Diana mit ihrer Krampus-Larve.
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Eine Frau als Krampus: ist das ein Bruch der Tradition oder ihre Fortführung in die Zukunft?
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Eine Frau als Krampus: ist das ein Bruch der Tradition oder ihre Fortführung in die Zukunft?

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Krampus, Kramperl, Buttnmandl: Tradition oder Spektakel?

Krampus, Kramperl, Buttnmandl: Tradition oder Spektakel?

Eine Frau als Krampus: ist das ein Bruch der Tradition oder ihre Fortführung in die Zukunft? Überhaupt, was bedeutet das rätselhafte Spektakel um Krampus, Kramperl und Buttnmandl? Wo gibt es den Brauch und wer steckt unter den Masken?

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

In der Vorweihnachtszeit sind im oberbayerischen Alpenraum schaurige Gestalten zu sehen – sie erobern Dorfplätze und Straßen. Wir kennen sie als Krampus, Buttnmandl und Perchten: Figuren aus vorchristlichen Winterritualen, später zum Teil verbunden mit dem Nikolausbrauch. Für viele stehen sie für Heimat und Identität, die unter dem Andrang der Massen aber ins reine Spektakel zu kippen droht.

Frauen in der Rolle des Krampus

Diana Bögerl wird sich in nur wenigen Stunden verwandeln. Alles, was sie dafür braucht, ist ihre Maske. Dieses "einzigartige Gefühl" beschreibt sie als "irgendwie frei sein" und "anders sein", denn die meisten wissen nicht, wer unter der Maske steckt. "Dann heißt es: Ja cool, die hat eine Krone auf. Und dann ist einfach nur ein Grinsen bei mir."

Dass Frauen als Krampus mitlaufen dürfen, ist nicht selbstverständlich. In vielen Vereinen, den sogenannten Passen, dürfen das nur Männer. Frauen sind meist als Hexen, Engerl oder im Hintergrund dabei. Nina Wurm hatte – so wie Diana – schon lange den Wunsch, selbst einmal als Krampus zu laufen. Mit anderen Passen konnten sie sich nicht einigen. Deshalb gründeten die beiden gemeinsam mit weiteren Mitstreitern die "Dobe Boch Deifen" in Waging am See – eine neue Gruppe. Frauen, Männer und Kinder sind willkommen. Wer als Kramperl mitlaufen will, braucht nur seine eigene Maske.

Läufe auf Social Media gehypt

Krampusläufe im Chiemgau sind sehr beliebt. Hunderte kommen zu den Showläufen. Auch auf Social Media werden die Läufe gehypt. Die "Dobe Boch Deifen" sind auf Instagram und TikTok präsent. Zwischen den Fans tauchen aber auch immer wieder Störenfriede auf. Ein Kommentar ist ihnen besonders aufgefallen: "Ihr habt mich letztes Jahr geschlagen, ich schlage euch dieses Jahr", heißt es dort. Vorsorglich haben sie die Polizei informiert.

Diana weiß, dass es dabei auch zu gefährlichen Situationen kommen kann. Wenn jemand an den Hörnern reißt, kann viel passieren, schlimmstenfalls können die Wirbel verletzt werden. Dabei will Diana vor allem eines zeigen: "Dass wir nicht böse sind, dass wir auch lieb sein können, auch wenn wir manchmal ein bisschen gruselig aussehen."

Die Buttnmandl – eine Tradition nur für Männer?

Rund 50 Kilometer entfernt von Traunstein, in Berchtesgaden, ganz nah an der österreichischen Grenze, wird das Brauchtum ganz anders gelebt. Am Nikolausabend sind dort schaurige Gestalten unterwegs: die Buttnmandl, eingehüllt in schwere Strohgewänder, die bis zu 30 Kilogramm wiegen können. Dazu kommen die Kramperl, in Tierfelle gehüllt und mit aufwendig geschnitzten Masken. Gemeinsam begleiten sie den heiligen Nikolaus bei seinen Hausbesuchen.

Bei den Passen aus der Region heißt Tradition auch: Männer als Kramperl und Buttnmandl ausschließlich. Respekt verschaffen sie sich bei den Schaulustigen mit lauten Glocken und auch mit Schlägen der Rute. Massen an Menschen stehen als Zuschauer bereit, oft sieht man die Krampusse vor lauter Andrang kaum noch.

Brauchtum lebt von Veränderung

In Schleching im Chiemgau wollen sie einen Mittelweg finden zwischen Event und Tradition. Dort sind viele Ordner im Einsatz, Sicherheit wird großgeschrieben. Deshalb tragen die Kramperl auch Nummern. So lässt sich nachvollziehen, wer beteiligt war, sollte doch einmal jemand über die Stränge schlagen. Die Mitglieder freuen sich vor allem über die Gemeinschaft, die sie im Verein verbindet.

Veränderte Rollenbilder im Brauchtum – ein solcher Wandel muss kein Bruch mit der Tradition sein, sondern ist Teil gelebter Kultur, erklärt die Heimatpflegerin Daniela Sandner: "Bräuche leben eigentlich von der Veränderung und von der Anpassung. So wünschen wir uns das heute auch. Dass wir einen offenen Brauchbegriff haben und anerkennen, dass sich Bräuche in einer sich verändernden Gesellschaft wandeln dürfen."

Figuren aus alten Winterritualen treten heute ganz unterschiedlich auf. Manche halten strikt an alten Formen und Regeln fest, andere öffnen den Brauch und entwickeln ihn weiter. Dazwischen entsteht vieles neu. Genau so bleibt Tradition lebendig.

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