OB-Wahlfieber in Bayern: In 22 Städten wurden heute neue Oberbürgermeister gewählt oder die alten bestätigt; nur Würzburg, Memmingen und Ingolstadt hatten "OB-Wahl-frei", weil dort außerhalb des normalen Turnus gewählt wurde.
Hier wurden Oberbürgermeister in Bayern gewählt
In Franken standen insgesamt zehn OB-Wahlen an, in Schwaben vier, in Niederbayern und der Oberpfalz je drei; in Oberbayern wählten München und Rosenheim. Inzwischen sind die Auszählungen fast überall beendet oder so weit gediehen, dass der Ausgang der Wahl feststeht.
Die größten Wahlen, die zudem einiges an Spannung versprachen, fanden in München, Nürnberg und Augsburg statt. In allen drei Metropolen kommt es nun am 22. März zur Stichwahl - wie auch in den meisten anderen bayerischen Städten.
Interaktive Karten: Bayern - Ergebnisse im Überblick
Hinweis: Die gezeigten Zahlen sind keine amtlichen oder vorläufigen amtlichen Endergebnisse, sondern die Datenstände aus den Gemeinden, (kreisfreien) Städten und Landkreisen. Der BR und alle verbundenen Kanäle können keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Daten übernehmen.
München: Der Favorit strauchelt
In München, wo OB Dieter Reiter als klarer Favorit antrat, gaben offene Fragen um ein Aufsichtsratsmandat Reiters beim FC Bayern den Konkurrenten neuen Auftrieb. Inzwischen ist es amtlich: Die Wahl des Münchner Oberbürgermeisters wird erst in der Stichwahl zwischen SPD-Amtsinhaber Dieter Reiter und dem Zweitplatzierten Dominik Krause von den Grünen entschieden. Reiter fährt im ersten Wahlgang nur 35,6 Prozent ein - nach 47,9 Prozent vor sechs Jahren. Krause holte dagegen 29,5 Prozent und überraschte damit auch viele seiner Parteifreunde. CSU-Kandidat Clemens Baumgärtner landete bei 21,3 Prozent.
Was Krause Mut machen könnte: Am Wahlsonntag selbst holte er mehr Stimmen als Reiter. Dieser gewann vor allem bei der Briefwahl - Stimmen, die vielfach schon vor den jüngsten Schlagzeilen abgegeben wurden. Reiter hingegen kann darauf verweisen, dass er sich schon 2014 und 2020 erst in der Stichwahl gegen seine Kontrahenten durchgesetzt hat.
Stichwahlen auch in Nürnberg und Augsburg
In Nürnberg versucht SPD-Kandidat Nasser Ahmed mit einem vielbeachteten Wahlkampf, den Chefsessel im Rathaus von OB Marcus König (CSU) für die SPD zurückzuerobern - doch König liegt nach der Auszählung aller 726 Gebiete klar in Führung: Der Amtsinhaber kommt auf 46 Prozent der Stimmen, SPD-Kandidat Nasser Ahmed auf 26,5 Prozent. Die Grünen-Bewerberin Britta Walthelm und der AfD-Kandidat Roland-Alexander Hübscher lagen bei 10,4 und 9,1 Prozent. Damit steht fest: Es kommt zum Stichentscheid zwischen König und Ahmed.
Auch Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) muss - wie beim letzten Mal - in die Stichwahl. Wie die Stadt mitteilte, kam Weber im ersten Wahlgang auf 34,0 Prozent der Stimmen, SPD-Bewerber Florian Freund lag mit 19,9 Prozent auf dem zweiten Platz. Dahinter kamen die Grünen-Kandidatin Martina Wild mit 16,4 Prozent und der AfD-Bewerber Andreas Jurca mit 12,4 Prozent.
Triumph in Fürth, Überraschung in Bamberg
Gewinner des Abends: Fürths Amtsinhaber Thomas Jung (SPD), der mit rund 72 Prozent der Stimmen wiedergewählt wurde. Ganz anders die hoch gehandelte Ex-Staatsministerin Melanie Huml (CSU), die es in Bamberg nicht in die Stichwahl schaffte.
