Viele Bayernwerk-Kunden sind nicht gut auf ihren Stromnetzbetreiber zu sprechen: weil sie lange warten müssen zum Beispiel auf den Anschluss ihrer Photovoltaikanlage oder auf einen intelligenten Stromzähler. Einfach Anbieter wechseln geht nicht, denn die jeweiligen Verteilnetzbetreiber in Deutschland sind ein – allerdings staatlich reguliertes – Monopol.
Bayernwerk verspricht "Bauplan mit System"
Das Bayernwerk verspricht nun Verbesserungen. Die Eon-Tochter lud Journalisten in ihre Unternehmenszentrale nach Regensburg ein, um einen sogenannten "Bauplan mit System" vorzustellen, mit dem das Bayernwerk in der "zweiten Halbzeit der Energiewende" sein Stromnetz effizienter bewirtschaften will. Hintergrund ist ein nicht nachlassender Druck von Netzkunden, die immer mehr Anschlüsse beantragen. Inzwischen wird in das Bayernwerk-Netz an über einer Million Stellen Strom eingespeist, vor allem von kleinen Photovoltaikanlagen.
Und das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und andere energiewirtschaftliche Regelungen ändern sich immer wieder. Im Ergebnis wird das Geschäft des Netzbetreibers immer unübersichtlicher.
Neues Computersystem macht seit Monaten Probleme
Zu Jahresbeginn wurde ein neues Computersystem für die Kundenverwaltung eingeführt, das offenbar noch immer nicht rund läuft. Das führt zu Ärger bei den Kunden. Bayernwerk-Chef Egon Westphal spricht von einem "sehr komplizierten Prozess", es werde noch dauern, bis das Bayernwerk wieder im Normalbetrieb ist: "Wir bedauern das."
Die Bayernwerk-Mitarbeiter sollen jetzt KI-Werkzeuge an die Hand bekommen, damit sie sich in den auch intern immer komplizierteren Computerdatenbanken schneller zurechtfinden.
Druck aufs Stromnetz steigt weiter
Der Druck lässt nicht nach: Bis 2045 wird sich die installierte Leistung von Erneuerbare-Energien-Anlagen im Bayernwerk-Netz nach Einschätzung des Unternehmens noch einmal verdreifachen, und der Stromverbrauch in Bayern verdoppeln. Das Unternehmen hat Personal aufgebaut, inzwischen arbeiten zusammen mit Partnerfirmen über 16.000 Menschen für die Bewirtschaftung und den Ausbau des Bayernwerk-Verteilnetzes. In den Jahren bis 2030 will das Unternehmen jährlich rund 2 Milliarden Euro in den Ausbau seines Netzes investieren. Trotzdem wird es die steigende Nachfrage nicht eins zu eins in mehr Netzkilometer übersetzen können: "Die Energiewende-Logik der ersten Halbzeit hat darauf keine Antworten mehr", so Westphal. Es gehe jetzt darum, die Netz-Infrastruktur, die als das "neue Gold der Energiewende" gilt, möglichst effizient auszulasten.
Im Video: Effizienteres Stromnetz-Management für zufriedene Kunden!?
Bayernwerk: Effizienteres Stromnetz-Management für zufriedene Kunden!?
Netzanschlüsse nicht mehr nach dem Windhundprinzip
Bei großen Stromverbrauchern, die auf Netzanschluss warten, soll ein neues Priorisierungssystem dazu führen, dass die am besten vorbereiteten, netzverträglichsten und wichtigsten Projekte zuerst ans Netz kommen. Vor allem bei den Anschlussanfragen von Batteriespeichern, die sich zuletzt vervielfacht hatten, soll sich so die Spreu vom Weizen trennen und die wirklich sinnvollen und baureifen Projekte auch zum Zuge kommen. Bisher wurden Anschlusszusagen rein nach dem Windhundprinzip vergeben. Dadurch konnten Unternehmer mit reinen Papierprojekten Kapazitäten reservieren und so andere ausbremsen.
Windkraft und Photovoltaik teilen sich Anschlüsse
Der bereits bestehende Netzausbauplan des Bayernwerks für die kommenden Jahre soll konkreter und verbindlicher formuliert werden, sodass potenzielle Anschlussnehmer sich daran für die kommenden Jahre orientieren können – und räumlich nicht gebundene Projekte dort planen, wo Netzausbau ohnehin kommt.
Planmäßig angewendet werden soll auch das Instrument der flexiblen Netzanschlüsse: Kunden, die nicht zu jeder Zeit die volle Anschlussleistung benötigen, können sich so Netzanschlüsse mit anderen teilen und auf diese Weise schneller und günstiger zum Zuge kommen. Photovoltaik und Windkraftanlagen etwa, die wetterbedingt selten gleichzeitig mit voller Leistung einspeisen, passen gut auf einen gemeinsamen Netzverknüpfungspunkt. Umso mehr, wenn Leistungsspitzen durch Batteriespeicher gepuffert werden.
Auch das Problem des bei Netzüberlastung abgeregelten Eigenverbrauchs verspricht das Bayernwerk anzugehen. Das Unternehmen wolle das sogenannte "Gartenzaunprinzip" verwirklichen, nach dem in Kundenanlagen hinter dem Netzverknüpfungspunkt nicht eingegriffen werden darf. Dazu bedürfe es aber noch technischer Festlegungen und gesetzlicher Klarstellungen.
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