Pressekonferenz ein Jahr nach Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens im Bistum Würzburg, unter anderem mit Bischof Jung.
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Pressekonferenz ein Jahr nach Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens im Bistum Würzburg, unter anderem mit Bischof Jung.
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Missbrauch im Bistum Würzburg: Wie weit ist die Aufarbeitung?

Missbrauch im Bistum Würzburg: Wie weit ist die Aufarbeitung?

Das Bistum Würzburg arbeitet seine Missbrauchsfälle auf und zieht nach einem Jahr Bilanz: Es wurden neue Strukturen geschaffen und Verantwortlichkeiten benannt. Erst gestern war ein neuer strafrechtlicher Fall bekanntgeworden.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Mainfranken am .

Das Bistum Würzburg hat einen pastoralen Mitarbeiter der Diözese aufgrund eines strafrechtlich relevanten Vorfalls sexualbezogenen Fehlverhaltens vom Dienst freigestellt. Dies gab das Bistum gestern in einer Pressemitteilung bekannt. Laut der Mitteilung wurde bereits Anzeige erstattet, und polizeiliche Ermittlungen wurden eingeleitet. Heute, weniger als 24 Stunden später, fand eine Pressekonferenz des Bistums Würzburg statt. Anlass war die Veröffentlichung eines unabhängigen Missbrauchsgutachtens vor genau einem Jahr, das sich mit den Missbrauchsfällen im Bistum Würzburg befasste.

Aktueller Fall, sonst wenig bekannt

Generalvikar Jürgen Vorndran sagte heute bei der Pressekonferenz gegenüber BR24, der Fall sei zunächst der Polizei gemeldet worden, dann dem Bistum. Es handele sich dabei um einen aktuellen Fall, nicht um einen alten bzw. bekannten Fall aus der Missbrauchsstudie. Die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg bestätigt indessen, dass Ermittlungen gegen einen pastoralen Mitarbeiter der Diözese Würzburg eingeleitet wurden. Weitere Details, etwa um welche Art des Fehlverhaltens es sich konkret gehandelt hat und ob es ein einmaliger Vorfall war, sind nicht bekannt.

Mehr Stellen und Schutzkonzepte in Pfarreien

Um die Vermeidung solcher Fälle ging es auf der heutigen Pressekonferenz. Das Gutachten einer unabhängigen Kommission (UKAM) zeigt Missbrauchstaten an Kindern und Jugendlichen zwischen 1945 und 2019 auf. Dazu hat die UKAM Empfehlungen veröffentlicht, wie etwa regelmäßige Schulungen für Mitarbeitende und Ehrenamtliche. Bestehende Präventions- und Interventionskonzepte sollten damit weiterentwickelt werden.

Was in diesen Bereichen im Bistum bisher umgesetzt und verbessert wurde, dazu nahmen Bischof Franz Jung, Generalvikar Jürgen Vorndran und Annika Herzog, kommissarische Leiterin der Stabsstelle Prävention, Aufarbeitung und Intervention, heute Stellung: Es seien zusätzliche Stellen geschaffen worden, mehr Schulungen für Haupt- und Ehrenamtliche organisiert und Schutzkonzepte in den Pfarreien auf den Weg gebracht worden.

Mehr Schulungen und Kontrollen

Aus den Handlungsempfehlungen der UKAM ergaben sich drei Felder: Prävention, Intervention und Aufarbeitung. Die personellen Kapazitäten hatte die UKAM für nicht ausreichend eingestuft. Die Stabsstelle Prävention und Intervention wurde von drei auf nun fünf Stellen aufgestockt. Auch in den Gemeinden vor Ort hat sich seit der Veröffentlichung personell etwas getan: Die UKAM forderte eine Ausweitung der damals 48 Präventionsberaterinnen und -berater, heute sind es 89.

Den Schulungsturnus von fünf Jahren hielt die UKAM für zu lang. Das Bistum verkürzte ihn auf zwei Jahre. Mittlerweile gibt es klare Meldewege und bessere Kontrollen, damit Täter nicht unerkannt bleiben.

Konzept für Aufarbeitung von Missbrauch

In Sachen Aufarbeitung wurde ein strukturierter Ablauf entwickelt und ein Vierstufen-Konzept erstellt: In vier Phasen läuft der Prozess der Aufarbeitung vor Ort ab. Dieser kann von drei Seiten initiiert werden: Durch die Betroffenen selbst, durch die Kirchengemeinde oder durch die Bistumsleitung. Einer dieser Prozesse läuft gerade in Höchberg (Lkr. Würzburg): Die Gemeinde hat im vergangenen Sommer zufällig erfahren, dass ein langjähriger Pfarrer aus dem Ort auch im Gutachten als Täter aufgeführt ist. Er soll sich schwer an Jugendlichen vergangen haben. Das Bistum ist nicht auf die Gemeinde zugegangen.

Positives Feedback zur Aufarbeitung in Höchberg

Phase eins, die Aufklärung der Geschehnisse, sei jetzt abgeschlossen. Viele Gläubige sind zufrieden mit der Aufarbeitung, Pfarrgemeinderätin Christina Gold etwa: "Es war ein gutes Miteinander. Wir haben alle Infos bekommen. Wir konnten alle Fragen stellen und haben Antworten bekommen. Es war ein Miteinander auf Augenhöhe." Es sei ein "learning by doing", sagte Generalvikar Vorndran. Die wissenschaftliche Aufarbeitung der UKAM sei nur der Anfang gewesen. Seitdem gehe es konsequent darum, diesen Prozess weiterzuführen, vor allem in den Gemeinden vor Ort.

Erinnerungsort angekündigt

Bischof Franz Jung hat heute zudem angekündigt, dass noch im Verlauf des Jahres ein Erinnerungsort für die Überlebenden des sexuellen Missbrauchs geschaffen werden soll. Es ist ein Projekt des Betroffenenbeirats, das das Bistum unterstützt. Das Mahnmal wird auf dem Kiliansplatz neben dem Dom errichtet [externer Inhalt, möglicherweise bezahlungspflichtig], also im öffentlichen Raum.

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