"Endlich mehr Luft zum Atmen", sagt Michael Urban, Geschäftsführer vom "Grüner Brauhaus" im mittelfränkischen Fürth, über den seit Januar gesunkenen Mehrwertsteuersatz für Gaststätten-Speisen. Mit den dadurch eingesparten Mitteln könnten lange anstehende Investitionen endlich getätigt werden: Eine neue Spülmaschine müsse her, ein neuer Konvektomat, im Biergarten brauche es dringend eine neue Bestuhlung.
Nicht mal jeder zehnte Wirt will mit den Essenspreisen runter
Von den erwartbaren Einsparungen sollen im "Grüner Brauhaus" aber auch die Besucher etwas abbekommen: "Wenn wir jetzt schon ein bisschen mehr haben, dann gehen wir auch mit den Preisen runter, um unseren Gästen auch mal was Gutes zu tun." Im Schnitt sollen die Hauptgerichte um 50 Cent günstiger werden. "Das erste Mal seit langer Zeit, dass wir nicht erhöhen müssen", freut sich Urban. "Aber das kann man jetzt natürlich nicht von jedem Wirt erwarten", setzt der Geschäftsführer des 200 Plätze großen Wirtshauses hinzu.
Das deckt sich mit einer aktuellen Umfrage des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) unter bundesweit rund 2.500 Wirtshaus-Betreibern. Dabei geben nur 12,5 Prozent an, aufgrund der Einsparungen im Zuge der Mehrwertsteuersenkung Preissenkungen vorzunehmen. In Bayern sind es sogar nur 8,5 Prozent. Demzufolge können Restaurantbesucher nicht einmal in jedem zehnten bayerischen Lokal mit günstigeren Essenspreisen rechnen.
"Wenn nichts übrig bleibt, ist man insolvent"
"Weil es die betriebswirtschaftliche Situation nicht hergibt", erklärt Thomas Geppert, Dehoga-Landesgeschäftsführer in Bayern, das Votum der befragten Betriebe. Bei den steigenden Kosten im Bereich Personal, Energie und Lebensmittel sorgten sich viele Gaststätten ohnehin schon um schwarze Zahlen. Entsprechend fielen auch die Preise auf der Speisekarte aus. "Und am Schluss muss was übrig bleiben", so Geppert, "denn wenn nichts übrig bleibt, ist man insolvent."
Und da habe man noch gar nicht von Investitionen in die Betriebsmodernisierung gesprochen, die viele Gaststättenbetreiber zuletzt hinten anstellen mussten. Entsprechend geben bei der Dehoga-Umfrage auch rund 70 Prozent der befragten Wirte in Bayern an, nun in die Modernisierung ihres Betriebes investieren zu wollen. Preissenkungen auf der Speisekarte rangieren dagegen auf dem neunten und letzten Platz.
Dehoga: Stadt-Land-Gefälle bei Essenspreisen zu erwarten
Die Bundesregierung, die die Senkung des Mehrwertsteuersatzes von 19 auf sieben Prozent für Gaststätten-Speisen beschlossen hat, stellt es den Betrieben frei, wofür sie die steuerlichen Einsparungen verwenden. "Ziel der Maßnahme ist die wirtschaftliche Unterstützung der Gastronomiebranche", heißt es in dem entsprechenden Gesetz, für das der Bundestag im Dezember abgestimmt hatte. "Sowohl die Weitergabe der Steuersenkung an Verbraucherinnen und Verbraucher als auch zusätzliche Investitionen sind möglich", die Entscheidung obliege den betroffenen Unternehmen.
Thomas Geppert vom bayerischen Hotel- und Gaststättenverband mutmaßt, dass, wenn es Spielräume zur Preissenkung gibt, diese vermutlich eher auf dem Land zu finden sind – sofern die frei werdenden Mittel nicht zuallererst dafür verwendet werden, das Wirtshaussterben auf dem Land aufzuhalten. Dort hätten die wirtschaftlichen Mehrkosten allerdings besonders dazu geführt, dass die deshalb angehobenen Preise für Schnitzel, Haxe und Co. ungleich mehr Gäste abgeschreckt hätten als in der Stadt, wo das Einzugsgebiet einer Gaststätte von Haus aus größer sei.
"Ziel nicht Preissenkung, sondern Preiserhöhung abzuwenden"
Für München etwa kündigte der Sprecher der Münchner Innenstadtwirte Gregor Lemke bereits im Dezember an, dass in der Landeshauptstadt eher nicht mit niedrigeren Preisen zu rechnen ist. "Es geht nicht darum, dass man Preise senkt, sondern dass man in der Lage ist, nicht schon wieder Preise erhöhen zu müssen, um die Personalkosten und die Warenkosten aufzufangen", sagte Lemke dem BR.
Da hat es Michael Urban vom "Grüner Brauhaus" ein bisschen leichter: Er betreibt noch ein zweites Wirtshaus, steht umsatzmäßig also auf vergleichsweise sichereren Füßen. Trotzdem kann er nicht versprechen, an Tag X nicht doch wieder mit den Preisen nach oben gehen zu müssen.
"Spätestens, wenn der Mindestlohn weiter ansteigt, müssen wir neu rechnen", sagt Urban. Dieser wurde zu Jahresbeginn erst auf 13,90 angehoben – und soll 2027 auf 14,60 Euro ansteigen.
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