Ein Wohnhaus in München Neuhausen ist  komplett von einem Baustellengerüst umgeben
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Eingerüstetes Wohnhaus in München-Neuhausen
Bildrechte: BR/Mathias Flasskamp
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"Kalte Entmietung" in München? Leben auf der Baustelle

"Kalte Entmietung" in München? Leben auf der Baustelle

Um ihre günstigen Altmietverträge nicht aufgeben zu müssen, nehmen die Mieter in einem Wohnhaus in München-Neuhausen einiges in Kauf: Während das Gebäude saniert wird, leben sie praktisch auf einer Baustelle.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Ein Montage-Gerüst umgibt das gesamte Wohnhaus an der Ecke Leonrodstraße / Landshuter Allee in München-Neuhausen. Das alte Dach ist bereits weg. Das Gebäude wird um zwei Etagen aufgestockt und saniert. An der Eingangstür weist seit rund einem Jahr ein Schild darauf hin, dass sich hier eine Baustelle befindet.

Trotzdem wohnen in dem Haus immer noch Menschen. Zum Beispiel Maximilian Allgeier mit seiner Frau und der anderthalb Jahre alten Tochter. Sie wollen nicht ausziehen, denn bei einer neuen Wohnung müssten sie etwa mit der doppelten Miete rechnen. Also bleiben sie und ertragen zum Beispiel den Baulärm, der besonders extrem war, als das Dach abgerissen wurde, sagt Allgeier.

Baulärm, schwierige Heizsituation und Schimmel

Mit seinem Handy hat er den Lärm dokumentiert. An manchen Tagen habe er mit seiner Familie kurzfristig flüchten müssen, weil es nicht mehr zu ertragen gewesen sei, erzählt Allgeier. Aber das ist nicht ihr einziges Problem. Durch die fehlende Dachisolierung wird die Wohnung nicht mehr richtig warm, es bildet sich Schimmel in den Ecken. Der Vermieter, die Neuhauser Heimstätte GmbH, die zum Grünwalder Immobilien-Konzern Rock-Capital gehört, erklärt dazu: Der Schimmel sei entfernt worden und man habe zusätzliche Radiatoren in der Wohnung aufstellen lassen, um das Heizproblem zu lösen.

Mieterverein kritisiert den Eigentümer

Kurz vor Weihnachten wird der Familie angekündigt, dass ihre Wohnung wegen Abrissarbeiten im Treppenhaus ab Mitte Januar für zwei Wochen nicht gefahrlos betreten werden könne. Maximilian Allgeier widerspricht der Baumaßnahme über seine Anwältin vom Mieterverein München. Monika Schmid-Balzert meint, die Kommunikation sei hier verbesserungsbedürftig: "Das hätte man sich als Vermieter alles ersparen können, wenn man mit den Mietern rechtzeitig und vollumfänglich kommuniziert hätte." Das habe aber leider aus Ihrer Sicht nicht stattgefunden.

Die Neuhauser Heimstätte GmbH entgegnet darauf, dass den Mietern während der Abrissarbeiten im Treppenhaus ein Hotel als Ausweichquartier angeboten worden sei. Schmid-Balzert lehnt ein Hotel als Wohnersatz für eine Familie aber als unzureichend ab und kritisiert den Vermieter: "Es weist schon in gewisser Weise darauf hin, dass man es den Mietern möglichst ungemütlich macht, und deswegen ist das meiner Meinung nach eine kalte Entmietung."

Ein Vorwurf, den die Neuhauser Heimstätte ebenfalls deutlich zurückweist. Sie schreibt dazu auf BR-Anfrage: "Zu verschiedenen Anlässen wurden den Mietern Ersatzquartiere angeboten. (…) im selben Gebäude auf einer unteren Etage. Nach Ablehnung der Wohnung aufgrund der Größe wurde eine größere, neu renovierte 117 m² Wohnung im 1.OG angeboten." Auch dieses Angebot sei grundlos abgelehnt worden, so die Immobilien-Firma. Die Abrissarbeiten sollen jetzt so ausgeführt werden, dass die Wohnungen trotzdem weiter zugänglich bleiben. Ein Problem ist für Maximilian Allgeier und seine Familie also immerhin vom Tisch.

Wasserschaden in der Küche

Aber die Atempause dauert nicht lange. In den vergangenen Tagen laufen plötzlich an der Küchenwand Wassertropfen herunter. An der Decke bildet sich ein dunkler Fleck. Maximilian Allgeier und seine Partnerin vermuten einen Rohrbruch, immer wieder wischen sie das Wasser auf. Aber jetzt einfach hinwerfen und umziehen, komme trotzdem nicht infrage, meint Maria Michalski: "Weil wir wenig Möglichkeiten als Familie mit Kind und Hund in München haben, was anderes zu finden. Bei einem Quadratmeterpreis von bis zu 25 Euro." Sie müssten jetzt einfach schauen, wie sie hier zurechtkämen und sich mit ihrem Vermieter einigen könnten, sagt die junge Mutter.

Das bedeutet vermutlich noch ein weiteres Jahr lang: Leben auf der Baustelle. Die Neuhauser Heimstätte GmbH betont, man habe noch am Tag des Wasserrohrbruchs jemanden zur Schadensaufnahme vorbeigeschickt und kündigt eine zeitnahe Reparatur an.

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