Für das Schuljahr 2024/25 meldeten 66 Prozent der Einrichtungen, die an einer Umfrage von BR Recherche und BR Data teilgenommen hatten, Vorfälle, die demokratie- oder menschenfeindlich waren. Die Umfrage hatte sich an weiterführende kommunale und staatliche Schulen gerichtet. Unter den gemeldeten Vorfällen waren beispielsweise rassistische, antisemitische, sexistische oder queerfeindliche Beleidigungen, Fälle von Gewalt sowie politische Einflussnahme.
Wie rechts sind Bayerns Schüler? Das beleuchtete BR24. Mit dabei waren: Sammy Khamis von BR Recherche und der Landesschülerrat Pascal Trimbuch aus Ingolstadt war zugeschaltet.
Insgesamt wurden mehr als 1.500 Schulen angeschrieben – damit fast alle weiterführenden kommunalen und staatlichen Schulen im Freistaat. 598 Schulleitungen beantworteten den anonymen Fragebogen, was einer Rücklaufquote von 39 Prozent entspricht. Die Erhebung ist nicht repräsentativ.
Reaktionen auf BR Recherche
Landesschülersprecher Pascal Trimbuch sagte im BR24-Interview, rechtsextreme Vorfälle seien nach seiner Einschätzung zwar kein Alltag an den Schulen, kämen jedoch inzwischen häufiger vor. Er verwies darauf, dass viele Jugendliche in solchen Momenten nicht wegschauen, sondern das Problem direkt ansprechen. Laut Trimbuch braucht es jedoch "klare Strukturen" an den Schulen, um solche Fälle aufzuarbeiten. "Wir müssen kommunizieren, unter den Schülern, mit den Schulleitungen, wenn solche Fälle auftreten." Alleine auf Präventionsarbeit zu setzen, sei nicht ausreichend.
Der Bildungsforscher Rico Behrens von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hält Erhebungen wie die BR-Umfrage für wichtig, um öffentliche Debatten anzustoßen: "Wir brauchen diese Daten, weil es eine Tendenz gibt, diese Themen kleinzureden." Behrens sagt, keine Schule wolle in der Öffentlichkeit mit diesem Thema in Verbindung gebracht werden oder gar als Problemschule gelten. Das bayerische Kultusministerium erfasst solche Vorfälle an Schulen nicht systematisch.
Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), bezeichnet die Umfrageergebnisse als "Alarmglocke" für Politik und Gesellschaft: "Wir könnten viel gezielter reagieren, wenn öffentlich bekannt wäre, was an den Schulen tatsächlich vor sich geht." Man dürfe Schulen damit nicht allein lassen, sagt die BLLV-Präsidentin.
Was sagt das Ministerium?
Das bayerische Kultusministerium äußert sich nicht zu den Umfrageergebnissen. Auf BR-Anfrage betont das Ministerium die Bedeutung von politischer Bildung und Fortbildungen für Lehrkräfte: "Damit es zu Vorfällen dieser Art jedoch gar nicht erst kommt, setzen wir an unseren Schulen zuallererst auf Prävention."
Mehr zur Recherche gibt es bei Kontrovers - Die Story am 10.12. um 21.15 Uhr im BR Fernsehen. Oder im Funkstreifzug zum Nachhören in der ARD-Audiothek.
Im Video: Rechtsextreme Vorfälle an Bayerns Schulen
Rechtsextreme Vorfälle an Bayerns Schulen
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