Ein verwaister Brunnen, abgedeckt mit einer Holzplatte
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Brunnen und Kneippbecken liegen still
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Milchlaster rettet die Wasserversorgung in Bad Bayersoien

Milchlaster rettet die Wasserversorgung in Bad Bayersoien

In Bad Bayersoien ist jeder Liter Trinkwasser kostbar. Quelle und Brunnen geben zu wenig Wasser, ein Milchlaster liefert Wasser und eine Notleitung muss her. Ein Dorf erlebt, was Hitze, Trockenheit und fehlende Reserven wirklich bedeuten.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Bad Bayersoien wirkt wie ein Postkartenidyll. Moorheilbad, Soier See, Blumen vor den Häusern. Doch unter der schönen Oberfläche sitzt die Sorge: Reicht das Wasser noch? "Unsere Quellfassung und der Brunnen geben durch die Hitzeperiode und die wenigen Niederschläge einfach nicht mehr so viel Wasser her", sagt Bürgermeister Eberhard Steiner.

Der Ort braucht derzeit rund 370 Kubikmeter Trinkwasser am Tag. Die eigene Quelle schafft im langjährigen Mittel sieben Liter pro Sekunde, in Spitzen bis zu 20. Momentan sind es laut Geologe Andreas Schechinger vom Wasserwirtschaftsamt nur etwa zwei Liter pro Sekunde – knapp 180 Kubikmeter am Tag. Viel zu wenig für Gemeinde und Gäste.

Der Milchlaster wird zur Lebensader

Mehrmals täglich rollt jetzt ein silberner Tanklaster aus Saulgrub und Rottenbuch an. "Wenn er einen ganzen Tag fährt, bringt er so 150 Kubik Wasser", sagt Steiner. Der Fahrer "macht das schon im Schlaf", wie der Bürgermeister halb bewundernd, halb erschöpft kommentiert. Der Einsatz hat seinen Preis: "Das ist schon ein teurer Spaß, das kostet mehr als 1.000 Euro am Tag", rechnet Steiner vor.

Das wird am Ende auf die Leute umgelegt. Ohne den Laster aber müsste die Gemeinde über stundenweise Abschaltungen nachdenken. "Das wäre dramatisch", sagt Steiner. Der Hochbehälter mit 750 Kubik Metern Inhalt sichert bisher die Versorgung an Wochenenden – sofern er überhaupt voll wird.

Geologie: Viel Lehm, wenig Wasser

Warum trifft es Bad Bayersoien so hart? Andreas Schechinger vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim schaut in den Untergrund. "Wir haben Moränen, also Gletscherablagerungen", erklärt er. "Wechselschichtung aus bindigem Material, das nicht wasserführend ist, und Kieslinsen, die Wasser für uns darstellen."

Diese "Kieslinsen" sind wie kleine Taschen, keine großen Wasserströme. Je tiefer der Wasserstand sinkt, desto weniger liefern die Schichten. Das Einzugsgebiet ist klein, der Grundwasserleiter nicht sehr ergiebig. "Das war immer wieder der Fall, aber nicht in dem Ausmaß wie dieses Jahr", sagt der Geologe. Hohe Temperaturen, langanhaltende Trockenheit und schon seit Jahren zu wenig Grundwasserneubildung verschärfen die Lage.

Notleitung im Ammertal: Spülen, desinfizieren, hoffen

Parallel zum Laster fährt der Bagger: Eine rund zwei Kilometer lange Notleitung von Saulgrub nach Bad Bayersoien wird derzeit im Akkord verlegt. Bevor das Wasser fließen darf, kommt das Gesundheitsamt ins Spiel. Hansjörg Wiesböck ist dort fürs Krisenmanagement zuständig. "Die Sauberkeit beginnt beim Bau", sagt er. Kein Schmutz darf in die Rohre.

Danach wird die Leitung gespült, desinfiziert. "Das Wasser aus Saulgrub wird zusätzlich im Behälter nachdesinfiziert, sodass wir zu jedem Zeitpunkt zu hundert Prozent sagen können, dass das Wasser absolut sicher und gut genießbar ist." Wenn alles gut läuft, soll die Leitung Ende August in Betrieb gehen. Dann wäre Bad Bayersoien, so Wiesböck, "mit einem blauen Auge davongekommen".

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Die Zusatz-Wasserleitung ins Nachbardorf

Wassersparen: Vom Appell zur Verordnung

Schon früher hat der Kurort im Sommer vorsichtig handeln müssen. Brunnen im Dorf wurden abgestellt, Kneippbecken trocken gelegt, die Bürger zum Sparen aufgerufen. Dieses Jahr ist eine neue Stufe erreicht. „Wir haben seit Montag eine Allgemeinverordnung rauslassen, dass man es nicht darf, also auch strafbewehrt, weil es nicht anders geht“, sagt Steiner. Darin steht schwarz auf weiß: Ab wann Beete gegossen werden dürfen. Dass Rasenflächen überhaupt nicht mehr gewässert werden. Autowaschen ist tabu. Hansjörg Wiesböck formuliert den Appell aus Sicht des Landratsamtes:„Bewusster Umgang mit der Ressource Trinkwasser – das mussten wir im alpinen Bereich bislang nie so tun. Jetzt ist es Gebot der Stunde.“

Mehr Standbeine, mehr Verbünde

Bad Bayersoien ist aus Sicht der Fachleute ein Signal. „In unseren fünf Landkreisen gibt es mehrere solche Fälle mittlerweile“, sagt Geologe Schechinger. Betroffen seien vor allem kleinere Gemeinden, „die nur ein Standbein haben, keinen zweiten Brunnen, keine Verbundleitung“. Neue Brunnen, zusätzliche Quellen, optimierte Leitungen – die Hydrogeologen müssen prüfen, wo noch Wasser erschlossen werden kann. Geologe Schechinger bringt es knapp auf den Punkt: „Es gibt noch Wasserreserven. Man muss das halt machen. Es kostet halt Geld.“ Bis die große Lösung steht, fährt der Laster weiter seine Runden.

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