Der Enthusiasmus ist groß in Mindelheim, als das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege die Mindelburg zum national bedeutsamen Denkmal erhebt. Die Stadt schmiedet Pläne, will die Burg sanieren und ein Museum einrichten.
Fünf Jahre später hat sich für die Mindelheimer nichts verändert: Zwar sind Burghof und Außenanlage für die Öffentlichkeit zugänglich, die fürstlich verzierten Innenräume aber bleiben ihren Augen bis heute verwehrt. Inzwischen stehen die Pläne für das Museum sogar auf der Kippe: Ob sie für die Stadt überhaupt realisierbar sind, soll jetzt eine Machbarkeitsstudie zeigen.
Einzigartige Ziegelbauweise im 12. Jahrhundert
Ein echter Hingucker war die Burg in der Region wohl schon im 12. Jahrhundert. Da soll Kaiser Friedrich Barbarossa sie in einer für diese Zeit in der Region einzigartigen Ziegelbauweise errichtet haben. Nach dem Krieg hatte ein Verlag hier 70 Jahre lang seine Betriebs- und Geschäftsräume eingerichtet, ehe die Burg vor fünf Jahren wieder an die Stadt zurückging. Prächtig ragt die Burg mit ihren roten Ziegeldächern, den Ecktürmen und dem Burgfried bis heute auf einem Höhenzug über dem Mindeltal in den Himmel.
Museum zu teuer?
Das Problem: "Uns geht es wie allen Kommunen in Bayern", erklärt der Mindelheimer Bürgermeister Michael Schindler (parteilos), "wir stehen vor großen Herausforderungen und das wird nicht besser. Das ist auch der wirtschaftlichen Lage geschuldet." Die Stadt müsse überlegen, ob sie die Pläne finanziell stemmen könne oder vielleicht private Partner beteiligen solle. Weil die Mindelburg außerhalb der Stadt liegt, hat Schindler außerdem die Sorge, ein Burgmuseum könnte die Innenstadt schädigen. "Also ich bin tatsächlich zwiegespalten, ob es sinnig ist, oder nicht", so Schindler.
Mindelburg als "lebendiges Wahrzeichen"
Dass es unbedingt ein Museum werden soll, das sehen auch andere nicht so. "Die Leute wollen die Burg aktiv nutzen, mehr Veranstaltungen haben und sehen sie als lebendiges Wahrzeichen und nicht als Museum mit viel Staub", sagt Tobias Hötzel von der jungen Lokalpartei "team Mindelheim". Die Fraktion im Stadtrat hat sich der sinnvollen Nutzung von Leerständen verschrieben und als einzige Fraktion im Stadtrat gegen die Machbarkeitsstudie gestimmt. Bürgermeister Schindler betont den offenen Ausgang der Studie: Schließlich könne sie auch zeigen, was nicht möglich sei.
Landesamt für Denkmalpflege: Burg für die Öffentlichkeit
Beim Landesamt für Denkmalpflege begrüßt man die Studie. Mit Blick auf ihre Geschichte habe die Mindelburg es "verdient", dass man mit ihr etwas für die "Öffentlichkeit, nicht für ein Rittergeschlecht" mache, sagt Martin Pfeil, Generalkonservator beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Ein Museum einzurichten wie etwa in Burg Prunn in Niederbayern sieht aber auch er nur als eine Möglichkeit. Denkbar sei etwa auch, die Burg für Veranstaltungen wie Hochzeiten zu nutzen. Eine Mischung aus beidem gibt es in vielen bayerischen Schlössern und Burgen, etwa in Schloss Neuschwanstein, der Harburg bei Donauwörth oder der Burg Burghausen bei Altötting.
Dass man den besonderen Wert der Burg als Denkmal wertschätzen und sie der Öffentlichkeit zugänglich machen will, da sind sich in Mindelheim die meisten einig. Ob ein Museum die geeignete Lösung sein kann, darüber soll die Machbarkeitsstudie in sechs bis acht Monaten Klarheit bringen.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