Der Trend zu Stichwahl
Apropos: Nur sechs von 22 Abstimmungen wurden diesmal im ersten Wahlgang entschieden. Weil immer mehr Kandidaten zur Wahl stehen - in Regensburg zum Beispiel waren es gleich zwölf - und die Parteibindung der Wähler und Wählerinnen abnimmt, wird es immer schwieriger, die absolute Mehrheit zu erringen.
Im Folgenden alle bisher (Stand 23.30 Uhr) bekannten Ergebnisse, sortiert nach Bezirken.
Mittelfranken
Nicht nur in der Stadt Nürnberg, in der ganzen Metropolregion wurde gewählt - mit unterschiedlichem Ausgang. In Fürth wurde Amtsinhaber und SPD-Urgestein Thomas Jung erneut mit beeindruckender Mehrheit zum Oberbürgermeister bestimmt. Jung kam nach Auszählung von 144 der 148 Gebiete auf 72,13 Prozent der Stimmen und wiederholte damit in etwa sein Ergebnis von vor vier Jahren, als er 72,9 Prozent erhalten hatte.
Sein Parteigenosse aus Erlangen hingegen, der dort amtierende Oberbürgermeister Florian Janik, muss in die Stichwahl. Laut vorläufigem amtlichen Ergebnis kam Janik auf 29 Prozent der Stimmen, sein Herausforderer von der CSU, Jörg Volleth, erhielt 35,8 Prozent. Schon vor sechs Jahren waren beide in einer Stichwahl gegeneinander angetreten. Volleth ist zweiter Bürgermeister in Erlangen, die Rathauskooperation zwischen CSU und SPD ist im vergangenen Jahr zerbrochen.
In Ansbach muss der amtierende Oberbürgermeister Thomas Deffner von der CSU in die Stichwahl. Deffner erhielt 38,2 Prozent der Stimmen. Er tritt in zwei Wochen gegen Hans-Jürgen Eff von der Liste "Die Ansbacher" an. Eff kam auf 14,3 Prozent der Stimmen.
Schwabach schließlich, die kleinste kreisfreie Stadt Bayerns, bleibt SPD-regiert. Amtsinhaber Peter Reiß hat laut vorläufigem amtlichen Ergebnis mit 63 Prozent der Stimmen die Wahl deutlich gewonnen. Bei der Stichwahl vor sechs Jahren erhielt er 53,7 Prozent der Stimmen. An zweiter Stelle, aber weit abgeschlagen, liegt mit 16,8 Prozent der CSU-Kandidat Axel Rötschke.
Oberfranken
Im Bamberger Dreikampf um die Stadtspitze schied die überregional prominenteste Kandidatin aus: Ex-Staatsministerin Melanie Huml von der CSU verpasst die Stichwahl in Bamberg. Sie kam im ersten Wahlgang nach dem vorläufigen Ergebnis nur auf den dritten Platz mit 28,2 Prozent der gültigen Stimmen. Allerdings fiel die Entscheidung knapp aus: Auf Platz eins landete der bisherige zweite Bürgermeister Jonas Glüsenkamp (Grüne) mit 30,3 Prozent, auf Rang zwei schaffte es SPD-Kandidat Sebastian Niedermaier (29,0 Prozent).
In Bayreuth wird es am 22. März zu einer Stichwahl zwischen dem bisherigen Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (CSU) und Andreas Zippel (SPD) kommen. Auf Ebersberger, der seit 2020 im Amt ist, entfielen nach vorläufigem amtlichen Endergebnis 28,2 Prozent der Stimmen. Sein Herausforderer Andreas Zippel, der Zweite Bürgermeister der Stadt, erreichte 34,9 Prozent und lag damit vor dem Amtsinhaber.
Und auch die Bürgerinnen und Bürger in Hof müssen sich gedulden. Für Amtsinhaberin Eva Döhla (SPD) lief der erste Wahlgang nicht nach Wunsch. CSU-Kandidat Stefan Schmalfuß kam auf 39,4 Prozent der gültigen Stimmen, Döhla auf 33,8 Prozent.
Alles klar ist hingegen in Coburg: Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) ist nach vorläufigem amtlichen Endergebnis im Amt bestätigt worden. Er wurde mit 51,8 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Der Diplom-Jurist ist seit 2020 Stadtoberhaupt von Coburg. Damals kam er nach Stichwahl mit 57,1 Prozent der Stimmen ins Amt.
