwei Jahren macht er den Job, seine Bilanz ist ernüchternd: "Es wird von Woche zu Woche schlimmer."
Immer mehr Menschen entsorgen ihren Müll illegal: Im Wald, im Wohngebiet, neben Containern. 2022 sammelte die Stadt Ingolstadt 65 Tonnen illegal entsorgten Müll ein, 2025 waren es bereits 194 Tonnen. Demgegenüber stehen gerade einmal rund 40 Geldstrafen, die jährlich erfolgreich verhängt werden. Das BR-Politikmagazin Kontrovers trifft Menschen, die etwas gegen die illegale Entsorgung tun.
Couchgarnituren und Kühlschränke an Sammelstellen
Auch in Neutraubling, Region Regensburg, muss regelmäßig illegaler Müll eingesammelt werden. Und der Regensburger Stadtrat Michael Lehner (CSU) berichtet von ganzen Couchgarnituren und Kühlschränken, die an einfachen Sammelstellen etwa für Glas oder Kleidung abgeladen würden. Wer dahintersteckt, bleibt oft unklar. CSU-Politiker Lehner fordert deshalb Überwachungskameras – und höhere Bußgelder. Dafür habe er sich bereits an die Staatsregierung gewandt, sagt er gegenüber Kontrovers.
Auch Hermann Zeller aus Ingolstadt hält strengere Strafen für sinnvoll. Während seiner Tour entdeckt er alte Autoreifen und Sperrmüll. "Es müsste halt weh tun im Geldbeutel", sagt Zeller. Wer Müll illegal entsorge, müsse stärker abgeschreckt werden. Die Strafen sind unterschiedlich: Weniger als ein Kubikmeter Sperrmüll kann zwischen 160 und 700 Euro kosten, vier illegal entsorgte Reifen zwischen 110 und 330 Euro.
Nürnberg: Pilotprojekt mit Videoüberwachung
Das Problem: Die Täter müssen erst einmal identifiziert werden. Dabei helfen Menschen wie Walter Fortmühler. Er ist Detektiv und bietet Gemeinden seine Dienste an, fotografiert heimlich Müllsünder. In Nürnberg läuft derzeit ein Pilotprojekt mit Videoüberwachung an einer Wertstoffinsel. Die Umweltreferentin Britta Walthelm (Grüne) sieht zwar eine gewisse abschreckende Wirkung, manche Menschen würden ihren Müll dann aber einfach außerhalb des Kamerabereichs ablegen.
Hinzu kommt der Datenschutz, denn nicht jede Fläche darf überwacht werden. Das bayerische Innenministerium teilt auf Anfrage von Kontrovers mit, dass die Regeln derzeit überarbeitet würden, um es Kommunen leichter zu machen. Das Verfahren stehe aber noch am Anfang. Für die Mitarbeiter der Kommunalbetriebe ist vieles kaum nachvollziehbar. Einen Teppich legal am Wertstoffhof zu entsorgen, koste etwa fünf Euro, mancherorts ist die Entsorgung sogar kostenlos. Hermann Zeller von den städtischen Kommunalbetrieben hat eine simple Erklärung: "Bequemlichkeit, Faulheit".
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