20.09.2026, Bayern, München: Polizisten stehen auf dem Oktoberfest. Die 191. Wiesn findet vom 19. September bis zum 04. Oktober 2026 auf der Münchner Theresienwiese statt. Foto: Felix Hörhager/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
20.09.2026, Bayern, München: Polizisten stehen auf dem Oktoberfest. Die 191. Wiesn findet vom 19. September bis zum 04. Oktober 2026 auf der Münchner Theresienwiese statt. Foto: Felix Hörhager/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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(Symbolbild) Polizeibeamte auf dem 191. Münchner Oktoberfest
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Kokain auf der Wiesn: Wie München mit der Droge geflutet wird

Kokain auf der Wiesn: Wie München mit der Droge geflutet wird

Bis Samstag zählte die Polizei auf der Wiesn 122 Rauschgiftdelikte, deutlich mehr als im Vorjahr. Meist geht es um Kokain. Das Oktoberfest zeigt, was Ermittler längst beobachten: München wird mit Kokain regelrecht geflutet.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Einige Linien weißes Pulver hatte der Mann auf die Glasscheibe seines Smartphone-Bildschirms gestreut. Das Handy lag vor ihm auf dem Boden, alles bereit für den Konsum. Dann kam aber die Polizei dazwischen und verhaftete den Mann. Bei der Durchsuchung fanden die Beamten weiteres Kokain. Tatort: Das Oktoberfest am vergangenen Samstag.

Deutlich mehr Rauschgiftdelikte als im Vorjahr

Von 122 Rauschgiftdelikten berichtete die Polizei bei ihrer Halbzeitbilanz zur Wiesn. Das ist ein Anstieg von fast 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr mit 86 Fällen. Bei fast allen Anzeigen ging es um Kokain, das inzwischen den ersten Platz bei den stimulierenden Drogen eingenommen habe. Einerseits liegt das laut den Einsatzkräften auf dem Oktoberfest daran, dass verstärkt kontrolliert wird. Aber auch daran, dass immer mehr Kokain im Umlauf ist.

Die Wiesn zeige wie unter einem Brennglas, was Ermittler seit Jahren beobachten: "Wir werden mit einer Menge geflutet, die wir uns vor fünf, sechs Jahren noch nicht vorstellen konnten", sagt Jakob Schmidkonz, Gruppenleiter im Bereich Betäubungsmittel bei der Staatsanwaltschaft München I. Machte Kokain beim Handel mit größeren Drogenmengen in München im Jahr 2020 noch etwa ein Viertel aus, waren es 2025 bereits rund 75 Prozent. "Es geht immer mehr darum, noch mehr Spaß zu haben, noch mehr Sachen auszuprobieren, noch mehr Risiko einzugehen," sagt Markus Neueder, Leiter des Rauschgiftdezernats beim Bayerischen Landeskriminalamt (LKA).

Kokain ist zur Lifestyledroge geworden

Als Ursache für die Zunahme von Kokainfällen sehen Experten vom LKA eine weltweite Entwicklung: Zum einen sinke die Nachfrage in den USA, weil dort gerade andere Drogen, etwa Opioide, den Markt überschwemmen. Die Folge sei jetzt eine Überproduktion in Kolumbien, Bolivien und Ecuador, den Hauptherkunftsländern. Auf der Suche nach neuen Absatzmärkten hätten die Kartelle verstärkt Europa ins Auge gefasst, so Staatsanwalt Schmidkonz. Und das Ende der Entwicklung sei noch nicht erreicht. Er erwartet, dass Kokain das Heroin bald als häufigste Ursache drogenbedingter Todesfälle ablösten könnte: "Wir werden bei Kokain bald vom Killer Nummer eins sprechen."

Billiger als je zuvor

Mit den Mengen, die den Markt fluten, sind auch die Preise von Kokain gefallen. Darum sei es auch nicht mehr allein eine Droge für die Schönen und Reichen, so Stefan Wenger, stellvertretender Leiter der Erwachsenenhilfe bei der Drogenhilfe Condrobs: "Früher waren es rund 100 Euro, jetzt liegt der Preis teilweise unter 70 Euro pro Gramm. Das können sich viele leisten." Entsprechend sei nicht nur die Zahl der Konsumenten gestiegen, die Konsumenten seien auch jünger geworden.

Wirkstoffgehalt macht Droge riskanter

Das Angebot an Kokain ist nicht nur größer und billiger geworden, der Stoff werde auch immer konzentrierter. Früher wurde Kokain häufig mehrfach gestreckt und mit einem entsprechend niedrigen Wirkstoffgehalt verkauft. Nach Angaben bayerischer Ermittler liegt der Wirkstoffgehalt inzwischen häufig bei über 80 Prozent.

Das macht die Droge auch deutlich gefährlicher. "Kokain macht primär psychisch abhängig", so Stefan Wenger. "Sehr schnell können die Konsumenten nicht mehr ohne Kokain. Sie kommen etwa ohne die Droge in Gruppen nicht mehr zurecht oder es fällt ihnen immer schwerer einen Moment zu genießen, ohne vorher zu konsumieren." Schnell stelle sich außerdem ein Toleranzentwicklung ein und der Konsument brauche immer höhere Dosen. Damit steigt dann auch das körperliche Risiko, etwa einen Herzinfarkt zu erleiden.

Welche Folgen die Ausbreitung des Kokains hat, zeigen aktuelle Zahlen: Während in den vergangenen Jahrzehnten Kokain als Todesursache kaum eine Rolle gespielt hat, waren von den 250 Todesfällen wegen Drogen im vergangenen Jahr in Bayern 39 auf Kokain zurückzuführen.

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