Kommunalwahl in Mittelfranken 2026
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Kommunalwahl in Mittelfranken: Wo es spannend wird

Kommunalwahl in Mittelfranken: Wo es spannend wird

In Nürnberg will die SPD das Rathaus zurückerobern. In Erlangen wittert die CSU Morgenluft. In zwei Landkreisen versuchten zwei CSU-Landräte sich gegen Kritik an ihrer ersten Amtszeit zu behaupten. Auch ein lang gedienter OB stand im Gegenwind.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten Franken am .

Bei den Kommunalwahlen in Mittelfranken gehört Nürnberg traditionell zu den Hinguckern. Bayerns zweitgrößte Stadt war in der Nachkriegszeit überwiegend SPD-regiert. Der amtierende Oberbürgermeister, Marcus König, kommt jedoch von der CSU. Der 45-Jährige bewarb sich mit dem Slogan "Nürnberg funktioniert" um eine Wiederwahl.

Die will der Nürnberger SPD-Chef Nasser Ahmed verhindern. Der Sohn eritreischer Zuwanderer setzte in seinem Wahlkampf auf massive Präsenz, nicht nur auf Plakaten und Veranstaltungen – auch in den sozialen Medien. Der promovierte Politikwissenschaftler will für seine Partei das Rathaus zurückerobern, wo als bisher letzter Sozialdemokrat Ulrich Maly von 2002 bis 2020 Oberbürgermeister gewesen ist. Von insgesamt neun OB-Kandidierenden galt auch Britta Walthelm als aussichtsreiche Herausforderin. Die Grüne ist seit 2020 Umwelt- und Gesundheitsreferentin der Stadt und setzte im Wahlkampf mitunter auf ihre Kompetenz beim Thema Klimaschutz.

Erlangen: Harter Kampf um den OB-Sessel

In Erlangen wurde diesmal mit harten Bandagen um den OB-Sessel gekämpft. Amtsinhaber Florian Janik (SPD) gelang die erste Wiederwahl 2020 in der Stichwahl gegen den CSU-Kandidaten Jörg Volleth. Der trat erneut gegen Janik an, nachdem er sich als zweiter Bürgermeister profiliert hatte. 2025 kündigte er die Rathauskoalition mit der SPD auf. Seitdem war die Erlanger CSU im Wahlkampfmodus und machte mobil gegen die geplante Stadtumlandbahn, kurz StUB.

Dabei wurde der Bau von Bayerns einzigem städteverbindenden Straßenbahnprojekt (von Nürnberg über Erlangen nach Herzogenaurach) 2024 in einem Bürgerentscheid knapp bestätigt. Doch haben kurz darauf beispiellose Gewerbesteuer-Rückerstattungen ein tiefes Loch in den Stadthaushalt gerissen. Drastische Sparmaßnahmen waren die Folge. Volleth möchte als Oberbürgermeister das StUB-Projekt wieder beerdigen. Entschlossen für die StUB trat neben Amtsinhaber Janik auch die OB-Kandidatin der Grünen, Eva Linhart, ein. Sie baute im Wahlkampf auf das starke Wählerpotential, das die Grünen seit Jahren in Erlangen haben.

Fürth: Sechs gegen den Rekordstatthalter

In Fürth ist seit 24 Jahren Thomas Jung (SPD) Oberbürgermeister. Er wurde bislang mit immer neuen Abstimmungsrekorden an die Rathausspitze gewählt, zuletzt mit 73,0 Prozent. Heuer trat 64-Jährige noch einmal an. Es gab sechs Gegenkandidierende.

Ansbach: OB-Wahl im Zeichen knapper Kassen

In der mittelfränkischen Bezirkshauptstadt Ansbach bewarb sich Oberbürgermeister Thomas Deffner von der CSU um eine zweite Amtszeit. Die Stadt hat mit hohen Schulden zu kämpfen. Sechs Gegenkandidierende versprachen, dieses Problem anzugehen, darunter die amtierende Erste Bürgermeisterin Elke-Alida Homm-Vogel (Freie Wähler). Angesichts der Bewerberzahl wird in der Stadt mit einer Stichwahl gerechnet.

Weißenburg: Wechsel an der Stadtspitze sicher

Die Große Kreisstadt Weißenburg bekommt auf jeden Fall einen neuen Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin. Denn der Sozialdemokrat Jürgen Schröppel tritt nach 18 Amtsjahren nicht mehr an. Die CSU schickte ihren bisherigen Fraktionschef ins Rennen, der von Beruf Bankbetriebswirt ist. Die SPD wartete mit einer Wirtschaftspsychologin auf, die Partei Die Linke mit einer Rentnerin.

In Dinkelsbühl im Landkreis Ansbach könnte es für den langgedienten Oberbürgermeister Christoph Hammer (CSU) spannend werden. Der 64-Jährige ist seit 2003 im Amt. Doch spaltete sich ein Teil seiner Parteifreunde 2025 ab und bildete das Wählerbündnis "Dinkelsbühl gemeinsam gestalten" (DGG). Dieses Bündnis unterstützte gemeinsam mit Grünen, SPD, und der Wählergruppe Land Dinkelsbühl die Kandidatin der Freien Wähler, Anja Schmidt-Wagemann. Sie ist aktuell Erste Bürgermeisterin von Dinkelsbühl.

Landratswahlen: Zwei Amtsinhaber in der Kritik

Außerdem gibt es in Mittelfranken vier Landratswahlen. Die Amtsinhaber in den Kreisen Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen standen teils in der Kritik. So wurde dem Ansbacher Landrat Jürgen Ludwig (CSU) ein schlechtes Krisenmanagement vorgehalten, was die Entwicklung der drei ANregiomed-Klinikstandorte betrifft. Ludwig stand vor der Aufgabe, sich gegen sechs Gegenkandidaten zu behaupten. Als sein schärfster Rivale wurde Marco Meier von den Freien Wählern gehandelt. Der Jungpolitiker ist bereits Bezirksrat, Kreisrat und Bürgermeister von Ornbau. Das ist eine Stadt, die sich auf ihrer Webseite als "kleinste Stadt Mittelfrankens" bezeichnet. Zu den Kandidierenden zählte unter anderem auch die Energieökonomin Sophia Göppel-Kraft (Grüne), Tochter des verstorbenen CSU-Landtagsabgeordneten Josef Göppel.

In einer ähnlichen Lage wie Ludwig steckte der Landrat von Weißenburg-Gunzenhausen, Manuel Westphal (CSU). Er trug dazu bei, ein millionenschweres, landkreisübergreifendes Naturschutzprogramm zu verhindern, was ihm nicht nur die Umweltlobby verübelte. Gegen ihn kandidierte Markus Gläser. Hinter dem Überparteilichen versammelten sich Freie Wähler, SPD, Grüne, ÖDP und FDP. Einen weiteren Landratskandidaten stellte die AfD mit dem Industriekaufmann Siegfried Lang.

Im Nürnberger Land bewarb sich Armin Kroder (Freie Wähler) um eine vierte Amtszeit als Landrat. Gegen ihn traten vereinzelt auch politisch erfahrene Bewerber an, darunter die ehemalige Bundestagsabgeordnete Kristine Lütke (FDP). Im Kreis Erlangen-Höchstadt möchte Alexander Tritthart (CSU) Landrat bleiben. Auch zu seinen Gegenkandidaten zählte eine frühere Bundestagsabgeordnete: Britta Dassler von der FDP.

Politikforscherin Ursula Münch im Interview zur Kommunalwahl
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