Auch wenn die Sehnsucht nach Wärme und Frühling groß ist – der Winter ist noch nicht zu Ende, zumindest in den Alpen. Dass die Berggipfel Anfang April noch schneebedeckt sind, sei normal, sagt Joachim Stoermer, Meteorologe am Landesamt für Umwelt in Augsburg. Auch in den vergangenen Jahren sei im März und April noch Schnee gefallen. Maßgeblich sei für den Meteorologen das sogenannte hydrologische Winterhalbjahr – also die Zeit von November bis April. "Dann ziehen wir Bilanz", sagt Stoermer.
Was sich jetzt schon abzeichnet: "Wir hatten dieses Jahr deutlich mehr Schneetage als im letzten Jahr." Dieser Winter erinnert Stoermer an Winter von früher. Es gab eine Menge Frosttage, also Tage, an denen die Temperaturen im Minusbereich oder unter null Grad blieben.
Schneeschmelze ist abhängig vom Zustand des Schnees
Dass der Winter durch den Schneefall im März noch durchschnittlich gut geworden ist, bestätigt auch Katrin Sedlmeier vom Deutschen Wetterdienst. "Durch die Schneefälle im März hat sich die Schneedecke in den hohen Lagen etwas erholt." Die sei im Dezember und Januar deutlich unterdurchschnittlich gewesen.
Wie lange eine Schneedecke erhalten bleibt, hängt von den Temperaturen am Berg ab. Allerdings nicht nur, sagt Hydrometeorologe Joachim Stoermer. Die Schneeschmelze sei abhängig vom Zustand des Schnees. "Ich verwende da ganz gerne das Bild, dass die Schneedecke einem Schwamm gleicht. Wenn man auf einen Schwamm Wasser gießt, dann läuft das Wasser nicht sofort aus dem Schwamm. Die Schneedecke ist quasi wie ein Wasserspeicher." So hat beispielsweise eine zehn Zentimeter mächtige Pulverschneedecke ungefähr zehn Liter pro Quadratmeter Wasser gespeichert.
Insgesamt deutlich weniger Schnee in den Hochalpen als früher
Schnee als Wasserspeicher ist für die Alpen und die Natur das ganze Jahr über wichtig. Doch obwohl in diesem Jahr viel Schnee gefallen ist, liege momentan in den Hochalpen deutlich weniger Schnee als früher, sagt Stoermer. "Wenn man die Zahl von April 1999 anschaut, mit 510 Zentimetern, da messen wir jetzt gerade mal die Hälfte. Also haben wir deutlich weniger Schnee in den Hochalpen als damals."
Daten zur Schneeschmelze sind wichtig für Wasserversorgung und Seeregulierung
Berechnungen, wie viel Schnee in den Alpen liegt, sind nicht nur für die Wasserversorgung wichtig, sondern auch für die Hochwasservorhersage. Am Institut für Schnee- und Lawinenforschung in der Schweiz arbeiten Forscher mit Hilfe von Satellitendaten daran, die Schneeschmelze noch präziser vorherzusagen, erklärt Jan Magnusson, wissenschaftlicher Mitarbeiter. "Wir arbeiten mit Modellen, bei denen wir, wenn es schneit, den Schnee dazurechnen. Wenn es schmilzt, nehmen wir den Schnee weg. So haben wir nach der Saison eine sogenannte Schneekarte." In diese werden die Satellitendaten eingespeist. "Dann kriegen wir damit eine Karte, wie viel Schnee in Wassermengen hier in den Alpen in verschiedenen Regionen liegt." Das ist unter anderem auch wichtig für die Seeregulierung.
Forscher wie Jan Magnussen und der Augsburger Meteorologe Stoermer bestätigen, dass die Schneemengen sich reduzieren und es in Zukunft weniger Schnee geben wird.
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