Während einige Münchner zu Wiesn-Beginn fluchtartig die Stadt verlassen, bügeln andere Trachtenhemden auf. Dabei kann man auch innerhalb der Stadtgrenze Rückzugsorte von den Ausläufen des Oktoberfestes finden. Denn einige Bars haben ein Trachtenverbot verhängt. Das lässt Wiesn-Gäste oftmals verärgert auf dem Bordstein zurück. Gastronomen sehen es jedoch als einzige Möglichkeit, die Atmosphäre ihrer Lokale zu bewahren.
Gärtnerplatzviertel: Weitere trachtenfreie Bar
Im Gärtnerplatzviertel ist das Trachtenverbot vergleichsweise noch neu. Zum ersten Mal in diesem Jahr hängt eine durchgestrichene Lederhose auch an der Tür des "Gebrüder Keller und Erben". Inhaber Florian Keller will Kultur und Andersartigkeit statt Trachten-Mainstream in seiner Kneipe. Früher habe niemand auf dem Oktoberfest Tracht getragen. Nach und nach seien Dirndl und Lederhosen Mainstream geworden und "ab Mitte September in Kneipen ein einigermaßen verlässliches Zeichen" für bestimmte Verhaltensweisen: Gäste würden weniger konsumieren, andere Barbesucher häufiger belästigen und im schlimmsten Falle sich in der Kneipe übergeben. Als trachtenfreie Zonen haben sich auch die Loretta Bar, der Club Strom und die Goldene Bar erklärt.
Café Kosmos: Vorreiter mit Trachten-Regel
"No Lederhosen, no Dirndl", steht schon seit zwei Jahrzehnten an der Tür des Café Kosmos. Durchsetzen muss das der 22-jährige Anton Torwart. Um kurz vor 21 Uhr weist er als sogenannter Silencer die ersten Oktoberfestgänger ab. Denn nach fünf Maß und Hulapalu würden die Leute schneller über die Stränge schlagen.
Ein junges Paar in Tracht scheint schon etwas enttäuscht. "Wenn man keine Leute haben will, die superbesoffen sind, dann sollte man eher darauf achten. Man sollte nicht auf die Kleidung achten", sagt die junge Frau. Anton schickt die Trachtenträger einfach eine Tür weiter, ins Bufet. Denn auch dieses Lokal betreibt Kosmos-Inhaber Florian Schönhofer. Hier sei mehr Platz, Wiesn-Fans und Stammgäste können sich besser aus dem Weg gehen.
"Natürlich sind die Leute aufgeputscht und kommen die mit dieser Stimmung hier an. Hier ist es eigentlich eher ein Platz, wo man sich unterhält, wo man geschützt und sicher ist", so der Gastronom. Das Trachtenverbot wird heutzutage deutlich besser angenommen als vor 19 Jahren, erinnert sich der langjährige Türsteher Norbert: "Wir haben eben am Anfang sehr negative Erfahrungen gemacht, indem das viel ins Lokal reingereihert wurde und Toilettenschüsseln zusammengehauen wurden."
Bars mit Trachtenverbot nur Ausnahmen
Die Lokale mit Trachtenverbot sind nach wie vor Ausnahmen. Denn die allermeisten Bars in München heißen die Wiesn-Gäste willkommen. Darunter auch die Bar Rendezvous am Sendlinger Tor. DJ Jörg Olsson will nicht nach Kleidung urteilen. "Wenn man von vorneherein Leute ausschließt, die Jogginghose, Tracht oder Dirndl tragen, hat das ja nichts mit Gastfreundschaft zu tun", so Olsson.
Unter den bunten Lichtern in der Bar tanzt um kurz vor 23 Uhr ein Mann mit Lederhose und aufgeknöpftem Hemd ausgelassen zu Schlagern.
Cucurucu Bar will keine After-Wiesn-Partys
Deutlich gediegener als am Sendlinger Tor kann man den Abend in der Cucurucu Bar am Hauptbahnhof verbringen. Bei Kerzenschein unterhalten sich die Gäste. Statt das Maximum aus der Wiesn herauszuholen, will man die Atmosphäre bewahren, sagt Türsteher Till.
Während der Wiesn ist in der Cucurucu Bar deutlich weniger los. Dennoch haben sich ein paar Jungs in Lederhosen mit McDonalds-Tüten auf der Terrasse ausgebreitet. Till schreitet ein und schickt sie weiter: "Keine Tracht gilt einfach für alle. In zwei Wochen bist du wieder willkommen", erklärt Till. Cucurucu-Betreiber Tobias Tzschaschel sagt, er möchte die gemütliche Atmosphäre in dem kleinen Laden bewahren. "Kotzen, Begrapschen und Schlägereien können wir durch das Trachtenverbot leichter vermeiden", so der Barbesitzer. Er würde auch selbst gerne auf die Wiesn gehen und vertrete keine Anti-Haltung gegen Tracht. Jedoch könne man mit einem Trachtenverbot die Sicherheit der Gäste besser gewährleisten.
Zum Video: Trachtenfreie Bars in München
Zur Oktoberfest-Zeit sind Dirndl und Lederhosen omnipräsent in München - und darin stecken nicht selten Menschen mit hohem Alkoholpegel.
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