Unterfranken
Der künftige Oberbürgermeister von Aschaffenburg muss in einer Stichwahl gefunden werden. Bei der Kommunalwahl erreichte Amtsinhaber Jürgen Herzing (SPD) laut dem vorläufigen Ergebnis lediglich 38,2 Prozent der gültigen Stimmen. Herausforderer Markus Schlemmer (CSU), Chef der örtlichen Kriminalpolizei, kam nach Stadtangaben auf 41,1 Prozent.
Auch in Schweinfurt ist noch nicht sicher, an wen der bisherige Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU), der zu dieser Kommunalwahl nicht mehr antrat, sein Amt abgibt. Es kommt zu einer Stichwahl zwischen Ralf Hofmann (SPD) und Oliver Schulte (CSU). SPD-Kandidat Ralf Hofmann lag mit 37,6 Prozent deutlich vor Oliver Schulte von der CSU. Dieser kam laut vorläufigem Ergebnis auf 23,4 Prozent.
Schwaben
In Kaufbeuren bleibt Stefan Bosse (CSU) Oberbürgermeister. Der 61-Jährige erhielt 56,9 Prozent der Stimmen und setzte sich damit gegen drei Gegenkandidaten durch. Der Zweitplatzierte Oliver Schill von den Grünen kam auf 17,1 Prozent. Damit geht Bosse in seine fünfte Amtszeit.
Der bisherige Oberbürgermeister von Kempten, Thomas Kiechle (CSU), muss in eine Stichwahl. Auf ihn entfielen 36,6 Prozent der Stimmen. Der Zweitplatzierte ist Christian Schoch von den Freien Wählern, der 31,0 Prozent erreichte.
Oberpfalz
Niemand zählte schneller: Das erste Endergebnis kam gegen 19 Uhr aus der Oberpfalz, nämlich aus Amberg. CSU-Kandidat Stefan Ott muss mit 40,9 Prozent der Stimmen gegen Michael Fritz (FW Amberg) mit 14,9 Prozent in die Stichwahl.
In Regensburg, wo die amtierende Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) nicht mehr angetreten war, kommt es zur Stichwahl. Astrid Freudenstein (CSU) stand mit schlussendlich 34 Prozent schnell als Erstplatzierte fest. SPD und Grüne lieferten sich ein Foto-Finish um Platz 2, das Thomas Burger (SPD) vor Helene Sigloch von den Grünen mit 19,1 Prozent am Ende für sich entschied.
Nirgends war eine Stichwahl so wahrscheinlich wie in Weiden: Hier hatte sich SPD-Kandidat Jens Meyer beim letzten Mal mit nur 519 Stimmen Vorsprung gegen Benjamin Zeitler von der CSU durchgesetzt. Beide sind auch 2026 wieder angetreten und müssen in die Stichwahl – mit besseren Aussichten für Zeitler, der auf 42,8 Prozent der Stimmen kam – Meyer nur auf 24,4 Prozent.
Niederbayern
Seit 18 Jahren ist die Stadt Passau SPD-geführt. Nun hat hier erneut ein Sozialdemokrat die meisten Stimmen erzielt: Andreas Rother kam nach vorläufigem Ergebnis auf 33,7 Prozent - damit muss er in die Stichwahl. Auf dem zweiten Platz lag Armin Dickl für die CSU mit 20,3 Prozent.
Auch der Amtsnachfolger von Landshuts Oberbürgermeister Alexander Putz (CSU) wird erst in zwei Wochen ermittelt. Weiter im Rennen sind Thomas Haslinger (CSU), der 37 Prozent der Stimmen sammelte, und Christoph Rabl (Grüne), der auf 20,2 Prozent kommt.
Last not least in Niederbayern: 2020 holte Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr mit 73,25 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang das beste Ergebnis unter den OBs der kreisfreien Städte in Bayern. Diesmal waren es nur 64,4 Prozent - überzeugend wiedergewählt ist Pannermayr dennoch. Alle Mitbewerber landeten bei maximal 11,9 Prozent.
Oberbayern
Etwas im Schatten der Landeshauptstadt die zweite oberbayerische Oberbürgermeisterwahl: In Rosenheim hat Amtsinhaber Andreas März (CSU) vor sechs Gegenkandidaten die Nase vorn. März (39,1 Prozent) muss gegen SPD-Kandidat Abuzar Erdogan (26,6 Prozent) in die Stichwahl.
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