Zehntausende Menschen leben in Deutschland ohne eine Krankenversicherung. Einer davon ist Albert in Nürnberg. Wenn er medizinische Hilfe benötigt, geht er zur Straßenambulanz der Caritas.
Obdachlose benötigen medizinische Versorgung
Alberts Fuß ist stark in Mitleidenschaft gezogen. Der 46-jährige Rumäne kann kaum noch laufen. Die Wunde hat sich tief ins Fleisch gefressen, der Knochen schimmert an mehreren Stellen schon durch. In der Straßenambulanz "Franz von Assisi" der Nürnberger Caritas wir der Fuß versorgt. Albert lebt seit mehreren Jahren in Nürnberg auf der Straße, schläft derzeit in einer Obdachlosenunterkunft. Eine Krankenversicherung hat er nicht. In der Straßenambulanz wird er dennoch behandelt.
Nürnberger Straßenambulanz hilft Obdachlosen
Albert ist einer von rund 1.000 Patienten pro Jahr in der Nürnberger Straßenambulanz Das Hauptklientel sind vor allem obdach- oder wohnungslose, sozial bedürftige Menschen. Etwa jeder dritte davon ist nicht krankenversichert. Die Finanzierung der Behandlung läuft unter anderem über den Caritasverband als Träger und die Stadt Nürnberg. Die Fälle sind in den vergangenen Jahren schwerwiegender geworden, bilanziert Einrichtungsleiter Roland Stubenvoll. "Vor allem im Bereich der psychischen Erkrankungen gibt es definitiv einen Anstieg", so Stubenvoll. Viele der Patientinnen und Patienten kommen zu spät.
Keine Krankenversicherung: hohe Dunkelziffer
In Deutschland leben offiziell derzeit rund 72.000 Menschen ohne Krankenversicherung und haben auch ansonsten keinen Anspruch auf Krankenversorgung, so die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Gesundheitsökonomen gehen von bis zu einer Million Unversicherter aus.
Einer davon ist Albert aus Rumänien, dessen Wunden doch gravierender sind als zunächst angenommen. Die behandelnde Ärztin rät dem dreifachen Vater, sofort in die Klinik zu gehen, doch Albert will das Wochenende mit seinen Kindern verbringen, erst am Montag ein Krankenhaus aufsuchen - trotz der Schmerzen. "Damit riskiert er sein Bein zu verlieren, vielleicht sogar eine lebensgefährliche Sepsis", warnt Ärztin Carolyn Seyfert.
Notfallbehandlung auch im Krankenhaus
Als unversichertem Patienten kann ihm Carolyn Seyfert keine Überweisung ausstellen, aber zumindest eine Empfehlung schreiben, mit der Bitte um Weiterbehandlung im Krankenhaus. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Der Krankenhausarzt muss ihn bei der Eingangsuntersuchung dafür auch als Notfall einstufen. Albert verspricht, so schnell wie möglich ins Krankenhaus zu gehen. Nach dem Besuch seiner Kinder. Das Risiko wolle er eingehen.
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